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Fast wie im richtigen Leben

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Christine Eixenberger berichtete im k1 nicht nur aus ihrem Leben als Grundschullehrerin. (Foto: Heel)

»Ich war mal Sheriff«, erwiderte Gary Cooper in einem Western auf die Frage, was er früher so gemacht habe. Damit war alles gesagt, der (gute) Charakter definiert. Die Kabarettistin und Schauspielerin Christine Eixenberger war früher mal Grundschullehrerin. Damit ist zwar nicht alles gesagt, aber es erklärt vieles. Zum Beispiel, warum sie bei ihrem Auftritt im gut besuchten Saal des Traunreuter k1 großen Wert darauf gelegt hat, ähnlich euphorisch begrüßt zu werden, wie sie es von ihren Schülern gewohnt war. Die sind nämlich bei ihrem morgendlichen Anblick geradezu ausgeflippt, warfen vor Freude ihre Pausenbrote in die Luft und wünschten sich, ihre Väter würden endlich ein Kind mit ihr zeugen.


Ja, so schön kann Schule sein, und erst recht das Leben, wenn die Frau Ex-Lehrerin auf der Bühne steht und anfängt, aus ihrem Leben zu erzählen. Etwa von ihrer nächtlichen Kollision mit einem Wildschwein, passiert auf der Heimfahrt nach einem Auftritt. Ein Ereignis, bei dem sich der Schaden jedoch in Grenzen hielt. Jedenfalls auf ihrer Seite. Schmerzhaft war nur die Reaktion ihres »Dingsda« daheim auf der Couch. Der wollte nämlich nur wissen, ob sie diese Nacht noch nach Hause kommt oder nicht.

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Angereichert mit Seitenhieben auf die Kolonnen SUV-fahrender Mütter, die ihre Kleinen vom Kindergarten abholen, »a Militärparade in Moskau is a Dreck dagegen«, kommt dabei keine Sekunde Langeweile auf, denn die 1987 in Miesbach geborene Künstlerin präsentiert ihre abstrusen Geschichten nicht nur mit vollem Körpereinsatz, sondern fühlt sich auch sichtlich wohl dabei.

Speziell dann, wenn der Erziehungs-Virus in ihr zum Vorschein kommt und eine »Fingerspitzenlösung«, so auch der Titel ihres aktuellen Programms, angesagt ist. Zum Beispiel während einer Fahrt mit der Bayerischen Oberlandbahn, kurz BOB genannt, zum Flughafen. Da sitzt ihr eine Meute grölender Mallorca-Urlauber im Nacken und nervt, bis sie schreit: »A Ruah jetzt, oder i geh zum Rektor ... I moan, zum Schaffner.« Der erweist sich aber als wenig hilfreich, sodass sie am Ende – Erziehung muss auch mal wehtun – kurzerhand die Notbremse zieht.

Im Mittelpunkt ihres Auftritts steht aber ihr Aufenthalt in einem Wellness-Hotel, wohin sie vor ihrem stressigen Schulalltag geflüchtet ist und sich Erholung bei Meditation und Moorbehandlung erhofft. Dabei entführt sie mit Gusto und bösem Witz in die Welt der von Schönheitsoperationen entstellten Damen von Welt und findet heraus, dass das beste Mittel gegen Stress die Langeweile ist: »Einfach nur rumhocken und blöd schauen, probiert's des mal aus.«

Zwischendurch begeistert Christine Eixenberger auch als Sängerin mit so tollen Liedern wie »Taxifahren in Berlin«. Ein kabarettistisches Kraftpaket sondergleichen, das derzeit auch jeden Freitag im Bayerischen Fernsehen in der Serie »München Grill« zu sehen ist. Wolfgang Schweiger