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Erfolgreiche archäologische Grabungen am Gelände des künftigen Rathauses

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Mittlerweile abgeschlossene archäologische Grabungen an einem mittelalterlichen Pflaster, das östlich des abgerissenen Rathauses in Seebruck aufgefunden worden ist. Es ist nicht klar, ob hier einst eine mittelalterliche Straße verlief oder ob es sich zum Beispiel um ein Hofpflaster gehandelt hat, römisch ist es auf jeden Fall nicht. Das Weinlokal Taverna ist im Hintergrund zu sehen. Foto: Müller
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Bei den archäologischen Grabungen im Umfeld des alten und neuen Rathauses in Seebruck entdeckten die Archäologen römische Gebrauchskeramik (graue Scherben) und sogar römisches Luxusgeschirr Terra Sigillata (rötliche, orange Scherben). (Foto: Müller)
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Südlich des abgerissenen Seebrucker Rathauses standen zwei Öfen, die bisher nicht näher datiert werden konnten. Im Boden zeichnen sich dort rötliche Brandlehmringe ab, die auf die einstigen Öfen hinweisen. Das Bild zeigt aber nur einen Ofen. Ein Mitarbeiter von Archäologin Ramona Baumgartner fertigte dazu manuell die technischen Zeichnungen an. Foto: Müller
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Aufgefundene Tierknochen von Rind, Schwein und Schaf. Foto: Müller

Seeon-Seebruck – Die rund vierwöchigen archäologischen Ausgrabungen um die Baugrube des künftigen Rathauses in Seebruck haben einige interessante Funde ans Tageslicht gebracht.


Unter anderem war auf Höhe des Weinlokals Taverna eine Pflasterung zum Vorschein gekommen, bei der es sich aber nicht, wie ursprünglich verlautbart wurde, um eine Römerstraße handelt. »Die in der Pflasterung beziehungsweise im Lehm aufgefundene Keramik lässt darauf schließen, dass wir es hier mit einer mittelalterlichen Straße, einem Vorplatz oder einer Hofpflasterung zu tun haben«, so die Archäologin und Grabungsleiterin Ramona Baumgartner.

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Da man aufgrund des räumlich eingeschränkten Grabungsbereiches keine genaue Grenze der Pflasterung ausmachen habe können, sei es schwierig, einzuschätzen, um was es sich wirklich gehandelt habe, so Baumgartner. Erschwerend kam bei der Freilegung hinzu, dass die einst mitten auf das besagte Pflaster gepflanzte und heuer gefällte Kastanie mit ihrem weitläufigen Wurzelwerk über die Jahrzehnte so gut wie jeden Spalt zwischen den unbearbeiteten Pflastersteinen in Beschlag genommen hatte.

»Wir konnten die Wurzeln nicht einfach rausziehen, sonst hätten wir zu viel zerstört, mussten besonders behutsam vorgehen«, sagte Baumgartner. Auch wenn sich die Arbeiten dadurch erschwert hätten, »hat es wegen uns keine Bauverzögerung gegeben«, stellte die Archäologin klar.

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Südlich des abgerissenen Seebrucker Rathauses standen zwei Öfen, die bisher nicht näher datiert werden konnten. Im Boden zeichnen sich dort rötliche Brandlehmringe ab, die auf die einstigen Öfen hinweisen. Das Bild zeigt aber nur einen Ofen. Ein Mitarbeiter von Archäologin Ramona Baumgartner fertigte dazu manuell die technischen Zeichnungen an. Foto: Müller

In der oft brütend heißen Sommerhitze arbeiteten sich Baumgartner und ihre vier Kollegen mit speziellem Werkzeug Millimeter für Millimeter vorsichtig in den geschichtsträchtigen Kulturboden, dokumentierten alle Befunde und Funde und bargen und sicherten diverse Fundstücke. »Wir haben uns teilweise wie in Ägypten gefühlt«, ließ ein Teammitglied verlauten. An der Stelle, an der das alte, im Vorjahr abgerissene, unterkellerte Rathaus stand, war der Kulturboden bereits zerstört.

Auch drumherum wurde zum Leidwesen der Archäologen in der Vergangenheit immer wieder das Erdreich bewegt, aufgerissen und wieder verfüllt, was man im Profil sehr gut sehen konnte. Zu kämpfen hatten sie auch ein ums andere Mal mit unterschiedlich alten Wasser-, Strom- und Telefonleitungen. »Wir fanden Kabel, die dort nach den Plänen eigentlich gar nicht sein sollten und selbst die zuständige Telefonfirma wusste teilweise nicht, ob es sich um tote Leitungen handelt oder nicht«, erzählte Baumgartner.

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Bei den archäologischen Grabungen im Umfeld des alten und neuen Rathauses in Seebruck entdeckten die Archäologen römische Gebrauchskeramik (graue Scherben) und sogar römisches Luxusgeschirr Terra Sigillata (rötliche, orange Scherben). (Foto: Müller)

Dennoch fand man südlich und östlich der ausgehobenen Baugrube für das neue Rathaus auch immer wieder das, wonach man eigentlich suchte. Auf römische Gebrauchskeramik und sogar auf Terra-Sigillata-Scherben (römisches Luxusgeschirr) ist man westlich des mittelalterlichen Pflasters in einer antiken Abfallgrube gestoßen. Zwei besondere Entdeckungen machte die Grabungsfirma südlich des alten Rathauses, wo man zwei noch nicht näher datierte Öfen ausmachte. Die rötlichen Brandlehmringe waren im Boden noch gut sichtbar. Ob es sich um gewerbliche oder private Öfen handelte, ist noch unklar. Neben zahlreichen Keramikscherben und kleineren Metallfunden sicherte man auch Knochen von Rind, Schaf und Schwein.

Baumgartner lobte die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, dem Seebrucker Ortsheimatpfleger Hans Fenzl und der parallel arbeitenden Tiefbaufirma, die mit ihrem Bagger besondere Vorsicht habe walten lassen, wenn dies notwendig gewesen sei. »Man hat uns auch einen Baucontainer für unser Büro zur Verfügung gestellt«, bedankte sich die Archäologin.

Nachdem in Seebruck, dem einstigen antiken Bedaium, seit Mitte der 1990er Jahre keine größeren archäologischen Untersuchungen mehr durchgeführt worden waren, ging es in den letzten Jahren wieder Schlag auf Schlag. Losgegangen war es im Sommer 2015, als man bei Vorarbeiten für die neue Urnengräberanlage an der Pfarrkirche auf einen Abschnitt der antiken Tempel-/Kastellmauer stieß und am Seefeld, wo antike Gebäudefundamente (Streifenhäuser) zum Vorschein kamen. Nach weiteren Grabungen 2016 an der Römerstraße kamen im Frühjahr 2017 dann im südlichen Bereich der Straße »Am Anger« im Zuge der Errichtung eines Parkplatzes erneut römische Häuserfundamente, diverse Kleinfunde und sogar ein antiker Brunnen ans Tageslicht.

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Aufgefundene Tierknochen von Rind, Schwein und Schaf. Foto: Müller

Seitdem glaubt man, dass das römische Gewerbegebiet und damit auch die gesamte Römersiedlung größer waren, als bislang angenommen. Dass Archäologen nun auch im Bereich des alten und neuen Rathauses auf Relikte aus römischer und mittelalterlicher Zeit stießen, verwundert nicht, denn im Bereich der nahen Kirche stand zur Römerzeit ein kelto-romanischer Tempel und dann ein spätantikes Kastell – es war zweifellos das Zentrum des an der antiken Fernverkehrsstraße Salzburg (Juvavum) - Augsburg (Augusta Vindelicum) gelegenen vicus Bedaium und auch im Mittelalter dürfte hier der Ortskern gelegen haben mmü