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Elfen, Blues und ein Märchen vom Glück

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Alle Jahre wieder: Silke Aichhorn in der Siegsdorfer Kreuzkirche. (Foto: Plützer)

»Stellen Sie sich beim Zuhören ein paar Elfen vor, nur einmal kommt plötzlich ein großes Tier vorbei«, scherzte Silke Aichhorn und griff in die Saiten ihrer Harfe, um das »Märchen« von Franz Pönitz erklingen zu lassen mit seinen wunderbaren Läufen und seiner zarten Melodie. Harfenklänge, Kerzenschein und besinnliche Texte – diese ruhige Stunde in der Adventszeit, musikalisch gestaltet von der Harfenistin Silke Aichhorn, textlich umrahmt von der Journalistin Petra Plützer, lockt Jahr für Jahr wieder ein großes Publikum in die Kreuzkirche nach Siegsdorf.


»Es ist eine schöne Tradition geworden, dass uns die weltweit gefragte Musikerin Silke Aichhorn hier in Siegsdorf besucht«, begrüßte der evangelische Pfarrer Michael Krauss die rund 150 Zuhörer. Die ersten kamen bereits beinahe eine Stunde vor dem Konzert, um sich ihre Plätze zu sichern. Und auch in diesem Jahr hatte die Traunsteiner Harfenistin wieder eine bunte Palette aus ihrem reichhaltigen Repertoire zusammengestellt. Abwechslungsreich, stimmungsvoll und durch ihre kleinen Erläuterungen zwischendurch auch mit gutem Hintergrundwissen versehen präsentierte sie ein Programm vom Barock bis zur Moderne.

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Da durfte natürlich Bachs »Air« nicht fehlen, mit Louis Spohr gab es große klassische Harfenmusik, mit dem »Ständchen« von Franz Schubert wurde es romantisch. Die Moderne wurde durch Blues-Klänge von Deborah Henson-Contant und Bernard Andres repräsentiert. Es ist das besondere Anliegen von Silke Aichhorn, die große Bandbreite ihres Instrumentes zu verdeutlichen. Besonders stolz ist sie auf ihre Entdeckung des »Märchens« von Franz Pönitz, einem Harfenisten und Komponisten der Jahrhundertwende, das auf dessen Dachboden entdeckt wurde und als dessen »Enkel-Enkel-Schülerin« sie sich sieht, wie sie schmunzelnd berichtete.

Immer auf der Suche nach anspruchsvoller Harfenliteratur, wird sie aber auch selber tätig – an diesem Abend präsentierte sie ihre eigene Bearbeitung des berühmten »Blumenwalzers« von Tschaikowsky, und wer die Orchesterversion im Ohr hat, ahnt, mit welcher Komplexität die Harfe zu beeindrucken wusste. Da blieb keine Hörerwartung offen.

Dass Silke Aichhorn gerne als vielseitigste Harfenistin ihrer Generation bezeichnet wird, wird an solch einem Abend durchaus nachvollziehbar: prachtvolle Glissandi, kraftvolle Akkorde, brillante Läufe, die Harfe als atemberaubendes Klangerlebnis – hautnah erlebbar in einem kleinen, so dicht besetzten Raum wie dem der evangelischen Kirche in Siegsdorf.

Amüsant verfasste Lebensweisheiten präsentierte Petra Plützer mit dem »Märchen vom Glück« von Erich Kästner. Moral passt eben gut zu Weihnachten – auch die Geschichte »Himmel und Hölle« von Geno Hartlaub regte zum Nachdenken an, und für den Nachhauseweg gab's zum Ausklang noch ein Gedicht von Christian Morgenstern. Zum fünften Mal bereits gestalteten die Musikerin und die Journalistin auf diese Weise diesen Abend gemeinsam – und der nächste Advent kommt bestimmt! pp