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Erstes Bus-Schiene-Konzept

»Das Verkehrsangebot im Landkreis ist nicht überall gut – auch, wenn die Verkehrsunternehmen anderes sagen.« So überschrieb der vom Landkreis Traunstein mit einem Gutachten zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beauftragte Sachverständige, Stephan Kroll, erste Ergebnisse, die er gestern in einer gemeinsamen Sitzung von Kreisausschuss und Kreisentwicklungsausschuss unter Vorsitz von Landrat Hermann Steinmaßl präsentierte.

Sein letzter Bericht vor Kreisgremien – in dem Kroll hinsichtlich der Traun-Alz-Bahn von zwei Millionen Euro pro Jahr »als Geschenk des Freistaats« gesprochen hatte, das es anzunehmen gelte – zog Reaktionen nach sich, insbesondere Kritik seitens Busunternehmen. Gegenwind kam nach Kroll zum Beispiel von dem Unternehmen »mit den großen roten Bussen«, also dem Regionalverkehr Oberbayern (RVO). Dazu der Gutachter gestern: »Die Firma schreibt, wir hätten nichts verstanden. Aber wir sind keine Hasardeure, wir haben begriffen, dass Busunternehmen Wirtschaftsbetriebe sind. Wenn weniger rote Busse fahren, nehmen sie weniger Geld ein. Das soll aber nicht sein. Ein Weg wäre eine Einnahmenaufteilung über beispielsweise einen Verkehrsverbund. Wir wünschen uns von den Unternehmen, dass sie zusammenarbeiten. Wir brauchen ein Angebot über die Tarifträger hinweg.«

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»Die Bahn als Geschenk des Staats hat einen Wert – pro Jahr circa zwei Millionen plusminus ein paar Euro«, führte Kroll aus. Speziell zur Traun-Alz-Bahn informierte er: »Dreiviertel der Fahrgäste, die mit dem Bus fahren, könnten auch mit der Bahn fahren.« Busunternehmen hätten sich über diese Aussage beschwert. Sie basiere jedoch auf deren eigenen Zahlen. Der Landrat rief ins Gedächtnis, es werde immer schwerer, die Traun-Alz-Bahn zu halten. Wenn alle an einem Strang ziehen, sei es aber zu schaffen. Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl (SPD) forderte, die Anliegergemeinden der Bahnlinie einzubeziehen, Andreas Bratzdrum (CSU) forderte, bei einem neuen Konzept nicht an der Landkreisgrenze Halt zu machen.

Die Sache mit dem »Geschenk des Freistaats« verdeutlichte der Referent: »Die zwei Millionen Euro sind nicht das, was ich Ihnen schenke oder dem Zug wegnehme und den Bussen schenke. Vielmehr ist das der Betrag, den die Bayerische Eisenbahngesellschaft jährlich für die Traun-Alz-Bahn ausgibt – und dem Landkreis vielleicht bald wegnimmt. Das Geld kann man nicht von der Bahn auf die Busse verlagern. Beide haben verschiedene Träger. Aber man kann das Geld beim Busverkehr einsparen.«

Der Landkreis habe die Aufgabe, einen ÖPNV anzubieten: »Und wer zahlt, schafft an. Der Landkreis zahlt über den Schülerverkehr und zum Beispiel Zuschüsse. Im bayerischen ÖPNV-Gesetz ist vorgesehen, dass der, der den ÖPNV zahlt, ihn auch gestaltet.« Priorität habe aktuell das Ziel, eine Abstimmung mit den Busunternehmen zu erreichen. »Erst ein Konsens beim Fahrplan, dann sehen wir weiter«, so Stephan Kroll wörtlich. Sein Büro habe bislang noch nicht den gesamten Landkreis überplant. Da sei man im Verzug. Das sei aber nicht schlimm: »Jetzt kämpfen wir erst mal um die zwei Millionen Euro.«

Die beiden Kreisgremien nahmen den Zwischenbericht nach kurzer Diskussion zur Kenntnis. Das komplette Gutachten soll dem Landkreis etwa Mitte 2013 vorliegen. kd