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Die Angeklagte ließ einen Bekannten ans Steuer, obwohl der keinen Führerschein hatte. (Archivfoto: Hannes Höfer)

Fahren ohne Führschein – Angeklagte wusste nichts von Verlust und wurde freigesprochen

Laufen – Eine junge Frau aus Ainring hat miterlebt, wie ihr heute 26-jähriger Bekannter mit 18 Jahren den Führerschein gemacht hat. Sie habe den »Lappen« sogar mit eigenen Augen gesehen. Nun aber stand die Technikerin in Laufen vor Gericht, weil sie den Industriemechaniker aus Ainring ans Steuer ihres Kleinwagens ließ – ohne Führerschein. 800 Euro sollte die Frau wegen fahrlässigen Zulassens des Fahrens ohne Führerschein bezahlen. Am Ende der Verhandlung in Laufen wurde die junge Frau freigesprochen.


Am 13. August 2021 war der Industriemechaniker in Bad Reichenhall kontrolliert worden, womit die Sache ins Rollen gekommen war und die Frau einen Strafbefehl bekommen hat. Gegen den legte sie Einspruch ein. »Ich wusste nicht, dass er keinen Führerschein mehr hat«, versicherte die 25-Jährige. Sie habe jedoch gewusst, dass er den Schein gemacht hatte. Der Strafbefehl gegen den Aininger in dieser Sache ist bereits rechtskräftig. Im Zeugenstand gestand der Industriemechaniker, den Schein vor rund vier Jahren verloren zu haben. Weil von einer MPU die Rede war, war wohl Alkohol- oder Drogenkonsum der Grund. Zur Angeklagten hatte der 26-Jährige nach eigener Aussage geraume Zeit keinen Kontakt mehr. Bis sie ihn das Steuer überließ.

Hinter dem Steuer des Suzukis war der Ainringer sogar schon geblitzt worden. »Erst war ich als Halterin im Visier«, berichtete die Angeklagte, »mit dem Bild aber war klar geworden, dass nicht ich gefahren bin. Er ist schließlich bestraft worden.« Selbst hier habe es keinerlei Konsequenzen gegeben.

Als der Richter Christian Daubner die Einstellung des Verfahrens anregte, zeigte sich allerdings die Staatsanwaltschaft in Traunstein nicht dazu bereit. Die Angeklagte hat keine Einträge im Bundeszentralregister, jedoch einige im Fahreignungsregister. Dreimal schon war sie mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit ertappt worden. »Mit der Geschwindigkeit haben sie’s nicht so«, kommentierte Christian Daubner die deutlichen Ahndungen. Der Amtsanwalt Tobias Streifinger beantragte nun eine Geldstrafe von 20 Tagessätze zu je 15 Euro. Christian Daubner aber entschied auf Freispruch. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. »War es eine Verletzung der Sorgfaltspflicht?«, fragte der Strafrichter, um festzustellen, dass »eine Sorgfaltspflicht auch Grenzen hat«.

höf