Eröffnung der Skilifte am 18. Dezember? – Viele Fragen wegen Corona ungeklärt

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Das Familienskigebiet am Gutshof könnte schon öffnen, so gut sind aktuell die Pistenverhältnisse. Gleichwohl ist man relativ skeptisch, wie die Regierung die Situation beurteilt. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Die aktuelle Situation mit den Corona-Regelungen macht die Vorbereitung für den Betrieb der Skilifte schwierig. Dennoch hoffen alle Betreiber der Berchtesgadener Skigebiete, am 18. Dezember die Saison eröffnen zu können. Bis zum Ende der epidemischen Lage am 15. Dezember bleibt noch vieles ungewiss. Auch die Frage, ob dann 2 G oder 2 G-plus gilt. 


Dauernd vertröstet

Der Vorstandsvorsitzende der Jennerbahn, Thomas Hettegger, mag an die Maßnahmen der Politik nicht mehr glauben, zu oft wurde er wie andere enttäuscht. Im vergangenen Jahr hoffte er immer wieder auf die Öffnung des Jenner-Skigebiets, wurde aber dauernd vertröstet. Deshalb wird der Jenner nicht wie üblich flächendeckend mit Maschinenschnee bedeckt, sondern nur teilweise.

»Das Ganze ist eine Kostenfrage. Wir bezahlen jetzt schon fast das Doppelte für den Strom. Bei der Unabwägbarkeit, wie es weiter geht, sehe ich mich nicht in der Lage, mit vollen Kanonen und Lanzen Schnee zu bereiten«, erklärte Thomas Hettegger. Teilweise wurde bereits Maschinenschnee am Krautkaser und in den Jennerwiesen ausgebracht.

Falls eine 2 G +-Regel komme, werde das zwar kompliziert. Dies sei aber zu bewerkstelligen. Wie vom Deutschen Seilbahnverband zu erfahren war, dürfen 25 Prozent der Sitze in Seilbahn- und Liftanlagen benutzt werden. Das heißt, in den Gondeln am Jenner dürfen drei Personen Platz nehmen, in Liften und Sesselbahnen ein bis zwei Personen. Am Hochschwarzeck wurden für die Rodelbahn ebenfalls Schneedepots geschaffen, informierte Geschäftsführer Christian Riel.

Das Familien-Skigebiet am Gutshof ist bereits präpariert: »Wir könnten sofort mit dem Skibetrieb beginnen. Wenn es wie vorhergesagt kälter wird, wird auch noch mit Maschinenschnee beschneit«, erklärte Erich Schalmoser, der jedoch große Bedenken hat, ob überhaupt der Skibetrieb genehmigt wird. Josef Schaupp vom Familienskigebiet am Roßfeld hofft wie seine Kollegen, dass es am 18. Dezember mit dem Skibetrieb losgeht. Ein Schwerpunkt liegt auf der Weihnachtszeit, in der immer viele Gäste zum Roßfeld kommen. Die Skitourengeher seien schon seit Wochen unterwegs, erklärte Josef Schaupp, der die Skigäste auch in der Außengastronomie bedienen möchte.

Die Pisten am Skizentrum Götschen werden momentan präpariert. Das haben die Verantwortlichen über den Instagramaccount »goetschenskilifte« mitgeteilt. »Wir hoffen und kämpfen sehr dafür, dass wir Mitte Dezember für den regulären Wintersportbetrieb öffnen können«, heißt es im Beitrag.

»Lockdown durch die Hintertür«

Unverständnis für die 2 G +-Regelung äußerte Matthias Stauch, Präsident vom Verband Deutscher Seilbahnen (VDS). Er könne nicht verstehen, warum für den Sport im Freien strengere Regeln gelten sollen als für den Aufenthalt in Innenräumen. Die personellen Voraussetzungen und der logistische Aufwand einer Testung der Gäste seien für kleinere Betriebe nicht zu organisieren. Außerdem stünden die Testkapazitäten gar nicht zur Verfügung. Und ein wirtschaftlicher Betrieb sei damit auch nicht möglich. Eine Studie des Schweizer Forschungsinstituts EMPA/ETH belegt, dass das Infektionsrisiko bei einer Seilbahnfahrt aufgrund des großen Luftwechsels und der kurzen Fahrdauer um ein Vielfaches geringer ist als bei anderen Verkehrsmitteln oder einem Büroaufenthalt. »Das ist ein Lockdown durch die Hintertür«, so der stellvertretende Vorstand des VDS Peter Lorenz.

»Aus unserer Sicht sind diese Maßnahmen absolut unverhältnismäßig. Wir fordern von der Politik, Skibetrieb unter 2 G-Bedingungen zu ermöglichen und uns damit den österreichischen Nachbarn gleichzustellen. Sonst wäre das wirtschaftlicher und ökologischer Unsinn.«

Die Erfahrungen der vergangenen Saisons hätten in einer schmerzhaften Hängepartie gezeigt, dass hier nicht mit Verlässlichkeit zu rechnen ist. Die Folgen eines solchen Szenarios wären massiv und für die gesamte Tourismusbranche nicht abzuschätzen. Wo keine Wintersportler sind, werden beispielsweise auch Gastronomie und Hotellerie extrem leiden. Große Sorge bereitet den Unternehmen auch die Aussicht auf einen neuerlichen »wilden Zulauf« der Skitourengeher in den Skigebieten, wie er vergangene Saison zu beobachten war.

Trotz geschlossener Pisten wurden viele Regionen regelrecht überrannt, ohne Rücksicht auf den Infektions- oder Naturschutz. »Hier ist die Lenkungsfunktion und der kontrollierte Ablauf durch geöffnete Seilbahnen und Schlepplifte unbedingt nötig«, war den Ausführungen vom VDS zu entnehmen.

Christian Wechslinger