Entlassfeier am Gymnasium Berchtesgaden: Zeit für Zitate

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Mit 1,0 bestanden Michaela Kirchner, Maria Rasp und Nils Werner (v.l.).
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Juhu! 25 Absolventen freuen sich über das bestandene Abitur. (Fotos: Martin Hofreiter/Lisa Schuhegger)

Berchtesgaden – Horaz und Emanuel Kant, Pippi Langstrumpf und der Schmidbauer aus Bad Aibling: Mit Zitaten großer Philosophen entließen die Redner auf der Abiturfeier des Gymnasiums Berchtesgaden am Freitag die Absolventen. Stolz nahmen diese die Abiturzeugnisse entgegen.


Der stellvertretende Schulleiter Markus Spiegel-Schmidt begrüßte die Geistlichkeit – die Gemeindereferentin Birgit Hauber und den Pfarrer Dr. Josef Högl-auer. Er hieß die Stellvertreter der Gemeinden − allen voran den Bürgermeister Berchtesgadens, Franz Rasp, willkommen. Er begrüßte Michael Koller (2. Landrat) als Vertreter des Landratsamtes und freute sich, dass die Absolventen mit Eltern und Freunden in die Aula des Gymnasiums gekommen waren.

»Carpe diem« (Pflücke den Tag und genieße den Tag), wandte er sich an die Schulabgänger, zitierte Horaz. Er forderte die Mädchen und Buben auf, stets die Zeit zu nutzen und sich des eigenen Verstandes zu bedienen: »Sapere aude!« (Wage es, weise zu sein).

Er griff die Interpretation Immanuel Kants auf: »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen«. Dass sie mit Verstand und Mut das Leben gestalten möchten, gab Markus Spiegel-Schmidt den jungen Erwachsenen mit.

Michael Koller rief dazu auf, stets an der Tradition, den Werten festzuhalten. »Ihr seid in Tracht gekommen«, wandte er sich an die Absolventen. Den 2. Landrat schien das zu freuen. »Das Gewand prägt das bayerische Traditionsgefühl«, sagte er. Er forderte die Schulabgänger dazu auf, offen zu sein für Neues, hinauszugehen und wieder heimzukommen. »Heimat ist da, wo die Familie Halt gibt, wo der Freund nebenan wohnt und wo das Essen am besten schmeckt«, sagte er. Michael Koller zitierte Astrid Lindgren, die der Romanfigur Pippi Langstrumpf in den Mund gelegt hatte: »Am besten geht hinaus, wenn ihr nicht hinaus geht, könnt ihr auch nicht wiederkommen.« (Im Original: Am besten, ihr geht jetzt nach Hause, damit ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade.«) Kurz und knapp wiederholte Koller: »Geht in die Welt, kommt wieder heim.« Der Herr möge die Absolventen an der Hand halten.

Jeden Tag etwas Neues

Franz Rasp gab zu, er staune nicht schlecht angesichts der weisen Worte Markus Spiegel-Schmidts und Michael Kollers. Er erinnerte in seinem Grußwort an den Schmidbauer aus Bad Aibling − einen »Momentn-sammler«.

Franz Rasp legte den jungen Erwachsenen ans Herz: »Fangt an!« Er motivierte: »Angefangen ist halb getan.« Vor Horaz‘ »Carpe diem« und »Sapere aude«, vor Pippi Langstrumpfs »Hinausgehen und Wiederkommen« stehe der Anfang. »Fangt an, redet nicht nur darüber, fangt an und macht es«, ermutigte er die Mädchen und Buben, sich jeden Tag aufs Neue auszuprobieren.

Die Vorsitzende des Elternbeirates Kerstin Kanz erinnerte den Jahrgang an das Motto, unter dem das Abitur stand: »Abikropolis« – abgeleitet von Akropolis. »Die wohl bekannteste Akropolis steht in Athen am übersetzt höchsten Punkt der Stadt«. Warum Athens Akropolis unvollendet geblieben ist, frage sie sich. Vielleicht, weil ein Vollenden ein Weiterkommen hindere.

Mit dem Abitur hätten die Mädchen und Buben eine eigene unfertige Akropolis, an der sie nun weiterarbeiten könnten. Sie bestärkte die jungen Erwachsenen, sich stets weiterzubilden, nie auszulernen, am Selbstwert zu bauen.

In der Abiturrede blickten Antonia Voss und Florian Moderegger auf die vergangenen zwölf Jahre zurück: Sie erinnerten an Lehrer, die »immerhin stets bemüht gewesen sind, den Stoff näher zu bringen − mit Kompetenz, mit mehr oder weniger Menschlichkeit«. Sie dankten, dass die Lehrer, die Hoffnung nicht aufgegeben hätten, das Interesse zu wecken, obwohl sie in müde und desinteressierte Gesichter haben sehen müssen.

Antonia Voss bedankte sich allen voran bei dem Jahrgangsleiter Alexander Hornung, der 25 Schüler zum Abitur geführt hatte. Sie dankte dem Herz der Schule, dem Sekretariat (Helga Sternecker, Robert Nixdorf, Stefan Weber) und der Schulleitung (Andreas Schöberl, Markus Spiegel-Schmidt) und den Eltern für so machen »motivierenden Arschtritt«. Antonia Voss und Florian Moderegger ließen die vergangenen Jahre Revue passieren: Freunde fanden sich, sie freuten sich und feierten sich.

»Wir haben oft das Gegenteil behauptet«, sagten Antonia Voss und Florian Moderegger, »aber wir müssen zugeben, es war eine schöne Zeit.« Sie ließen die Schulzeit hinter sich »mit einem lachenden und einem weinenden Auge«.

Ein Prost auf das Abitur

Schulleiter Andreas Schöberl hatte das letzte Wort, ehe er gemeinsam mit Jahrgangsleiter Alexander Hornung die Abiturzeugnisse überreichte. Er ermutigte die Absolventen, mit Verstand Regeln der Obrigkeit – damit meine er auch die politische Obrigkeit − zu hinterfragen. Zur Feier des Tages und der Vorschrift zum Trotz lud er die Gäste ein, eine Grauzone zu betreten und mit einem Glas Prosecco anzustoßen, auf die vergangenen Jahre und auf das bestandene Abitur. »Carpe diem« – Horaz!

13 Einser-Schnitte

Die Reifeprüfung zum Abi-tur bestanden Sonja Brandner, Beatrice Bulat, Elisabeth Eglauer, Lilly Funke, Franz Hochreiter, Ursula Keilhofer, Michaela Kirchner, Johannes Knauth, Korbinian Mittner, Florian Moderegger, Nefise Nuredini, Maximilian Nusser, Miriam Ossig, Idris Pilipczuk, Manuel Ponn, Maria Rasp, Johanna Schulze, Anna Springl, German Stelmakh, Valentin Stocker, Anna Sunkler, Emma Tusl, Lea Unterfeld, Antonia Voss, Nils Werner.

Michaela Kirchner, Maria Rasp und Nils Werner bestanden mit der Traumnote 1,0. Sieben Absolventen meisterten das Abitur mit einem Schnitt zwischen 1,0 und 1,5. Die Hälfte der Absolventen (13) bestand mit einem Einser-Schnitt.

Besonders verdient gemacht während der Schullaufbahn haben sich im sozialen, im sportlichen, im sprachlichen und im musischen Bereich Beatrice Bulat, Ursula Keilhofer und Miriam Ossig.

Lisa Schuhegger