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Nicht nur erneut als »Sportler des Jahres« ausgezeichnet, sondern in erster Linie für sein Engagement im Verein »Athletes for Ukraine«.
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Die auf der Sport-Gala im AlpenCongress ausgezeichneten Juniorinnen und Junioren für die Jahre 2020 bis 2022 mit (v.l.): Lukas Nydegger, Max Kühnhauser, Ole-Mikkel Prantl, Iva Moric, Christian Frank, Steffi Votz, Diana Filipszki und Salome Jansing. (Fotos: Hans-Joachim Bittner)
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Die »Sportlerinnen des Jahres«: Snowboarderin Ramona Hofmeister (l.) und Rennrodlerin Anna Berreiter.

Emotionen, Freude, Tränen, Genuss – 4. Sport-Gala im AlpenCongress

Berchtesgaden – Sie kommen gern, die Berchtesgadener: die Damen in edlen Abendkleidern, die Herren in gefälligen Nadelstreifen. Es ist Sport-Gala-Zeit. Und mehr als angerichtet. Das Ambiente besitzt Stil. Nach Einlass, tausenden Fotos und drei Schluck Sekt folgen Vorspeise, Begrüßung und Hauptspeise. Vom Feinsten: Ein 35-köpfiges Koch- und Service-Team hat AlpenCongress-Caterer Robert Ackermann für diesen besonderen Freitagabend – Corona-bedingt der erste seit 2019 – bestellt. Es läuft wie am Schnürchen. Den rund 450 Gästen schmeckt bei einem Pinot Blanc oder Zweigelt das Rote-Beete-Carpaccio sowie das Roastbeef im Kräutermantel nach drei Jahren Warten auf dieses Festsaal-Comeback besonders gut. Im Saal »nebenbei«: Schorsch Hackl, Bob-Bundestrainer René Spies, Skeleton-Trainerin Anja Selbach, Rodel-Olympiasieger Patric Leitner, Snowboard-Sportdirektor Andi Scheid – besondere Persönlichkeiten.


Das Vergnügen kostet. Doch ist es für den guten Zweck, da dürfen's getrost ein paar Euro mehr sein. Die Kinder und Jugendlichen sind die Basis aller menschlichen Gesellschaftsformen, gerade des Sports. Olympiasieger/-innen werden früh »gemacht«. Wer zu spät kommt, hat keine Chance, verpasst den Anschluss. Alles drumherum kostet. Viel. Die beste Förderung ist kein Garant für Gold. Es wird wahrscheinlicher. Ohne Edelmetall der Sportlerinnen und Sportlern aus der Region wäre Deutschland jüngst, bei Olympia in China, im Spiegel der Medaillen einige Positionen nach unten gerutscht. Ohne Bob, Rennrodel und Skeleton sowieso. Die Königsseer Kunsteisbahn, die älteste der Welt, ist wichtig, betonen alle, immer wieder.

Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) mit Sitz in Berchtesgaden, ist stolz auf das Erreichte. Und will etwas zurückgeben, als Co-»Autor« der Gala. Der Verband unterstützt die Hauptverantwortlichen des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden mit Verbandsvorstand Dr. Bartl Wimmer und Geschäftsleiter Michael Wendl. Die Macherin im Vorfeld und vor Ort heißt Barbara Graßl. Das Talentzentrum Wintersport Berchtesgaden ist in gleichem Maße dabei, mit seinem Vorstand Alexander Resch, an diesem Abend der Würdigung außergewöhnlicher Leistungen: Nicht laut, nicht leise, unaufgeregt und doch beachtenswert, am Ende trotz angekündigten »Marathons« kurzweilig. Die Sportlerinnen und Sportler sollen im Fokus stehen. Sie tun es. Eindeutig. Dazu Funktionäre, Trainer und ein erstaunliches Lebenswerk (siehe Extra-Bericht über Josef Fendt und weitere Bilder auf Seite 6).

Nur dreimal kein Wintersport

Der Olympia-Empfang kurz nach den Spielen allein reicht nicht, es soll mehr sein. Ein weiteres Andenken fürs Wohnzimmer, die »Lohn«-Vitrine all der Mühen. Ein wenig sacken lassen, das Erlebte, gerade in den letzten zwei Jahren. Die Basis wird nicht vergessen, die Juniorinnen und Junioren. Die Sportarten-Palette soll breit gefächert berücksichtigt werden, nicht nur Wintersport, das hat sich die mehrköpfige Jury um seinen Präsidenten Wasti Rasp auf die Fahnen geschrieben. Nicht einfach, in einer auf Schnee- und Eis-Athleten fokussierten Region. Immerhin: Ein aktiver Fußballer ist dabei und ein ehemaliger sowie ein Judo-Trainer. Über einen feinen Ehrenpreis freut sich Hannes Schneider, nur ein Jahr fehlte ihm als WSV Königssee-Vorstand zum runden Dreißiger. Wenige Tage vor der Würdigung des außergewöhnlichen Ehrenamts feiert er seinen 65. Geburtstag, Sternzeichen Jungfrau: »Als zuverlässig und bescheiden, ein Stratege im Hintergrund« bezeichnet ihn dann auch Laudator Hans-Wolf von Schleinitz – gewürzt mit Jugend-Anekdoten, der Geehrte war ein gefeierter DJ in diversen Berchtesgadener Lokalitäten.

Die Ehrungen, der Grund, warum alle hier sind, beginnen fast pünktlich. Einer bringt das Sport-Motto perfekt aufs Tapet: »Man kann nicht früh genug anfangen«, sagt Hans-Wolf von Schleinitz, Präsident des Bayerischen Bob- und Schlittensportverbands (BBSV). Bartl Wimmer macht mit einem Satz zur aktuellen Welt-Lage Mut: »Durch die Bewegung werden wir aus der Krise kommen, ganz sicher.« Der Gala-Start ist emotional: Mit Gehhilfen betritt der erfolgreiche Winter- wie Sommer-Bergsportler Stefan Knopf aus Bischofswiesen die Bühne im Scheinwerferlicht als Erster. Nach einem schweren Gleitschirm-Unfall am 31. Mai in Bad Reichenhall befindet er sich ganz langsam auf dem Wege der Besserung. »Aufgeben gilt nicht, niemals«, sagt der 25-Jährige kämpferisch und bewegt damit die Menschen im Saal. Jeder gönnt dem »Nachwuchssportler des Jahres« (1. Sport-Gala von 2017) den neu-geschaffenen »Jetzt-erst-recht-Preis«.

Geschichten, die nur der Sport schreibt

Die Gäste sehen bewegte Bilder auf der großen Leinwand: Wie Dominik Schwaiger in Bormio zu Platz 5 rast, wie Anna Berreiter in Peking zu Silber rodelt, im gleichen Eiskanal Hansi Lochner mit seinem Viererbob ebenfalls Zweiter wird oder Snowboarderin Ramona Hofmeister »dahoam« am Götschen zum dritten Gesamt-Weltcupsieg in Folge cruist. Das milderte die erfolglosen Spiele in China durchaus ab, sagt die 26-Jährige aus Stanggaß, die am Viertelfinal-Aus lange zu knabbern hatte.

Profi-Kicker Mergim Berisha, geboren in Berchtesgaden, ausgebildet beim FC Bischofswiesen, bekommt den Botschafter-Preis. Sein Vater Hetem nimmt den »Pokal« entgegen und wünscht sich einen Augsburger Sieg gegen den großen FC Bayern rund 18 Stunden später. Prompt schießt sein Sohn das 1:0-Siegtor gegen den Rekordmeister – diese Geschichten schreibt nur der Sport. Und Markus Othmer, der gebürtige Nürnberger von »Blickpunkt Sport«, überspielt gekonnt, dass Landrat Bernhard Kern Red Bull Salzburg mit den Bayern verwechselt und in einer durchaus langen Erfolgsaufzählung Berishas größten Gold-Triumph bei der U 21-EM 2021 unerwähnt lässt. Felix Loch ist zum vierten Mal in Folge »Sportler des Jahres« – doch nicht nur: Sein soziales Engagement für die Ukraine ist allein mehrere Auszeichnungen wert.

Der Abend, er ist nun eine Nacht, klingt wie gewohnt aus: Am Benefiz-Roulette-Tisch der Reichenhaller Spielbank rollt die weiße Kugel, in einer Lounge-Ecke hat es sich bei einem Glas Wein ein junges Paar gemütlich gemacht, andere tanzen ausgelassen vor der großen Bühne. Dort spielt die Big Band von »Salzsaga«-Komponist Klaus Ammann auf, bietet klassisch-elegantes. Es wird spät für die meisten, früher Morgen für eine handvoll…

Hans-Joachim Bittner

Die Preisträger bei der Sport-Gala 2022

Jetzt-Erst-Recht-Preis (übergeben von 2. Bürgermeister Richard Lenz aus Schönau am Königssee): Stefan Knopf (Bischofswiesen), Skibergsteigen, Nachwuchssportler 2017, schwere Verletzungen durch einen Gleitschirm- Unfall am 31. Mai dieses Jahres.

Nachwuchssportler 2020 bis 2022 – Medaillengewinner bei Junioren-Weltmeisterschaften (überreicht von Marktschellenbergs Bürgermeister Michael Ernst):

2020/21: Christian Frank (SK Berchtesgaden), Nordische Kombination, Silber; Ole-Mikkel Prantl (WSV Königssee), Snowboard, zweimal Silber; Stefanie Votz (RC Berchtesgaden), Skeleton, U 20 JWM.

2022: Iva Moric (SK Berchtesgaden), Biathlon; Lukas Nydegger (RC Berchtesgaden), Skeleton; Max Kühnhauser (WSV Königssee), Snowboard; Salome Jansing (SV Chiemgau/Marktschellenberg), Snowboard; Diana Filipszki (WSV Königssee), Bob.

Aufsteiger des Jahres

(überreicht von Ramsaus 2. Bürgermeister Rudi Fendt): Dominik Schwaiger (WSV Königssee), Ski Alpin, 5. Platz Weltcup-Abfahrt Bormio und Teilnahme Olympische Spiele Peking.

Sportlerin des Jahres (überreicht von Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber): Anna Berreiter (RC Berchtesgaden), Rennrodeln, Olympia-Silber Peking; Ramona Hofmeister (WSV Bischofswiesen), Snowboard, zum dritten Mal Gesamtweltcup-Siegerin Parallel-Riesenslalom.

Sportler des Jahres (überreicht von Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp): Felix Loch, RC Berchtesgaden, Rennrodeln.

Mannschaft des Jahres (überreicht von Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee): Bob-Team Johannes Lochner (BC Stuttgart Solitude; lebt in Schönau am Königssee), zweimal Olympia-Silber in Peking mit Florian Bauer, Christopher Weber, Christian Rasp; Rennrodel-Doppel Tobias Wendl/Tobias Arlt, zweimal Olympia-Gold in Peking.

Ehrenamtspreis für langjährige Verdienste um den Berchtesgadener Sport (überreicht von BBSV-Präsident Hans-Wolf von Schleinitz): Hannes Schneider, Bischofswiesen, 29 Jahre Vorstand des WSV Königssee.

Stützpunkt-Trainer des Jahres (überreicht von Prof. Hanns Michael Hölz, Präsident Snowboard-Verband Deutschland): Wasti Schöndorfer, Bad Reichenhall, Snowboard.

Botschafter des Berchtesgadener Sports (überreicht durch Landrat Bernhard Kern): Mergim Berisha, Fußball, FC Augsburg, 2021 Europameister mit der deutschen U 21-Nationalmannschaft (Preis angenommen von seinem Vater Hetem).

Ehrenpreis für soziales Engagement (überreicht von Redaktionsleiter Ulli Kastner vom »Berchtesgadener Anzeiger«): Helmut Angerer (Judo), Alfred Burgstaller (Ski-Langlauf), Udo Maier (Fußball, Skispringen), alle Trainer.

Preis für das Lebenswerk (überreicht von MdL Michaela Kaniber): Sepp Fendt, Berchtesgaden, Rennrodeln, FIL-Ehrenpräsident.

Die Pokale – elf Ehrenpreise und 25 Sponsoren-Erinnerungspräsente – gestalteten und stifteten Heinz Quittenbaum sowie die Werbefirma FKF.