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Energiewende in Berchtesgaden diskutiert: »Solaroffensive« für den Klimaschutz

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Energiewende in Berchtesgaden diskutiert: »Solaroffensive« für den Klimaschutz
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Beim Werkstattgespräch »Energie + Mobilität« im Kuckucksnest (v.l.): Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer, MdL Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag und Kreisrat Simon Köppl. (Foto: Karin Kleinert)

Berchtesgaden – Raus aus den normalen Denkmustern, ein anderes Format testen und eine ungewöhnliche Location wählen – unter diesen Voraussetzungen hatten die Grünen im Berchtesgadener Tal zu ihrem Werkstattgespräch zum Thema »Energie und Mobilität« in die Berchtesgadener Musikkneipe »Kuckucksnest« eingeladen.


An die 40 Bürger aus dem gesamten Landkreis verfolgten interessiert die Ausführungen von Martin Stümpfig, dem energiepolitischen Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag, über eine zukunftsfähige Mobilität und die Energiewende auf kommunaler Ebene. Als Moderator fungierte Kreisrat und Energieexperte Simon Köppl aus der Ramsau, der die im Anschluss geführte Diskussion engagiert leitete.

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Weil es in einer Werkstatt auch manchmal laut zugeht, verwandelte Simon Köppl das »Kuckucksnest« gleich zu Anfang in eine sich angeregt unterhaltende »Denk-Werkstatt«. Er forderte die Anwesenden nämlich auf, mit ihren Nachbarn zwei Gedankenexperimente zu diskutieren:

»Was passiert im Jahr 2050, wenn wir den Klimaschutz vergeigt haben, was passiert, wenn wir die Mobilitätswende hier im Talkessel vergeigt haben?« Extremwetterereignisse nehmen zu, das Wasser wird knapp, Waldbrände nehmen zu, die Luft wird dünn, weil Smog und Feinstaub immer mehr werden, Verkehrskollaps und Massentourismus und der Kreisel wird dreispurig und so weiter und so fort, um nur einige Schlagworte zu nennen, die aus den Reihen des Publikums gerufen wurden.

Klimaschutz-Experte Martin Stümpfig, der für die Grünen im Bayerischen Landtag sitzt, spannte einen weiten Bogen von den Auswirkungen der Wetterextreme vor Ort, über physikalische Phänomene und Klimaforschung im Allgemeinen bis hin zu den sogenannten Kipppunkten, also den Momenten, an denen der Mensch nur mehr beobachten und nichts mehr machen kann.

Laut Stümpfig müsse das Ziel sein, sofort damit anzufangen, weniger zu emittieren. Seiner Meinung nach sei die Energiewende nur zu schaffen, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien forciert werde, wenn bei der Wärmeversorgung angesetzt würde, etwa in Hinblick auf Fernwärmeversorgung und wenn in puncto Verkehr alternative Konzepte gefunden würden.

Stümpfig sagte, die Kommune müsse sich ein Ziel setzen, wohin sie beim Klimaschutz wolle und als Erstes eine Bestandsanalyse machen. Hier verwies er auf das Integrierte Klimaschutzgesetz für den Landkreis Berchtesgadener Land, das 2013 durch den Kreistag beschlossen wurde. Dort sind Klimaschutzziele bis 2030 genau definiert, unter anderem die Reduzierung der CO2-Emissionen im Vergleich zu 2010 um fast die Hälfte, die Reduzierung des Endenergiebedarfs bei Wärme und Strom sowie eine gehörige Steigerung regionaler erneuerbarer Energien. Hier könne auch Berchtesgaden ansetzen, etwa den Strombedarf bis 2026 zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Als eine der Maßnahmen könne er sich eine »Solaroffensive« auf Dachflächen vorstellen, so Stümpfig.

Als weitere konkrete Maßnahmen für Berchtesgaden, die Klimaschutzziele zu erreichen, nannte Stümpfig die Schaffung eines funktionierenden Radwegenetzes, eine Stadtplanung, deren Leitziel »kurze Wege und gutes Leerstandmanagement« heißt, Umweltbildung und Sensibilisierung der Menschen für den Naturschutz. Der Erhalt der Waldfläche, der Umbau zu einem stabilen Mischwald sowie die Aufwertung von Ausgleichsflächen seien ebenfalls wichtige Gesichtspunkte.

Simon Köppl präsentierte einige Punkte aus dem Wahlprogramm des Kreisverbands Berchtesgadener Land. Etwa die Stellschraube »Bürgerenergie«, die die Kommunen wieder fördern könnten, eine flexible, multimodale und besser vernetzte Mobilität, bei der auch das Radfahren attraktiver gemacht werden soll mit guter Beschilderung und Schnellradwegen.

Während der Diskussion kam immer wieder die Rede auf den ÖPNV, der, so Landratskandidat Bartl Wimmer, sich im Talkessel sehr gut rechne, der aber noch um ein Vielfaches besser werden könnte, wenn man die Lizenzen anders ausschreiben würde, vor allem in Hinblick auf eine besserer Koordination von Bus- und Zugverkehr. Karin Kleinert