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Erhabene Klänge aus einer Zeit der Bedrängnis

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Chor und Orchester der Stiftsmusik St. Peter mit den Solisten (von links) Bernadette Furch, Aleksandrea Zamojska, Bernhard Teufl und Alexander Voronov im Vordergrund. (Foto: Mergenthal)

Die gewaltigen Dimensionen des neu-romanischen »Salzachdoms«, der größten Dorfkirche Deutschlands, in Fridolfing boten die passende Kulisse für die erhabenen Klänge der »Nelsonmesse« von Joseph Haydn. Chor und Orchester der Stiftsmusik St. Peter erfüllten Haydns erhabene Musik, die in der schwierigen Zeit während der napoleonischen Kriege entstanden ist, auf faszinierende Weise mit Leben.

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Als Vorsitzender des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« ergänzte der Fridolfinger Altlandrat Hermann Steinmaßl in seiner Begrüßung den diese Konzertreihe prägenden Dreiklang »Musik – Architektur – Landschaft« um eine vierte Komponente, die Geschichte. Alle Werke des Abends seien während der fast 1000-jährigen Zugehörigkeit des Rupertiwinkels zu Salzburg entstanden. Insofern handle es sich um ein »Heimspiel auf historischem Salzburger Boden«. Angesichts der heutigen Neigung zu düsteren Prognosen, trotz aller Errungenschaften, hob er hervor, hier in der Kirche gelte es, »Hoffnung und Zuversicht für eine gute Zukunft« auszustrahlen. Diese zwei Pole, die damals wie heute die Menschen bewegten, spiegelten sich in der beseelten Aufführung unter Stiftskapellmeister Peter Peinstingl mit Prof. Günther Firlinger an der Orgel kraftvoll wieder. Bedrohliche Akzente und Fanfaren eröffneten das Kyrie, zaghaft schob sich ein besänftigendes Geigenmotiv dazwischen. Der Chor, der mit nur 23 Sängerinnen und Sängern eine beachtliche Klangfülle zeigte, schleuderte die Kyrierufe wie Peitschenhiebe heraus. Dieser Wechsel von Angst, die auch durch nervöse Passagen der Streicher gezeichnet wurde, und Zuversicht zog sich durch. Als einzige Messe Haydns ist sie in einer Moll-Tonart, in d-Moll, verfasst.

Ein gefälliges, einer Volksweise ähnliches schwungvolles Thema prägt den ersten Teil des Gloria, das mit einer reizvollen Imitation der Sopranistin durch den Chor beginnt. Aleksandra Zamojska (Sopran) zeichnete sich durch messerscharfen, klaren, angenehm wenig vibrierenden und beim »Quoniam« herrlich jubilierenden Ton aus; am Anfang war manchmal noch etwas Druck auf der Stimme, was sich im Lauf der Zeit legte. Altistin Bernadette Furch verströmte als Gegenpol mit ihrer weichen, voluminösen Stimme Wärme. Mit sattem Wohlklang, Energie und Genauigkeit bereicherten Tenor Bernhard Teufl und Bass Alexander Voronov das Solisten-Ensemble. Mystische Chor-Akkorde leiteten das »Miserere nobis« mit einem ausdrucksstarken Basssolo ein. Die Fuge »In gloria die patris« zeichnete sich durch gestochene Einsätze und klare Stimmführungen im Chor aus, und das Gloria drängte auf einen furiosen Abschluss hin. Die nur vier Altistinnen behaupteten sich exzellent gegen die sieben Sopranistinnen und zwölf Männer.

Zwischen die Messteile eingeschoben hatte Peinstingl an passender Stelle zwei Werke von Wolfgang Amadeus Mozart. Als Graduale erklang das »Sancta Maria, mater Dei« in F-Dur (KV 273) und später als Offertorium »Alma Dei creatoris« in F-Dur (KV 277), beides von Streichern, Holzbläsern und Chor wiegend und fein schwingend interpretiert, Das an Farben und Stimmungen reiche Credo spitzte sich beim »Cruzifixus« mit Pauken und Trompeten zu. In harmonischem Ensemble-Klang löste sich beim duftigen Abschluss mit dem »Amen« alles in Wohlgefallen auf. Eindrucksvoll hielt der Chor bei den anschwellenden, meditativen »Sanctus«-Akkorden die Spannung. Voller Leben war das »Pleni sunt coeli«. Seelenvolle Solisten-Kantilenen im Benedictus wurden jäh von Weltuntergangs-Fanfaren unterbrochen: Nach einer Legende sind diese darauf zurückzuführen, dass Haydn während der Arbeit an der Messe erfuhr, dass der britische Admiral Nelson, der auf dem Rückweg Fürst Esterházy besuchte, vor Alexandria Napoleon geschlagen hatte. Im Agnus Dei fiel ein sehr gelungener A capella-Einsatz des Stiftschors auf.

Der Schluss dieser »Missa in angustiis« (»Messe in Bedrängnis«) ist wie ein »Open End«, das Fragen aufwirft.

Wie eine Antwort ertönte kraftvoll das »Te Deum« von Joseph Haydns Bruder Michael in C-Dur, mit einem anmutigen Wechsel von Frauenchor und Männerchor im ersten Teil und der leichtfüßig, flott und sicher gesungenen Fuge »In te domine speravi« (auf dich, Herr, vertraue ich) als krönenden Abschluss. Mit dem »Ave verum« von Mozart, bei dem auch die Solisten im Chor mitsangen, dankten die Gäste für den Applaus.

Veronika Mergenthal