weather-image
21°
Auftakt der Themenwoche »Aktiv gegen Depression« in der Schön Klinik

»Es kann jeden von uns treffen«

Schönau am Königsee – »Eine Depression kann jeden von uns jederzeit treffen«, warnte Landrat Georg Grabner in seinem Grußwort zur Eröffnung der Themenwoche »Aktiv gegen Depression« am Montagabend in der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Der Anstieg psychischer Erkrankungen sei für die Gesellschaft eine immer größere Herausforderung, erklärte er. Da Depressionen weder auf die leichte Schulter genommen noch stigmatisiert werden dürften, wolle die Themenwoche ihren Beitrag zu einer »breiten Aufklärung« leisten. Dafür müssten nur möglichst viele Menschen »das umfangreiche, interessante Angebot« der Themenwoche annehmen, wünschte sich der Landrat.

Den Besuch der Ausstellung »LebensBilderReise« im Foyer der Schön Klinik Berchtesgadener Land empfehlen (v.l.) Philipp Hämmerle, Landrat Georg Grabner, Lena Gruber, Dr. Robert Doerr und Christoph Gensch. (Foto: Berwanger)

Zur Auftaktveranstaltung der Themenwoche wurde Georg Grabners Wunsch mit einer bunten Gästemischung aus Betroffenen, Interessierten, Angehörigen und Fachpublikum im gut gefüllten Vortragssaal schon mal erfüllt. »Wir wünschen uns, dass wir einen Beitrag leisten können zu einem besseren Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen«, sagte der Landrat. Aus diesem Grund hätten die Geschäftsstelle der Gesundheitsregion Plus im Landratsamt mit Leiterin Lena Gruber sowie die Ämter für Gesundheit, für Soziales und für Jugend im Landratsamt gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern ein abwechslungsreiches Programm rund um das Thema Depression zusammengestellt.

Anzeige

Es umfasst sechs Vorträge und zwei Ausstellungen und wolle sowohl aufklären als auch sensibilisieren für eine Erkrankung, die nicht am Rande der Gesellschaft sei, sondern ein Teil von ihr ist, wie Klinikleiter Philipp Hämmerle in seinem Grußwort betonte. »Weltweit 350 Millionen, in Deutschland rund fünf Millionen Menschen erkranken jährlich an einer Depression«, führte er aus. »Wenn das Verständnis und die Akzeptanz gestärkt werden, hilft das auch uns«, so Hämmerle. »In unserem Fachzentrum Psychosomatik gehen wir seit zehn Jahren tagtäglich mit Depressionen und ihren teils schweren Folgen um.«

Dessen Chefarzt Dr. Robert Doerr sprach von einem »Eisberg-Phänomen« in Sachen »Tabuthema« Depression: »Es gibt ganz viele unerkannte Patienten.« Dabei sei die Erkrankung gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt werde. »Das Hauptproblem ist immer noch die Stigmatisierung«, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Facharzt für Nervenheilkunde. Menschen mit einer depressiven Erkrankung würden sich auch häufig selbst die Frage nach der Schuld stellen, so die Erfahrung des Arztes. »Familie und Erziehung, biologische Faktoren und von außen auftretende Faktoren« würden hier eine Rolle spielen. So steige schon bei einem an einer Depression erkrankten Elternteil die Wahrscheinlichkeit, selbst an einer Depression zu erkranken, um 15 Prozent. Auch wer in den ersten drei Lebensjahren keine stabile Bindung, sondern Stress oder Überforderung erlebt habe, sei gefährdeter, an einer Depression zu erkranken. Grundsätzlich bringe aber jeder Mensch eine gewisse emotionale Verwundbarkeit mit, der eine mehr, der andere weniger. »Aus einer Depression führen fünf Schritte: Hilfesuchen, Diagnose, Wahl der Therapie, Durchhalten der Therapie und Beibehalten der Therapie«, brachte Robert Doerr den Weg aus der Erkrankung auf den Punkt.

Wenn diese länger anhalte und zu einer Beeinträchtigung am Arbeitsplatz führe, könne mithilfe des Hausarztes oder eines Facharztes eine psychosomatische Reha beantragt werden, so Christoph Gensch von der Abteilung Rehabilitation bei der Deutschen Rentenversicherung. Anspruchsberechtigt sei jeder, der Beiträge geleistet habe, dies gelte auch für viele Selbstständige. »Das Tückische an der Depression ist ihr langsamer und häufig diffuser Verlauf«, so der Arzt für Psychiatrie. Daher werde die Erkrankung »so häufig verkannt und in Deutschland nicht oft genug behandelt«. Mit zunehmender Dauer drohe eine Chronifizierung. »Da zwei Drittel aller Fälle einen chronischen Verlauf haben, spielt die Reha eine große Rolle«, so Gensch. Er empfahl Interessierten das Buch »Schattendasein – Das unverstandene Leiden Depression« und das von AOK und Uni Leipzig empfohlene Selbsthilfeprogramm »moodgym«, abrufbar unter www.moodygym.de.

Wer sich berühren lassen möchte von den Erfahrungen Betroffener mit ihrer Erkrankung Depression und dem Weg daraus hinaus, der kann noch bis Montag, 16. Oktober, täglich von 8 bis 20 Uhr im Foyer der Schön Klinik Berchtesgadener Land in der Malterhöh 1 die Ausstellung »LebensBilderReise« besuchen. Ina Berwanger