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»Elias« mit Gänsehaut

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Die Kantorei der Auferstehungskirche und das Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie begeisterten die Zuhörer in der Stadtpfarrkirche St. Oswald. (Foto: Plützer)

Er ist es nicht. Er ist ein Prophet, aber er ist nicht der Erlöser: »Elias ist ein Vorbote von Christus«, formulierte es Dr. Manuel Ceglarek in seinen Begrüßungsworten und freute sich über den passend gelegenen Aufführungstermin dieses Konzertes, knappe drei Monate vor Weihnachten. Elias muss sich anstrengen, um ein Wunder vollbringen zu können. Er muss inniglich bitten. Dreimal natürlich jeweils. Und wohl niemand hat das je schöner vertont als Felix Mendelssohn-Bartholdy.


»Elias«, das große Oratorium von Mendelssohn-Bartholdy, führte die Kantorei der Auferstehungskirche Traunstein in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Oswald auf. Ein ökumenisches Projekt, wie Pfarrer Georg Lindl als Hausherr betonte. Unter der Leitung von Ulrike Ruf erwarteten die Zuhörer in der voll besetzten Kirche drei klanggewaltige Stunden. Das Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie baute einen Spannungsbogen auf, der kein einziges Mal abriss – davon lebt dieses romantische Werk.

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Der Chor gab sein Allerbestes. Sicherlich, man hätte ihm die doppelte Besetzung gewünscht. Denn dies ist doch in erster Linie ein Werk für Chor, und eigentlich für einen großen Chor. Ein Oratorium mit »recht dicken, schweren und vollen Chören«, wie Mendelssohn es selber umschrieben hat. Doch die engagierten Sängerinnen und Sänger schafften es, die klanglich entscheidenden Momente, seien es die verzweifelten Anrufe oder die flehentlichen Bitten an Gott so zu vermitteln, dass beim Zuhören die intendierte Gänsehaut nicht ausblieb.

Mendelssohn reizt die Extreme der Gefühle musikalisch aus. Nicht nur im Monumentalen, sondern auch zärtlich und leise. 1846 uraufgeführt, zählt der »Elias« bis heute zu den bekanntesten Werken des Komponisten.

Israel leidet unter einer Dürreperiode. Sie ist von Gott gesandt, denn das Volk huldigt Baal. Es ist Elias, der die Menschen von neuem Glauben überzeugt und Gott um den lebensrettenden Regen bittet.

Mit einer wunderbaren Bescheidenheit überzeugte Thomas Gropper (Bass) als Solist mit seiner klaren, kraftvollen Stimme in dieser Rolle. Doch lange hält der Dank des Volkes nicht an – es beschuldigt Elias der Gotteslästerung. Königin Isebel hetzt das Volk auf, Elias zu töten. Er flieht in die Wüste.

»Sei stille dem Herrn und warte auf ihn«, mahnt ihn der Engel alias Anneka Ulmer mit einer ganz bezaubernden Alt-Stimme. Ihr zur Seite Erika Peldzus-Mohr als Sopran, wunderbar souverän und leidenschaftlich. Bariton Michael Wieland spielte das gesamte stimmliche Repertoire der Romantik aus. Insgesamt ein Quartett auf hohem stimmlichen Niveau, das schön miteinander harmonierte.

Elias erlebt schließlich in der Begegnung mit dem unsichtbaren Gott den Höhepunkt seines Prophetenlebens. In einem Feuerwagen fährt er gen Himmel. Er war nur der Prophet. Wiederkommen wird der Erlöser. Petra Plützer