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Essen to go kann Regelbetrieb nicht ersetzen – Heimische Gastronomen mit neuen Konzepten

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Essen to go wird gut angenommen. Dennoch deckt es bei den meisten Gasthäusern gerade einmal die Unkosten. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns im Frühjahr haben die Menschen in den verschiedensten Bereichen viel gelernt, so auch die Gastwirte. Viele der Wirtshäuser bieten Essen zum Mitnehmen an. Vor allem an den Wochenenden nutzen die Berchtesgadener die Angebote in großer Zahl.


»Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel« lautet ein altes Sprichwort. Pizzabäcker Ibo Tas vom Gasthaus »Zur Schießstätte« relativierte zusammen mit seinem Wirtepartner Roman Telser die Aussage insofern, dass man durch die Speisenangebote wenigstens die Unkosten decken könne. Dabei sei man mit dem Sommer und auch dem Herbst zunächst hochzufrieden gewesen, ehe der für Berchtesgaden vorgezogene zweite Lockdown erfolgt sei, ergänzte der Südtiroler Telser, der froh ist, mit dem Pizzabäcker einen Partner gefunden zu haben, um so die schweren Zeiten gemeinsam durchstehen zu können.

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Von Donnerstag bis Freitag werden die Pizzen am Abend angeboten, am Sonntag auch mittags. Die Grundlage für die Pizza ist der Teig, den der Pizzabäcker Mitte der Woche für das Wochenende vorbereitet. Die Speisekarte ist wie bei anderen Wirtschaften auf der Homepage oder via »Facebook« einzusehen.

Die »Schießstätte« bietet für alle Speisen auch einen Lieferservice. Neben Pizzen können auch andere Speisen aus der bayerischen, böhmischen und Südtiroler Küche vorbestellt werden.

Ein paar Kilometer weiter flussabwärts hat sich die Familie Fendt im Gasthaus »Laroswacht« (Freitag bis Sonntag) auf die neue Variante »Essen zum Mitnehmen« eingerichtet.

»Unsere Gäste bestellen aus unserer jede Woche wechselnden Speisekarte telefonisch vor. Damit niemand zu lange warten muss, arbeiten wir in der Küche nach Abholzeiten, was sehr gut funktioniert«, erklärte Gastwirt Manfred Fendt, der wie seine Kollegen allerdings nur von einer gewissen Unkostendeckung spricht. Die Kunden würden die Angebote in allen Berchtesgadener Wirtshäusern dankbar annehmen. Viele möchten mit dem Mitnehmen der Speisen auch einen Beitrag zur Solidarität für die heimischen Betriebe leisten.

In Berchtesgaden bietet unter anderem das Gasthaus »Goldener Bär« (Donnerstag bis Sonntag) Essen zum Mitnehmen an. In der Gemeinde Schönau am Königssee haben sich das »Echostüberl« (Mittwoch bis Sonntag) und das »Grünsteinstüberl« (auf Vorbestellung und Samstag/Sonntag) auf die neue Verpflegungsvariante »Straßenverkauf« eingestellt, in der Ramsau ist es das Gasthaus »Waldquelle« (Donnerstag bis Sonntag). Zuletzt hat sich auch das Gasthaus »Oberstein« (Samstag und Sonntag) in der Scheffau der alternativen Variante angeschlossen.

Alle Wirte betonten, dass sie froh über ihre treuen Stammkunden seien, zu denen jedoch auch immer wieder via Internet oder durch persönliche Referenzen neue Gäste hinzukommen würden. Auf den derzeit etwas kleineren Speisekarten stehen gängige und traditionelle Speisen, sodass für jeden Geschmack etwas im Angebot ist. Die Hoffnung auf ein Ende der Beschränkungen ist bei Wirten und Kunden nicht groß. Allenfalls über Weihnachten und Neujahr erwartet man eine gewisse Lockerung. Danach wird es wohl wie bisher weitergehen, befürchten die heimischen Gastronomen.

Christian Wechslinger