weather-image
16°

Faszinierende Bläserserenade in konzentrierter Form

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Janne Thomsen und Tamar Inbar spielten in der Kirche St. Walburg in Seeon im Rahmen des Chiemgauer Musikfrühlings.

Das fünfte Konzert des Chiemgauer Musikfrühlings fand seinen familiär-intimen Rahmen in der Kirche St. Walburg am Kloster Seeon. Die fünf Holzbläser des Musikfrühlings trafen dort auf ein begeistertes, sachkundiges Publikum, das die Nuancen und die Raffinesse der Bläserserenade aufmerksam verfolgte, auch weil der Abend sich nicht in die Länge zog.


Den Anfang machten Janne Thomsen (Querflöte), Tamar Inbar (Oboe) und Hinigio Arrue (Fagott) mit einem Konzert in g-Moll von Antonio Vivaldi, das ein beredtes Zeugnis vom Einfallsreichtum und von der Experimentierlust des Komponisten ablegte. Spielerisch flott mit charmanten Verzögerungen kam das Anfangs-Allegro »ma cantabile«, in ruhigem Fluss anmutig schwingend das Largo; sehr rasch und virtuos entwickelte sich das finale Allegro und ließ den Schönklang der Instrumente und das technische Können der Spieler in der wachen Akustik des Kirchleins prächtig zur Geltung kommen.

Anzeige

Als kleine Kostbarkeiten präsentierten die Damen an Flöte und Oboe Duos nach Motiven aus der »Zauberflöte« von W. A. Mozart, mit musikalischem Witz »Der Vogelfänger bin ich ja«, dramatisch die Arie der Königin der Nacht, »Klinge, Glöckchen, klinge« in köstlichem, schelmischem Zusammenspiel – man stellte erfreut fest: »Das klinget so herrlich, das klinget so schön!«

Der Klarinettist Reto Bieri und der Hornist Olivier Darbellay komplettierten das Quartett bei zwei Werken der (gemäßigten) Moderne. Im Jahr 1922 komponierte Paul Hindemith seine »Kleine Kammermusik« für Bläser op. Nr. 24 Nr. 2, ein hochmusikantisches, mitreißend eingängiges Werk, dessen heiter-skurrile, rhythmisch doch sehr verzwickte Teile wie der verfremdete »Walzer«, aber auch »ruhige und einfache« Momente in tieflotender Betrachtung die Spieler zu intensivem Tun verleitete, bevor der fünfte und letzte Satz, unruhig und aufsässig, enorme Klangmischungen und -wirkungen entwickelte.

Auch György Ligetis »Sechs Bagatellen für Bläserquintett« (1953) stellten die fünf Musiker vor diffizil-dankbare Aufgaben, die sie souverän meisterten. Spannend und amüsant zugleich war es, wie sie sich gegenseitig zuspielten und aneiferten. Geistreich und voll subtilen Humors, kapriziös oder auch ruppig, klagend, tieftraurig und zerrissen, dann wieder anmutig und graziös in Wohlklang schwelgend, wie von Angstattacken gepackt, die sich doch zum Schluss harmonisch lösten, fächerten diese »Bagatellen« die ganze Bandbreite des Lebens auf – die Zuhörer waren davon sehr angetan und ließen es die Musiker nach 65 Minuten Konzertdauer am Beifall deutlich werden. Engelbert Kaiser