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Einsatzkräfte vor freiem Wochenende?

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Am CJD-Campus am Dürreck wurde in den letzten Tagen noch heftig geschaufelt. Hier, auf rund 1 100 Metern Höhe, ist bislang noch kein Schulbetrieb möglich. (Fotos: privat)
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Schaufeln auf der Buchenhöhe: Auf dem CJD-Gelände im Asthmazentrum herrscht mittlerweile wieder Schulbetrieb.

Berchtesgaden – Die bis zu 2 100 Einsatzkräfte, die seit Donnerstag im Berchtesgadener Land gegen die Schneemassen kämpfen, dürfen sich wohl vorsichtig auf ein freies Wochenende freuen. Gestern sah es ganz danach aus, dass der Katastrophenfall bis Freitag oder Samstag auch im Süden aufgehoben werden könnte. »Am Donnerstag und Freitag wird noch einmal intensiv gearbeitet, dann sehen wir weiter«, sagte Andreas Bratzdrum, Pressesprecher des Landratsamtes, auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. Tatsache ist, dass sich die Situation von Tag zu Tag entspannt.


Bei einer Lagebesprechung gestern Abend im Feuerwehrhaus, deren Ergebnis bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht feststand, wurde das weitere Vorgehen besprochen. Doch schon zuvor stand fest, dass der seit Donnerstag geltende Katastrophenfall auch im südlichen Landkreis bald aufgehoben werden könnte. Die heftigen Schneefälle sind vorbei, der allergrößte Teil der als kritisch eingeschätzten Dächer ist mittlerweile abgeschaufelt.

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Gestern Mittag waren im Berchtesgadener Talkessel noch 300 Dächer abzuräumen. »Das sollte bis Samstag erledigt sein«, sagte Andreas Bratzdrum. 900 Dächer hat man in den südlichen Gemeinden bereits von ihrer Schneelast befreit. Insgesamt waren im gesamten Landkreis 1 511 abzuschaufelnde Hausdächer gemeldet worden, 1 199 davon im Süden.

Licht am Ende des Tunnels

»Aktuell kommen nur noch ganz vereinzelt Anträge von Hauseigentümern herein«, sagt Andreas Bratzdrum. Der zeigt sich angesichts der guten Wetterprognosen erleichtert: »Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.« Deshalb wird man die Zahl der aktiven Einsatzkräfte nun auch langsam abbauen. Gestern waren im Süden 1 310 Einsatzkräfte beschäftigt, heute sind es voraussichtlich noch 1 250, am Freitag dann noch zirka 1 000.

Nach und nach werden auch verschiedene Straßen wieder freigegeben. Das kleine deutsche Eck von Unken über Bad Reichenhall nach Salzburg (Bundesstraße 21) ist seit gestern Morgen wieder freigegeben, nachdem mehrere Bäume entfernt worden waren. Und die Tiefenbachstraße in Marktschellenberg ist wieder befahrbar. Auch auf der vorübergehend von der Außenwelt abgeschnittenen Buchenhöhe hat sich die Situation längst wieder entspannt. Die Schneelasten auf allen Gebäuden waren laut eines Statikers des Technischen Hilfswerks unbedenklich und werden weiter laufend durch diese unabhängigen Experten kontrolliert. Vorsorglich räumten THW, Bundeswehr und Feuerwehr die Dächer ab. »Denn der Winter ist noch lang, und entsprechend kann noch Schnee dazu kommen. So sind wir auf der sicheren Seite«, sagt CJD-Pressesprecher Eduard Gossner. Rund 140 Feuerwehrler haben sogar auf der Buchenhöhe übernachtet, viele in Feldbetten, die man in der Turnhalle aufgestellt hatte.

Auf der Buchenhöhe wieder Unterricht

In der Rehabilitationseinrichtung des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands halten sich seit letzter Woche rund 100 Kinder und Jugendliche auf. Die Situation war vorübergehend durch eine Straßensperrung schwierig. Mit Unterstützung durch Transportfahrten der Bundeswehr konnte der Betrieb jedoch weiterlaufen. Inzwischen ist die Zufahrtsstraße zur Buchenhöhe wieder frei gegeben, nachdem ein Hubschrauber den Schnee von den Bäumen geweht und die Bundeswehr dann kritische Bäume herausgeschnitten hatte. Der Transport von Lebensmitteln und von Mitarbeitern durch die Bundeswehr ist nicht mehr nötig. Am Mittwoch begann man deshalb an der Grund- und Mittelschule wieder mit dem Unterricht. Das größte Problem stellt auf der Buchenhöhe aktuell noch der fehlende Parkraum dar. »Es ist natürlich noch sehr eng hier, die Schneewälle sind bis zu vier Meter hoch«, sagt Eduard Gossner. Das gilt noch mehr für den CJD-Campus am Dürreck. Dort konnte der Schulbetrieb im Gymnasium und in der Fachoberschule noch nicht wieder aufgenommen werden.

Offiziell gesperrt waren gestern bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe unter anderem noch die Ettenbergerstraße in Marktschellenberg, die Holzlobstraße und der obere Teil der Vorderbrandstraße in Schönau am Königssee sowie der Bereich um den Hintersee.

Trotz des immensen Arbeitsaufwands und der erheblichen Gefahr, der sich die Einsatzkräfte bei der Arbeit auf den Dächern aussetzen, gab es bis gestern keine schlimmen Verletzungen. »Ein paar Blessuren, aber nichts Größeres«, erläutert Bratzdrum. Auch bei den eingesetzten Fahrzeugen wurden lediglich kleinere Schäden gemeldet. »Wegen Straßenglätte gab es den einen oder anderen kleineren Unfall, sonst nichts«, sagt der Pressesprecher. Selbst bei den Häusern, um die sich viele Eigentümer wegen der immensen Schneelast so große Sorgen machten, sind bislang keine größeren Schäden bekannt geworden. »Es gab nur ein paar kleinere Schäden, das genaue Ausmaß wird man erst im Nachgang feststellen können«, betont Bratzdrum.

Dann werden wohl schnell auch die Einsatzkosten ein Thema werden. Wer bezahlt für den Aufwand, der seit Donnerstag letzter Woche im Katastrophengebiet betrieben wurde? Da geht es um den Arbeitsaufwand beim Abschaufeln der Dächer, um das teilweise Räumen der Straßen, die Baumfällaktionen und Hubschrauberflüge. Finanziert werden müssen irgendwie die Verdienstausfälle der Einsatzkräfte, die Reisekosten, die Verpflegung und der Kraftstoff.

Das Abschaufeln der Dächer ist nicht gratis

»Grundsätzlich ist der Einsatz von Rettungskräften kostenpflichtig«, sagt Pressesprecher Andreas Bratzdrum. Das heißt also, dass grundsätzlich auch der Hauseigentümer, der eine Rettungsorganisation für das Abschaufeln des Daches angefordert hat, für die Kosten aufkommen muss. »Allerdings gibt es den Katastrophenschutzfonds des Freistaats Bayern, über den normalerweise 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten gedeckt sind«, sagt Bratzdrum. Dann muss man abwarten, welche Organisationen überhaupt Rechnungen stellen und wie hoch die sein werden. Und schließlich muss sich noch herausstellen, welchen Anteil eventuell noch die betroffenen Gemeinden übernehmen. »Da muss man dann sehen, was am Ende noch übrig bleibt«, betont der Pressesprecher. Der geht davon aus, dass es noch Monate dauern wird, bis die genaue Kostenaufteilung feststeht. Ulli Kastner