Engagement für das Bürgerheim: Auszeichnung »Weißer Engel« für Manfred Jüstel

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Manfred Jüstel aus Berchtesgaden wurde als »Weißer Engel« ausgezeichnet. (Foto: StMGP)

Berchtesgaden – Nicht schneller fahren, als der Schutzengel fliegen kann. Das Zitat hat Gesundheitsminister Klaus Holetschek neulich auf einem Auto gelesen – und musste erstmal nachdenken, erzählt er während der Auszeichnung »Weißer Engel« im Schloss Nymphenburg. Für sein langjähriges Engagement im Gesundheits- und Pflegebereich wurde unter anderem der Berchtesgadener Manfred Jüstel geehrt.


Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege vergibt die Auszeichnung »Weißer Engel« an Personen, die sich durch »vorbildhafte häusliche Pflege verdient gemacht haben«. Höchstens 70 Personen werden im Jahr damit bedacht. »Es gibt Situationen, da können wir alle einen guten Engel brauchen, der uns zur Seite steht«, sagte Holetschek. Die »Weißen Engel« wie Manfred Jüstel seien für ihre Mitmenschen da gewesen, »zum Engel geworden«, sie seien Vorbilder gelebter Mitmenschlichkeit.

Manfred Jüstel aus Berchtesgaden freut sich, mit dem »Weißen Engel« ausgezeichnet worden zu sein. Eigentlich wollte er weiterhin nur im Hintergrund stehen. Allerdings hat ihn jemand aus seinem Wirkkreis im Ministerium vorgeschlagen. Seit 21 Jahren ist der 75-Jährige im Bürgerheim von Berchtesgaden tätig. »Damals war meine Mutter im Heim, ich besuchte sie regelmäßig, unterstützte.« Er brachte sich ein, wenn Hilfe gefragt war. Die Heimleitung suchte in der Folge nach einem Heimfürsprecher. Jüstel sagte zu. »Seitdem bin ich in dieser Funktion dem Bürgerheim treu geblieben.«

Welche Rolle füllt der Heimfürsprecher aus? »Ich bin das Bindeglied zwischen den Bewohnern und der Gemeinde«, sagt Jüstel im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Jüstel wohnt nicht weit vom Bürgerheim entfernt. Fast jeden Tag schaut er dort vorbei, hilft beim Verteilen des Mittagessens, geht mit Heimbewohnern spazieren. »Ich habe viel Zeit und kann Dinge tun, wofür die Pflegekräfte häufig keine Zeit haben«, sagt er.

Im Laufe der Jahre habe sich seine Rolle im Heim entwickelt, mittlerweile betrachtet er sie als Teil seines Alltags, als Selbstverständlichkeit. Jeden Dienstag besucht Jüstel den Gottesdienst in der hauseigenen Kapelle, hilft den Bewohnern und dem Pfarrer bei den Vorbereitungen, übernimmt schon mal die Bring- und Holdienste.

Manfred Jüstel hat sich über die Auszeichnung gefreut, auch, weil ihn Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp auf dem Weg nach München begleitete. Gemeinsam mit dem Leiter des Altenpflegeheims bildeten die drei eine Fahrgemeinschaft. Im März kommenden Jahres wird neu entschieden, wer Heimfürsprecher im Bürgerheim wird. Wahrscheinlich wird der Mittsiebziger dann wieder gefragt werden, ob er bereit ist, noch eine weitere Periode dranzuhängen. Bisher konnte Jüstel nie nein sagen.

Kilian Pfeiffer