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Ex-Minister, Muslim oder transsexuell: Kommunalwahl heißt Vielfalt

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Alfons Hörmann Foto: dpa

Bei keiner anderen Wahl in Bayern wird über mehr Posten entschieden als bei der Kommunalwahl. Fast 40 000 Mandate werden vergeben – die Bewerberzahl ist immens. Der ein oder andere sticht heraus.


MARIANNE KROHNEN

Als Marianne Krohnen Bürgermeisterin im unterfränkischen Geiselbach wurde, spielten so manche der heutigen Kommunalwahlkandidaten in Bayern noch in Krabbelstuben. Seit 1984 steht die 68-Jährige an der Spitze der Gemeinde im Landkreis Aschaffenburg. Damit ist die dreifache Mutter und fünffache Oma die dienstälteste Bürgermeisterin in Bayern. Heuer will sie ihre 7. Amtszeit antreten – und wieder ehrenamtlich für die 2500-Einwohner-Gemeinde arbeiten.

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OZAN IYIBAS

Ozan Iyibas ist der erste muslimische Bürgermeisterkandidat der CSU – in Neufahrn bei Freising. Der 37-Jährige ist seit 2007 Parteimitglied und seit 2015 Vorsitzender des Arbeitskreises Migration und Integration der CSU auf Landesebene. Iyibas gehört wie seine Eltern den Aleviten an. Die Konfession wird regelmäßig, wenn auch nicht immer, dem Islam zugerechnet.

HANS SÖLLNER

Er trat für die Legalisierung von Marihuana ein und legte sich immer wieder mit Vertretern der Staatsmacht an – besonders wenn sie der CSU angehörten. In Bad Reichenhall bewirbt sich der für seine politik- und gesellschaftskritischen Texte bekannte Liedermacher Hans Söllner für das Amt des Oberbürgermeisters. »Ich mache was, weil ich glaube, dass ich was ändern kann, und weil ich glaube, dass man mit den Leuten anders auch arbeiten kann als über Gesetze, über Verpflichtungen«, begründet der 64-Jährige sein Interesse.

HANS REICHHART

Hans Reichhart (CSU) hat vor wenigen Wochen seinen Posten als Bauminister aufgegeben, um im Landkreis Günzburg Landrat zu werden. Der 37-Jährige will den langjährigen CSU-Landrat Hubert Hafner ablösen, der aus Altersgründen nicht mehr antritt. Reichhart hat in Passau Jura studiert und danach einige Jahre als Richter und Staatsanwalt gearbeitet, ehe er 2013 Landtagsabgeordneter und Landesvorsitzender der Jungen Union in Bayern wurde.

SYBILL CONSTANCE DE BUER

In Burghausen hat die AfD eine Überraschungskandidatin aufgestellt. Die Transsexuelle Sybill Constance de Buer, gerade erst aus Bremen nach Oberbayern gezogen, bewirbt sich um die Nachfolge von Bürgermeister Hans Steindl (SPD). Die 59 Jahre alte gelernte Köchin nannte in Medienberichten als ihr größtes kommunalpolitisches Ziel, das örtliche Krankenhaus zu erhalten. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ergänzte sie: Verzicht auf Parkgebühren und ein neues Studentenheim. Ob sie die Wähler davon überzeugen kann, dass sie in nur vier Monaten – seit Dezember hat sie ihren Wohnsitz in Burghausen – die örtlichen Belange gut kennt, um im Rathaus zu sitzen? Sie rechne mit acht bis zehn Prozent.

KATRIN ALBSTEIGER

In Neu-Ulm will die ehemalige Junge-Union-Landesvorsitzende Katrin Albsteiger Rathauschefin und damit Nachfolgerin des CSU-OB Gerold Noerenberg werden, der nicht mehr kandidiert. Albsteiger galt einst als weibliches Nachwuchstalent der Unionspartei. 2013 musste sie nach internem Druck den Posten als bayerische JU-Chefin räumen, wurde später aber stellvertretende JU-Bundesvorsitzende. Für eine Legislaturperiode saß Albsteiger im Bundestag, wurde 2017 aber nicht wiedergewählt.

ALFONS HÖRMANN

Seit 2013 ist Alfons Hörmann Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Nun will der 59-Jährige zusätzlich Landrat im Oberallgäu werden. Im Allgäu war der Kemptener bereits in der örtlichen Landjugend aktiv, trat später in seiner Wahlheimat Sulzberg für den Gemeinderat an, wurde zweiter Bürgermeister, agierte im Oberallgäuer Kreistag. Aufgrund seiner Funktionärslaufbahn gilt Hörmann als bestens vernetzt, auch international. Der CSU-Politiker ist Vorstandsvorsitzender des Bauteileherstellers Schöck. Als Landrat muss er diesen Posten niederlegen. DOSB-Boss möchte er bleiben – wegen möglicher Interessenskonflikte ist das aber umstritten.

STEPHAN KETTNER

Eigentlich wollte er OB von Bamberg werden, jetzt steht sein Name nur auf der Stadtratsliste: Stephan Kettner (Bamberger Linke Liste) darf nicht zur Wahl des Stadtoberhaupts antreten, weil er Österreicher ist. »Ich war relativ optimistisch, dass ich die Staatsbürgerschaft kriege«, sagt der 49-Jährige, der seit seiner Geburt in Deutschland lebt. Doch sein Antrag scheiterte bei der Prüfung durch den Verfassungsschutz – denn er ist Mitglied der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten«, die als linksextremistisch beeinflusste Organisation eingestuft wird. Es bliebe nur noch eine langwierige Anhörung, doch die verweigert der Sozialpädagoge.