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Skibergsteiger Toni Palzer nach Weltcup-Abschluss in Norwegen: »Es war ein Lehrjahr«

Erschöpfung und Zufriedenheit zum Saisonende

Ramsau/Tromso – Selbstkritisch blickt der derzeit beste deutsche Skibergsteiger, Toni Palzer von der DAV Sektion Berchtesgaden, auf seine erste Saison im Weltcup der Herren zurück. Mit einem 11. Platz im Einzelrennen im norwegischen Tromso sicherte sich der junge Ramsauer am 12. April den sechsten Platz im Gesamtweltcup. »Nach der Pierra Menta war die Luft raus. In Norwegen fiel es mir echt schwer, mich zu motivieren«, blickt Palzer auf das letzte Rennen der Saison zurück. »Das war das erste Rennen, vor dem ich mich schlecht gefühlt habe. Gleich am Start habe ich gemerkt, dass ich keine Kraft mehr habe«, erinnert er sich.

Toni Palzer erreichte mit schweren Beinen am Ende einer langen Saison den 11. Platz im Einzelrennen in Tromso. Foto: Stephan Mantler

Zwei anspruchsvolle Runden mit jeweils drei Wechseln mussten die Skibergsteiger auf der 1 900 Höhenmeter langen und mit schwierigen Abfahrten gewürzten Strecke überwinden. »Die Strecke hätte mir gut gelegen. Viele Wechsel und schwere Abfahrten. Aber als nach wenigen Minuten Seppi Rottmoser an mir vorbeigezogen ist, war mir klar, dass heute nix geht«, fasst Palzer zusammen. Den Sieg holte sich der Franzose William Bon Mardion (1:23.1 Stunde) vor den beiden Italienern Damiano Lenzi (1:23.31) und Manfred Reichegger (1:24.14). Bester Deutscher wurde Seppi Rottmoser (1:27.46) aus Rosenheim auf dem achten Platz. Toni Palzer kam als Elfter ins Ziel (1:28.53).

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Technische Schwierigkeiten bei der Zeitmessung, fehlerhafte Ergebnislisten und ein Streik der Athleten sorgten am Tag darauf beim geplanten Sprint für Unmut bei den Weltcup-Startern. »Nach der Qualifikation hat es zwei Stunden gedauert, bis die Listen da waren. Alle waren sich einig, dass mit den Zeiten etwas nicht stimmen kann«, erklärt Palzer die Irritationen in Tromso. Nachdem die vierte falsche Ergebnisliste da war, entschieden sich die besten Skibergsteiger der Welt nach internen Absprachen der Trainer und Athleten, nicht mehr zu starten.

Palzer, für den mit einem durchaus möglichen Podiumsplatz im Sprint noch eine deutlich bessere Platzierung im Gesamtweltcup möglich gewesen wäre, trägt es mit Fassung. »Ich wusste, dass es ein Lehrjahr wird. Ich kenne keinen Skibergsteiger, der im ersten Herrenjahr so weit vorne im Gesamtweltcup gelandet ist«, sagt der sympathische Ramsauer und fügt an: »I glab, damit kon i z'friedn sei«.

Aus der zurückliegenden Saison zieht Palzer drei Lehren. »Die Vorbereitung im November und Dezember war nicht ideal. Ich war viel zu viel krank. In Zukunft muss ich besser auf meinen Körper hören und achten«, spricht er seine langwierige Erkältung vom Anfang der Wintersaison an.

Weiter resümiert er, dass in Zukunft der Weltcup für ihn absolut im Mittelpunkt steht. »Bei den Weltcuprennen muss ich alles abrufen können, nicht bei Hobby- oder Freizeitrennen«, blickt er kritisch auf die Teilnahme an einigen kleineren Rennen zurück.

Abschließend gibt er zu, dass er vor allem den langen Rennen am Ende der Saison Tribut zollen musste. »Man kann mit 20 Jahren nicht bei der Sella Ronda und bei der Pierra Menta auf Sieg laufen. Meine Konkurrenten haben zum Teil sieben oder sogar zehn Jahre mehr Erfahrung und Training in den Beinen. Da fehlt mir einfach noch die Substanz«, sagt er rückblickend. In Zukunft will er pro Saison bei einem der großen Rennen an den Start gehen.

»Insgesamt bin ich mit meinem Training sehr zufrieden. Darauf kann ich ab dem Sommer gut aufbauen. Ich weiß aber auch, dass ich mehr Krafttraining für meinen Oberkörper machen muss. Und an der Langlauftechnik muss ich auch arbeiten«, blickt der Skibergsteiger der DAV Sektion Berchtesgaden bereits wieder nach vorne. »Jetzt freue ich mich erst einmal auf ein paar ruhige Tage mit meinen Freunden. Das kommt einfach im Winter immer zu kurz«, gibt Palzer zu.

Bodenständig und sympathisch wirkt er, wenn er von seinen Kraftquellen spricht. »Am liebsten esse ich Nudeln, die geben gleich Kraft. Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Und natürlich ermöglicht es mir die Bundeswehr, dass ich mich voll auf den Sport konzentrieren kann«, fasst Palzer seine Erfolgsfaktoren zusammen.

Für den Sommer plant er die Teilnahme bei der Bayerischen und Deutschen Meisterschaft im Berglauf. »Ich möchte mich voll auf die Vorbereitung auf den Winter konzentrieren, aber meine Titel im Berglauf möchte ich schon verteidigen«, sagt er mit einem Schmunzeln.

Bei einer verletzungsfreien Vorbereitung im Sommer ist davon auszugehen, dass der junge Ramsauer auch nächsten Winter wieder die Weltcupszene der Skibergsteiger aufmischen wird. Johannes Schmid