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Fast siebzig und kein bisschen leise …

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Der Mann mit der Hammerstimme: Joe Cocker. (Foto Heel)

Um mich ausnahmsweise selbst zu zitieren: »Nur schade, dass sich das bunt gemischte Salzburger Publikum, das den Besuch wohl eher als Pflichtübung verstand, nicht erobern ließ. Auch nach vier Zugaben war nicht mehr als freundlicher Applaus drin, und das war der einzige Minuspunkt des Abends.« So mein Fazit nach Joe Cockers Auftritt in der Salzburgarena im Mai 2005.


Nur logisch also, dass ich sehr gespannt war (und natürlich ängstlich dazu), ob die Rocklegende dieses Mal ähnlich schlecht abschneiden würde. Aber siehe da, es kam anders. Gänzlich anders sogar. So war schon zu Beginn des Konzerts nichts als Zustimmung und erwartungsvolle Freude im Publikum zu verspüren, die sich im Verlauf der so intensiven wie abwechslungsreichen Bühnenshow zu totaler Begeisterung steigerten, bei der es spätestens nach Klassikern wie »You can leave your Hat on« oder »Unchain my Heart« viele nicht mehr auf ihren Sitzen hielt.

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Und das war auch gut so, schließlich ist die Stimme des Mannes aus Sheffield, der am Pfingstmontag 69 Jahre alt wurde, seit seinem legendären Woodstock-Auftritt und der Aneignung des Beatles-Songs »With a little Help from Friends« aus der Popmusik nicht mehr wegzudenken. Diese einzigartige, unverwechselbare Reibeisenstimme, auf die Verlass ist, auch jetzt noch, im sechsten Jahrzehnt seiner Karriere, nach unzähligen Rückschlägen und Enttäuschungen, nach Alkohol- und Drogenexzessen.

So auch an diesem Abend in der gut besuchten Salzburgarena, wo er seine Songs mit der üblichen Dampfhammerstärke ins Mikrophon röhrte und krächzte. Und wieder einmal überzeugend vorführte, dass er noch längst nicht zum alten Eisen zählt, dass er weder alt noch langweilig geworden ist. Zumal sich die vielen Songs aus seinem aktuellen Album »Fire it up«, klassische Soulnummern und kraftvolle Balladen, nahtlos in sein Hitrepertoire einfügten.

Sicher, man spürte gelegentlich, dass ihm das Alter zu schaffen macht, dass seine Grenzen, auch im Hinblick auf seine unkonventionelle Körpermotorik, abgesteckt sind. Aber angeschoben von seiner sechsköpfigen, furios und mit opulent krachender Härte aufspielenden Begleitband und unterstützt von zwei exzellenten Background-Sängerinnen brauchte er den Vergleich mit früher nicht zu scheuen.

Schon immer eine Art Schmerzensmann des Pop, eine verletzte Seele mit Urschrei, hat er jetzt, mit fast 70 und mittlerweile »Officer of the Order of the British Empire« (OBE), eine verwitterte Größe erreicht, die nur wenigen Künstlern vergönnt ist und uns hoffentlich noch einige Zeit erhalten bleibt. Wolfgang Schweiger