»Fanta 4« spielen vor 1500 Fans an der Jennerbahn-Talstation

»Fanta 4« spielen vor 1500 Fans an der Jennerbahn-Talstation
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Fegten am Königssee rund eineinhalb Stunden lang über die Bühne (v.l.): Bernd Schmidt alias Smudo, Thomas Dürr alias Thomas D und Michi Beck alias Dee Jot Hausmarke. (Fotos: Kilian Pfeiffer)
»Fanta 4« spielen vor 1500 Fans an der Jennerbahn-Talstation
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1 500 Fans sind zum »Fanta 4«-Konzert gekommen.

Schönau am Königssee – Das Licht geht an, die Soundboxen vibrieren. Da stehen sie nun auf der Bühne: Smudo, Michi Beck und Thomas D, And.Ypsilon im Hintergrund. Und eigentlich ist es so wie immer: Die kreischende Menschenmasse an der Jennerbahn-Talstation, 1500 Menschen, begrüßen die »Fantastischen Vier«, reißen die Hände nach oben, singen lautstark mit: »Denn nur zusammen ist man nicht allein«. Nach knapp zwei Jahren Pause zeigen sich die »Fanta 4« auf der »Morgen kann kommen«-Tour in Bestform.


Corona, der längste Lockdown überhaupt, dann das Hochwasser in Berchtesgaden: »Es ist eine Befreiung, wieder zu tanzen und gemeinsam abzugehen«, sagt Michi Beck, begnadeter DJ und MC und eines der Mitglieder der Hip-Hop-Formation, die sich den Königssee ausgesucht hat, um eines der ersten Konzerte nach langer musikalischer Durststrecke zu geben.

»Wir wollten ursprünglich an der Mittelstation spielen«, sagt Smudo. Bester Talblick, exponierte Lage – wäre wohl außergewöhnlich gewesen. Wurde aber nichts – der Naturschutz machte den Urgesteinen des Sprechgesangs einen Strich durch die Rechnung. Direkt am Königssee? Auch das wurde den Stuttgartern verwehrt. Nun also die Jennerbahn-Talstation – drüben klackern tagsüber Gondeln, hier wummert der Bass aus fetten Boxen, Thomas D fegt über die Bühne. 52 Jahre alt ist er mittlerweile. Als er beim Solosong »Der Krieger« das T-Shirt auszieht, geht ein Raunen durch die Menge: Durchtrainierter Body, »geil« ruft eine junge Frau, dichter, von buntem Licht durchdrungener Nebel hüllt den Frontmann in ein Kleid aus Nebel. Seine Solo-Veröffentlichungen sind bekannt für tiefgründige Texte mit philosophischem Inhalt.

Heute soll es aber vor allem um die Party gehen, um »Zuversicht«, wie Smudo sagt, um beste Unterhaltung. Der Veranstalter, die Volksbank Raiffeisenbanken, hat das Konzert ermöglicht. Die, die dabei sein wollten, konnten Videos und Bilder einsenden, zeigen, was sie sich von der Zukunft erwarten – Wünsche, Sehnsüchte, Träume äußern. Wer überzeugte, bekam ein Ticket. 200 Hochwasserhelfer sind zudem eingeladen. Ein Dank muss sein. Wer dabei ist, muss die »Luca«-App auf dem Smartphone haben. Smudo ist einer der Ideengeber dahinter, Geldgeber und Visionär bei der Nachverfolgung in Sachen Corona-Infektionen. Wenn es schon der Staat nicht auf die Reihe kriegt, dann halt der fantastische Eine.

In der Truppe ist die Gruppierung unschlagbar, trotz des fortgeschrittenen Alters. Hip-Hopper, die Ü 50 sind, sind Raritäten. Über 30 Jahre ist das Quartett schon ein eingeschweißtes Team, im Song »25« heißt es: »Thomas, Smudo, Andy, Michi rocken die gesamte City, droppen gottverdammte Hits, seit 25 Jahr’n im Bizz.« Aufs und Abs inklusive, aber immer fest davon überzeugt, legendenbildend zu werden. Und ja, das haben die deutschen Musiker, auf deren Nacken Hits wie »Die da«, »Troy«, »Was geht« oder »MfG« gehen, auch irgendwie geschafft. Das Publikum: jung, mittel, älter. »Fanta 4« ist für jedermann und jedefrau – und alle dazwischen.

»MfG« knallt es aus den Verstärkern, »mit freundlichen Grüßen vom Königssee«. Lautstark singt das Publikum mit, Arme Richtung dunkler Himmel, die Fantas haben die Bühne im Griff, dirigieren das Publikum, das leidenschaftlich den Anweisungen der rappenden Ausnahmemusiker folgt. Knappe zwei Stunden hat die Band den Königssee fest in der Hand, die gute Laune ist alleine der Musik geschuldet – auf dem Gelände herrscht absolutes Alkoholverbot.

Und so knallen die Musiker ihre bekanntesten Hits raus, dicht gedrängt in Reihe, so mancher schwelgt in nostalgischer Erinnerung. Die »Fantastischen Vier« haben den Musikgeschmack einer ganzen Generation mitgeprägt. Zeit für Verschnaufpausen gibt es an diesem Abend nicht. Am Ende sagen sie »Danke« in Songform, wünschen sich von den Fans, der Band »Troy« zu bleiben. Und dann sind »die da« wieder weg. Was bleibt, sind Bilder im Kopf – und auf etlichen Hunderten Smartphones.

Kilian Pfeiffer