weather-image
20°

Fast drei Stunden Boogie Woogie der Extraklasse

Seit einem Vierteljahrhundert ist Jörg Hegemann in verschiedenen Besetzungen auf den Boogie-Woogie-Bühnen der Welt zu Hause. Nicht nur in Mitteleuropa ist er ein gern gesehener Gast, sondern auch in die USA und nach Russland wurde er schon eingeladen. Gemeinsam mit seinen langjährigen Wegbegleitern Peter Reber und Thomas Aufermann zelebrierte er im NUTS zum Bühnenjubiläum eine Konzertparty im Stile des legendären New Yorker »Cafe Society«. Das Trio überzeugt nicht nur mit großem Können jedes Einzelnen, sondern ist auch hervorragend aufeinander eingespielt und versteht sich blind.

»Cafe Society«-Party im NUTS: Das Foto zeigt (v. l.) Peter Reber, Thomas Aufermann und Jörg Hegemann. (Foto: Ortner)

Viele treue Fans hatten sich wieder wie jedes Jahr auf den Weg nach Traunstein gemacht um das seit vielen Jahren regelmäßig im Herbst stattfindende Konzert des begnadeten Boogie-Pianisten nicht zu verpassen, aber auch eine nette Anzahl neuer Gesichter war auszumachen. Unter ihnen auch der junge Tiroler Pianist Robert Hund, der zu vorgerückter Stunde als Gast beim »Bäumchen-wechsel-dich«-Spiel an die Pianos gebeten wurde und mit Jörg Hegemann und Peter Reber unter frenetischen Beifallsstürmen wilde Duelle und »Trielle« an den Tasten veranstaltete.

Anzeige

Doch bis es soweit war, führten die drei Hauptakteure des Abends quasi in den Rollen ihrer Vorbilder durch Zeit und Raum des Boogie-Woogie, vor allem durch die Hochphase in den vierziger Jahren. Jörg Hegemann mit viel Körpereinsatz als Albert Ammons, Peter Reber, elegant und zurückhaltend als Pete Johnson und Thomas Aufermann in der Rolle des mit seiner kraftvoll angenehm tönenden Stimme raumfüllenden Big Joe Turner.

Wie immer gaben Reber und Hegemann zwischen den Stücken nette Geschichten und Anekdoten aus dem Leben und Umfeld ihrer »Idole« zum Besten, diesmal erfuhren die Besucher durch den Sänger Thomas Aufermann auch ein bisschen mehr über den legendären Sänger »Big Joe«, der im Alter von vier Jahren seinen Vater verlor und bereits als kleiner Bub mit dem schwarzen Hut des Dads auf dem Kopf und seinem beeindruckenden Gesang für Furore sorgte.

Die Initialzündung für seine Karriere dürfte dann das berühmte Konzert 1938 in der New Yorker Carnegie Hall mit Pete Johnson gewesen sein. Dann folgten die berühmt-berüchtigten Konzerte im »Cafe Society«, in dem, anders als im »Cotton Club« und weiteren, die Rassentrennung abgelehnt wurde und es zudem, wie Aufermann bildhaft schilderte, »recht erwachsen« zuging. Gemeint waren damit sicherlich nicht nur die etwas schlüpfrigen Original-Texte von Evergreens wie »Shake, rattle and roll«, die erst in späteren Versionen leicht »entschärft« wurden.

Das Trio präsentierte mit seinen fantasievollen und gekonnten Interpretationen einen fulminanten Querschnitt durch die musikalische »Cafe Society«-Ära. Mal mit zwei Pianos, mal solo, in verschiedenen Besetzungen mit Aufermann am Mikro, das er dank seiner voluminösen Stimme überhaupt nicht gebraucht hätte, um den Saal auch bis in die letzte Ecke zu erreichen, wobei die Boogie-Duette am Piano, die Jörg Hegemann und Peter Reger seit Mitte der neunziger Jahre sorgsam und mit Leidenschaft pflegen, die »Königsdisziplin« darstellten, so Aufermanns launige Ansage.

Natürlich gab es auch wieder die, nach rekordverdächtigen mehr als zweieinhalb Stunden hervorragendster Unterhaltung eine frenetisch geforderte und hochverdiente Zugabe. Maria Ortner