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Erste weibliche Ministerpräsidentin in Bayern?

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Luise Kinseher trat mit ihrem Programm »Mama Mia Bavaria« in der Aula der Schule Schloss Stein auf. (Foto: Mix)

Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner zeichnete jüngst 43 Menschen mit der Verfassungsmedaille aus, die sich »aktiv für die Werte der Bayerischen Verfassung engagiert« haben. Unter ihnen war neben zahlreichen weiteren Prominenten auch die Schauspielerin und Kabarettistin Luise Kinseher. Sie trat im Rahmen der Steiner Literatur- und Medienwoche mit ihrem Programm »Mamma Mia Bavaria« in der Aula der Schule Schloss Stein auf.


Als Mama Bavaria hat Luise Kinseher mehrere Jahre lang den Politikern am Nockherberg die Leviten gelesen oder wie sie es in Stein ausdrückte, »an des Politiker-Gschwerl higred wie an oan Ochsen«. Nun sei sie in ihrer »7. Reinkarnation« der Bavaria wieder auf die Erde gekommen und sehe in ihrem Bayernland nach dem Rechten. Dabei fällt ihr so allerhand auf, das nicht passt, und das sie als erste Bayerische Ministerpräsidentin gerne ändern würde. Zum Beispiel »werd der Söder immer grüner, ohne dass er rot werd« und »der Hubsi mit seim Sprachfehler stiehlt eam de Schau«.

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Aber das mit der Ministerpräsidentin ist nicht so einfach, wie sie gemeint hat, obwohl sie als geborene Niederbayerin quasi schon mit dem Taufschein das CSU-Parteibüchlein erhalten hat, die erste wichtige Voraussetzung für dieses Amt. Frauen hätten es halt schwer mit der Macht in Bayern, es gab noch keine historisch bedeutende Frau im Freistaat, keine Königin oder Regentin. Einen gewissen weiblichen Touch zeigten lediglich König Ludwig II und Rudolf Mooshammer.

Die Wahlmünchnerin muss es ja wissen, sie absolvierte schließlich vor ihrer Karriere als Schauspielerin ein Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte. In die bayerische Geschichte blickt sie als Mama Bavaria zurück. Am Anfang seien hier nur Wald und Wildnis gewesen. Die ersten italienischen Gastarbeiter, die Römer, betätigten sich damals als Straßenbauer und das allererste Wirtshaus war der Hotspot, wo sich die Menschen aus den verschiedensten Ländern trafen und sich auch »vermischten«. »Der Bayer ist in Wirklichkeit ein Kosmopolit«, erklärt Luise Kinseher. Das Bayernland, findet die stolze Bavaria, schaut aus wie sie: »hohe Berge, sanfte Hügel und keine einzige flache, harte Stelle«.

Leider sei es heute nicht mehr so idyllisch wie vor vielen Jahrhunderten. In München lebe man inzwischen nicht mehr in Wohnungen, sondern im Stau auf dem Mittleren Ring und wer eine Wohnung hat, traue sich nicht mehr heraus, weil sie sonst gleich von einem anderen besetzt werden könnte. Eine komplizierte Rechnung stellte die Bavaria auf: »Wenn man 32000 Sozialwohnungen verkauft und dann 2000 neue Sozialwohnungen einkauft, wie bringt man dann dort all die Menschen unter?« Ihr Fazit: »Wer das ausrechnen kann, wird Bayerischer Ministerpräsident.«

Gleichzeitig entpuppe sich der Flächenfraß im Land als »hinterhältiger Schädling, der unentdeckt eingeschleppt wurde, im Schmiergeld nistet und über die Landratsämter verteilt wird«. Gegen diesen Schädling helfe kein Pestizid und kein Gift. Letztendlich sieht Luise Kinseher aber die alte bayerische Symbiose, »neben der Kirche steht immer das Wirtshaus«, nach wie vor als bedeutende Grundregel des Lebens im Freistaat an und nennt die drei Grundprinzipien der bayerischen Wahrheit: »Leben und leben lassen. Hock di her, dann samma mehra. A bissel wos geht immer.«

Die Kabarettistin bildete den humorvollen Abschluss der Literatur- und Medienwoche und wurde bei ihrem Auftritt mit kräftigem Applaus bedacht. Pia Mix