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Erinnerungslücken nach der Weihnachtsfeier

Wonneberg. Es war eine zünftige Weihnachtsfeier. Aber danach gibt es einige Probleme: Plötzlich ist nämlich eine preisgekrönte Tanne umgeschnitten, das Christkindl ist aus der Krippe in der Kirche verschwunden – und es soll bei der Feier eine Stripperin aufgetreten sein. Kein Wunder, dass bei dem neuen Stück »Die verflixte Weihnachtsfeier« des Wonneberger Dorftheaters helle Aufregung herrscht. Wie die Schauspieler bei der Premiere im Gasthaus Gruber damit umgingen, daran hatten die Besucher ihre (Schaden-)Freude.

Die wunderbare Christkindl-Vermehrung können sich Vater (Franz Aicher) und Sohn (Richard Siglreitmeier) nicht erklären. (Foto: H. Eder)

Wer würde schon gern mit einer Frau verheiratet sein, die wie Hertha Engel ist? Eine »Bissgurke«, wie sie im Buche steht, Hedwig Lohwieser verkörpert diese Rolle aus tiefstem Herzen. Oder wer würde sich einen versoffenen, tolpatschigen Mann wie den Hans Engel (mit großer Lust gespielt von Franz Aicher) zum Mann wünschen? Er hat vor seiner »Alten« zwar einerseits einen Höllenrespekt, muckt aber doch immer wieder mal auf.

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Die beiden stehen mitten im Geschehen, denn alle Wege führen im Hause Engel zusammen. Da sind offenbar auch die beiden Kinder Kathi (Claudia Fenninger) und Johannes (Richard Siglreitmeier) nicht ganz unschuldig. Auch Kathis Freund, der Künstler Charly (Simon Strohhammer), hat da seine Hände mit im Spiel. Und dann ist da auch noch der Pfarrer (eine Rolle, die Andreas Abstreiter sichtlich Freude macht), der auch nicht so ganz den allgemeinen Vorstellungen entspricht, schon gar nicht denen der – nach außen hin – so frommen Betschwester Traudl (vortrefflich gespielt von Lucia Lohwieser) und ihrer Freundin Gusti (Gertraud Lutschitsch), deren charmanter österreichischer Dialekt manche Boshaftigkeit etwas verniedlicht. »Das Sündengeschäft müsst ihr schon mir überlassen«, weist der Pfarrer die beiden Damen zurecht. Abgerundet wird das Personalangebot der Theatertruppe von dem stets überforderten Dorfpolizisten Dimpfl (Josef Bauer), der nichts lieber hätte als seine Ruhe und eine Halbe Bier, was ihm aber selten vergönnt ist.

Es geht gleich turbulent los. Hausherr Hans Engel kommt nach der Feier nach Hause, voll wie eine Haubitze, singt und grölt, dass das ganze Haus davon aufwacht, und schwärmt von der Ramona von der Weihnachtsfeier. Am nächsten Morgen kommt das böse Erwachen – verbunden mit grimmigem Kopfweh und dem Fehlen jeglicher Erinnerung. Kann es sein, dass er das Christkind gestohlen hat? Wer ist wohl der als Nikolaus verkleidete Mann, der auf der Weihnachtsfeier und auch danach gesehen wurde? Und woher kommt plötzlich der Christbaum im Haus?

Die Missstimmung beim Adventsfrühstückstisch, verursacht von Ehefrau Hertha, die auf ihren Mann mächtig sauer ist, weicht aufgrund der vielen Verdachtsmomente im Laufe des Stücks mehr und mehr einer Kumpanei der Familienmitglieder, erst recht als dann Hertha Engl völlig überraschend unter Mordverdacht verhaftet wird.

Da hatten bestimmt die beiden netten Damen Traudl und Gusti ihre Hände im Spiel. Wenn die beiden und Hertha Engl zusammenstehen, dann hat man das Gefühl, dass so viel Falschheit auf einer Bühne schier nicht Platz hat. Die drei spielen diese Szenen so richtig aus: vordergründig »scheißfreundlich«, hintenrum intrigant. Ist doch die Traudl heiß auf den Vorsitz des Wallfahrtsfrauenvereins, den derzeit Hertha Engel innehat. Und in dieser Konkurrenzsituation sind Verdächtigungen diverser Art, wie sie hier im Raum stehen, besonders willkommen.

Im Folgenden dreht sich alles um verschwundene Christbäume, Christkindl, Nikolauskostüme, Leichen und Zeitungsartikel. Der Hofhund, der jeden Besucher ankündigt, wird gar nicht mehr fertig mit dem Bellen, so viele Leute geben sich bei den Engels ein Stelldichein, und am Schluss tritt gar noch ein leibhaftiger Geist auf. So fügt sich schließlich, wie es sich bei solch einer Posse gehört, alles wieder zu einem guten Ende – nur die beiden Damen aus dem Wallfahrtsfrauenverein können nicht fassen, dass ihre Ränke nicht aufgegangen sind.

Weitere Spieltermine sind am kommenden Freitag und Samstag sowie am Samstag, 7. Dezember, jeweils um 20 Uhr, sowie am Sonntag, 8. Dezember, um 19 Uhr im Gasthaus Gruber in Weibhausen. Platzreservierungen nehmen Hedwig und Josef Lohwieser entgegen, Telefon 08681/4906 (17 bis 20 Uhr). he