weather-image
11°

Experte: Ferienzeit keine Hochrisikozeit für Familiendramen

Bochum (dpa) - In diesem Monat sind bei Gewalttaten in Nordrhein-Westfalen und Berlin neun Kinder getötet worden. Einen statistisch belastbaren Zusammenhang, etwa ein höheres Risiko in der Ferienzeit, sieht der Kriminologe Andreas Ruch von der Ruhr-Universität Bochum dennoch nicht.

«Die eine Ursache gibt es nicht», sagte Ruch am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Alle Fälle hätten einen anderen Hintergrund.

Anzeige

So sei auch die Ferienzeit keine Hochrisikozeit in den Familien. Möglicherweise komme es in den Ferien häufiger zu Aggressionen, die Hemmschwelle zur Tötung eines Kindes liege aber weit höher. Auch einen Nachahmungseffekt gebe es bei solchen Taten nicht.

Allerdings: «Gewalt ist in der Regel ein Beziehungsdelikt. Es ist wahrscheinlicher, innerhalb der Familie Gewalt zu erleiden, als das Opfer eines Unbekannten auf der Straße zu werden», sagte der Kriminologe.

Die Zahl der Tötungen von Kindern sei in der Vergangenheit entgegen der öffentlichen Wahrnehmung auch nicht angestiegen. Auf 100 000 Kinder bis zu 14 Jahren kamen sowohl 1993 als auch im Jahr 2010 statistisch 0,7 vollendete Tötungsdelikte.

Gespräch: Frank Christiansen, dpa