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»Es war wirklich höchste Zeit«

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In dieses Loch kommt nun ein »stattlicher« Stahlträger, wie es Marktbaumeister Peter Hasenknopf formuliert. Die Hundert Jahre alten bisherigen Träger haben ausgedient.
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Tragwerksplaner Rüdiger Spitzauer ist für die Statik des Soleleitungsstegs verantwortlich. Er deutet auf das Loch für den Träger, daneben ist ein Sicherungsanker.

Berchtesgaden – Der Soleleitungssteg über dem Markt Berchtesgaden wird derzeit komplett neu gebaut. Dafür war es laut Marktbaumeister Peter Hasenknopf höchste Zeit: »Die ganze Konstruktion, mit Trägern und Felssicherung, war nicht mehr sicher.« Gemeinsam mit Tragwerksplaner Rüdiger Spitzauer führte der Marktbaumeister den »Berchtesgadener Anzeiger« über die Baustelle in exponierter Lage und erklärte, was genau gemacht wird.


Die Baustelle Soleleitungssteg kurz zusammengefasst: Auf dem Bauabschnitt eins, der hölzerne Steg oberhalb der Fußgängerzone, werden derzeit auf eine Länge von rund 60 Metern 30 Metall-Anker in den massiven Fels gesetzt. Zudem installieren die Arbeiter »stattliche« Stahlträger in der Wand, auf die neue Lärchenholzplanken montiert werden. Wer vom Doktorberg aus in Richtung Soleleitungssteg geht, steht in diesen Tagen vor einer Bretterwand. Tragwerksplaner und Statiker Rüdiger Spitzauer aus Bayerisch Gmain und Marktbaumeister Peter Hasenknopf müssen am Dienstag daher zunächst eine Kletterpartie einlegen, um auf die Baustelle in luftiger Höhe zu gelangen. Dort ist schon Metallbauer Thomas Datzmann mit seinen Arbeitern am Werk.

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Am Kletterseil hängend Löcher in Fels bohren

Einer der Männer hängt an einem Kletterseil etwa drei Meter oberhalb in der Felswand und bohrt. Die Arbeiten werden komplett vom Steg aus gemacht, einen Kran sucht man vergeblich. »Das ist alles Handarbeit«, so Hasenknopf. Tragwerks-planer Spitzauer erklärt, was hier passiert: »Zur Felssicherung kommen 30 Anker etwa drei Meter in den Fels hinein. Dafür werden Löcher gebohrt.« Das habe nur insofern etwas mit der Stegerneuerung zu tun, da die Nutzung und die Erneuerung des Steges durch die Arbeiter ja gesichert sein muss. Dieser Teil des Steges wurde auch zuerst in Angriff genommen, da sich hier laut des Marktbaumeisters am meisten Personen aufhalten. »Etwa an Silvester stehen die Leute hier schon mal in Dreier- und Viererreihen.«

Rüdiger Spitzauer ist für die Statik des Steges zuständig. »Für die Setzung der Anker und die Sicherung des Felses ist Geologe Dr. Stefan Kellerbauer zuständig«, betont der Planer. Dr. Kellerbauer schaue sich sehr genau die Felsstrukturen und die Schichtungen an. »Und um sämtlichen Eventualitäten zu begegnen, werden die Sicherungsanker gesetzt.«

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Planer Rüdiger Spitzauer (l.) und Marktbaumeister Peter Hasenknopf schauen sich auf der Baustelle um. Neben Spitzauer ist unten die alte Felssicherung zu sehen, darüber ein neuer Anker. Die alte Sicherung ragt nur etwa einen halben Meter in die Wand, die neue ganze drei Meter. So sollen Felsabbrüche vermieden werden. (Fotos: Voss)

Marktbaumeister Peter Hasenknopf fügt hinzu: »Jetzt könnte man sich die Frage stellen: Sind die übervorsichtig? Haben die sich was Neues einfallen lassen? Dem ist nicht so. Schon vor über Hundert Jahren wurden die bestehenden Sicherungsanker installiert.« Zwar in einfacherer Form, aber immerhin habe man damals auch schon gewusst, dass sich der Felsen lösen kann. »Man sieht die alten Sicherungen hier«, sagt er und deutet auf ein langes Metallteil, das in die Felswand geschlagen ist. Hätten diese alten Metallsicherungen denn einen Felsrutsch aufgefangen? Die Antwort kommt vom Tragwerkplaner: »Bedingt. Das kommt darauf an, wie groß der Felssturz ist.« Hasenknopf ergänzt: »Fürs Gewissen war es wahrscheinlich ganz gut.«

Darum ist nun auch für die Arbeiter ein zusätzliches Stahlseil installiert, in das sie sich mit Karabinern einhängen können. »Der bestehende Steg ist ja nicht mehr sicher.« Einige Spanngurte halten den Holzsteg außerdem.

Mit dem ersten Bauabschnitt will der Markt so bald wie möglich fertig werden. Spitzauer betont: »Es wird jetzt stetig weitergearbeitet.« Die Stegsanierung an sich beinhaltet auch, dass die über Hundert Jahre alten Träger im Fels durch neue Stahlträger entlastet werden. Die alten, die unter Denkmalschutz stehen, bleiben zwar erhalten, tragen aber kein Gewicht mehr.

Der Metallbauer steht laut dem Tragwerksplaner mit der fertigen Stahlkonstruktion, die in der Schlosserei bereits gefertigt ist, Gewehr bei Fuß. Er muss nun jeden einzelnen Stahlträger in die bereits erstellten Bohrlöcher setzen. Dann wird der Zwischenraum mit Beton ausgegossen. »Wenn diese Arbeit abgeschlossen ist, abschnittsweise, versucht der Zimmermann so schnell wie möglich, die Stegbeplankung und die Füllbretter des Geländers einzubauen«, erklärt der Statiker.

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Eine Laterne des »Emmaus«-Rundwegs steht schon am Beginn des Stegs, am Doktorberg. Der Rundweg soll bald vervollständigt werden.

Lärchenholz für den Steg besser geeignet als Fichte

Diese sei nun mal eine ausgesetzte und schwierige Baustelle. »Aber wenn die Witterung so bleibt, wie sie jetzt ist, dann wird so lange gearbeitet, wie es irgendwie geht«, so Spitzauer. Vorausgesetzt, die Zulieferanten sind schnell genug. »Wir verwenden hier nur Lärchenholz aus unserer Region und aus Österreich.« Diese Holzart ist notwendig, um die Dauerhaftigkeit des Steges zu erhöhen. Gegenüber Fichtenholz sei Lärchenholz wesentlich witterungsbeständiger. Österreichisches Holz habe außerdem Vorteile gegenüber dem hiesigen, da es aus höheren Lagen gefällt wird. »Die Jahresringe sind enger gesetzt, weil das Holz langsamer gewachsen ist und somit noch widerstandsfähiger.« Wie schon im vergangenen Jahr bietet die »Berchtesgadener Advent GmbH« Besuchern des Christkindlmarktes auch heuer den »Emmaus«-Rundweg an. Dazu wurden hölzerne Laternen entlang des Weges vom Nonntal hinauf auf den Lockstein, über die Kapelle der Seligpreisungen und hinüber zum Soleleitungssteg aufgestellt. Nur die letzte Lücke, der Steg, fehlt noch. »Wir versuchen natürlich, den Steg so früh wie möglich wieder aufzumachen«, versichert Hasenknopf.

Die komplette Sanierung des Soleleitungsstegs, also aller drei Abschnitte, kostet 500 000 Euro. Alles sollte laut Peter Hasenknopf bis Pfingsten 2019 erledigt sein. Annabelle Voss