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Elf Tote bei Anschlag wegen Mohammed-Video

Anschlag in Kabul
Der Anschlag in Kabul war nach Angaben der radikal-islamischen Hesb-i-Islami ein Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa

Kabul/Berlin (dpa) - Die islamische Welt ist weiter in Aufruhr: Bei einem Anschlag wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos starben in Kabul elf Menschen. In Deutschland wollen einige Politiker verhindern, dass das Schmähvideo öffentlich gezeigt wird. Daneben gerät die Internetplattform YouTube unter Beschuss.


Ein Selbstmordattentäter, möglicherweise eine Frau, hatte in Kabul ein mit Sprengstoff beladenes Auto neben einem Minibus in die Luft gesprengt. In dem Bus starben neun Ausländer - vermutlich Südafrikaner und Russen - und ein Afghane.

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Die radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße. HIG-Sprecher Subair Seddiki sagte in einem Telefongespräch, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video gehandelt. Die Attentäterin sei eine 20 Jahre alte Frau namens Fatima aus Kabul gewesen. Die Polizei konnte dies nicht bestätigen.

In Indonesien demonstrierten rund 200 Menschen vor dem US-Konsulat in Medan auf Sumatra gegen das umstrittene Video und verlangten rechtliche Schritte gegen die Filmemacher. In Makassar auf Sulawesi verbrannten Studenten US-Fahnen. In Thailand demonstrierten hunderte Menschen vor der US-Botschaft. «Zerstört Amerika» skandierten etwa 400 Teilnehmer. «Wir wollen keine Gewalt, aber wir wollen, dass die Filmemacher bestraft werden», sagte der Organisator der Proteste. Thailand ist überwiegend buddhistisch. Muslime machen etwa vier Prozent der Bevölkerung aus.

Die Internetplattform YouTube, auf der Teile des Videos zu sehen sind, geriet ins Visier mehrerer Länder. Nachdem sich YouTube bisher geweigert hatte, die Filmausschnitte zu entfernen, sperrte die pakistanische Regierung den Zugang zur Internetplattform. Auch Bangladesch sperrte den Zugang zu YouTube.

Mit Blick auf die rund 20 Millionen Muslime in Russland drohte die russische Regierung mit einer Blockade von YouTube, sollte dort der Betreiber den Film nicht sperren. Der Streifen beleidige religiöse Gefühle, sagte Informationsminister Nikolai Nikiforow.

Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) rief dazu auf, die Produzenten des umstrittenen Videofilms über den Propheten Mohammed zu töten. In einer Erklärung, die auf Islamisten-Websites veröffentlicht wurde, hieß es, wer einen Propheten beleidige, müsse hingerichtet werden.

Eine aus der Ex-Sowjetrepublik Georgien stammende Schauspielerin des Videos warf den US-Produzenten des Films schwere Täuschung vor. Niemals sei bei den Dreharbeiten von einem religiösen Hintergrund die Rede gewesen, wurde die Darstellerin Anna Gurji in Tiflis vom staatlichen TV-Sender Rustawi-2 zitiert. Den Mitwirkenden sei gesagt worden, der Streifen mit dem Arbeitstitel «Desert Warrior» (Wüstenkrieger) handele von einem Meteoritensturz auf die Erde.

Angesichts der Unruhen in der muslimischen Welt wegen des Videos wird in Deutschland weiter über ein Aufführungsverbot gestritten. Muslim-Verbände sind in der Frage uneins: Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime sind für ein Verbot, der Liberal-Islamische Bund lehnt es ab.

Der Deutsche Kulturrat rief die Medien zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Video auf. «In Zeiten des weltweiten Netzes sind Verbote letztlich unwirksam», erklärte Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Wirksam wäre aber eine Ausgrenzung der Scharfmacher, sagte er mit Blick auf die rechtspopulistische Splitterpartei Pro Deutschland. Deren Ankündigung, den Film öffentlich zeigen zu wollen, erhalte in einem beängstigenden Maße mediale Aufmerksamkeit.

US-Prediger Terry Jones kritisierte das von Deutschland gegen ihn verhängte Einreiseverbot als absurd. In einer von Pro Deutschland veröffentlichten Erklärung schreibt Jones, Versuche zur Begrenzung der Meinungsfreiheit seien «der Anfang vom Ende westlicher Gesellschaften». Jones wollte den islamfeindlichen Film «Die Unschuld der Muslime» in Deutschland vorführen.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) rief zur Mäßigung auf. «Wir dürfen Islamisten, aber auch Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen. Die einen wollen bewusst provozieren, die anderen wollen sich provozieren lassen», sagte er dem TV-Sender Phoenix. Zu einem möglichen Verbot des Videos sagte Schünemann, es wäre falsch, die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wandte sich gegen ein Aufführungsverbot. «Das Video ist es nicht wert, dass wir das Recht auf freie Meinungsäußerung kaputtmachen», sagte sie der «Thüringer Allgemeinen» (Dienstag). Auch die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor, sprach sich gegen ein Aufführungsverbot aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) hatte am Montag dafür plädiert, eine Aufführung des Films, der den Propheten Mohammed verunglimpft, mit allen rechtlich zulässigen Mitteln zu unterbinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rieten dazu, ein Verbot zu prüfen.

Schmäh-Video bei YouTube

Mitteilung Kulturrat