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Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Familie vor Gericht – Nötigungen bestätigen sich nicht: Freispruch

Berchtesgadener Land – Von »desolaten Familienverhältnissen« sprach Richter Christian Daubner: Neun Kinder und ein Paar, dass sich nach der Trennung bekriegt und die Kinder dazu drängt, für den jeweiligen Elternteil Partei zu ergreifen und auszusagen. Dazu offensichtlich Gewalt und sexueller Missbrauch von jüngeren Kindern durch ältere. Am Laufener Amtsgericht angeklagt war die 44-jährige Mutter, die zwei Kinder unter Druck gesetzt haben soll, sich in ihrem Sinne vor Gericht zu äußern. Angeklagt waren Nötigung und versuchte Nötigung.


Zum einen ging es um Dessous- und Nacktbilder, die die Kinder angeblich von der Frau gemacht haben sollen. Dies hätten zwei erwachsene Kinder bei ihren Aussagen bestreiten sollen. In einem zweiten Fall soll die Frau ihrem Sohn gedroht haben, ihn wegen sexuellen Missbrauchs zweier Geschwister anzuzeigen, wenn er nicht in ihrem Sinne aussage. »Er manipuliert sie«, sagte die Angeklagte ihrerseits über den Ex.

Die 23-jährige arbeitslose Tochter räumte ein, falsch über ihre Mutter ausgesagt zu haben, weil sie nicht wollte, dass die jüngeren Kinder zu ihr kommen. Im Übrigen wollte sie die Kleineren gerne in ihrer Nähe haben. Die beschriebenen Bilder hätten sie nicht machen müssen. Ob für diese Verhandlung etwas be- oder versprochen wurde, wollte Richter Christian Daubner von ihr wissen. »Nein«, sagte die Zeugin, »ich habe ihr nur gesagt, dass ich keine Lust mehr auf diese Lügerei habe« .

Der 22-jährige Sohn arbeitet im Schaustellergewerbe. Auch er sagte über den Vater, dass der die Kinder dränge, die Mutter schlecht zu machen. »Ich wollte mal mit dem Vater, mal mit der Mutter gut stehen«, erklärte der Sohn seine widersprüchlichen Aussagen in der Vergangenheit. Und weiter: »Unser Vater wollte die Mutter untergehen sehen.«

Zudem habe er die Kinder sogar mit einem Besenstiel geschlagen, berichtete der Zeuge, der nichts mehr mit dem Vater zu tun haben will. Deutlich zur Wahrheit gemahnt, entlasteten Tochter und Sohn diesmal die Mutter. Richter Christian Daubner schloss aus dieser mehrjährigen Geschichte, dass man nicht abschließend beurteilen könne, »was letztlich richtig ist«.

Nachdem Staatsanwältin Carolin Regensburger und Rechtsanwalt Stefan Conrads zuvor beide Freispruch beantragt hatten, schloss sich Daubner dem an. »Es bleiben Zweifel.« Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. »Die Kinder sind Opfer und Spielball zwischen den Eltern«, sagte Regensburger, »sie müssen einem leidtun«. Soweit bekannt, läuft auch gegen den Vater ein Verfahren.

höf