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»Einsatz bis ans Limit« – KID war 2018 schon 63 mal gefordert

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Foto: Leitner, BRK BGL

Der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht-Region Chiemgau wurde heuer bereits 63-mal bei tödlichen und sehr schweren, emotional belastenden Bergunfällen benötigt, was über einem Viertel aller Einsätze in Bayern entspricht. Diese Zahlen wurden bei der Jahresabschlussfeier bekannt.


Die aktuell 14 ehrenamtlichen Krisenberater aus neun Bereitschaften stehen Angehörigen, Freunden, Tourenpartnern und Augenzeugen in den schwierigsten Stunden des Lebens bei, leisten psychische Erste Hilfe bei tragischen Einsätzen, überbringen zusammen mit der Polizei die Todesnachricht an Angehörige und betreuen betroffene Familienmitglieder und Begleiter während längerer Vermisstensuchen. Der Kontrast könnte dabei nicht größer sein, da sich die schlimmen Ereignisse meist dann völlig unerwartet ereignen, wenn Betroffene in der Freiheit am Berg die schönsten, unbeschwertesten Stunden des Lebens suchen – in einem Sekundenbruchteil schlägt dabei höchstes Glück in tiefstes Unglück um.

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»Wenn wir anderen Einsatzkräfte nach einem tödlichen Absturz oder einer erfolglosen Wiederbelebung eines internistischen Patienten bereits zusammensitzen, um das Erlebte besser zu verarbeiten, seid ihr noch helfend und betreuend unterwegs, oft viele Stunden oder sogar Tage – in besonderen Fällen sogar noch nach Wochen. Wir können für diesen Einsatz bis ans Limit alle nur den Hut vor Euch ziehen«, lobte Regionalleiter Dr. Klaus Burger.

Er erinnerte auch an den sehr langen Sommer mit den gestiegenen Einsatzzahlen. Die Bergwacht sei dabei immer häufiger für unverletzte und auch nicht akut erkrankte, dafür aber psychisch blockierte Bergsteiger unterwegs, die mit den alpinen Bedingungen überfordert seien, sich versteigen und ihre persönlichen, individuellen Grenzen überschreiten. Trotz der vielen und auch riskanten Einsätze seien alle ehrenamtlichen Retter in der vergangenen Saison wieder gesund und ohne ernstere Verletzungen nach Hause zurückgekehrt.

Die ersten Bergretter im Chiemgau absolvierten vor 18 Jahren die Spezialausbildung zum Krisenberater. Nach einigen strukturgebenden Maßnahmen konnte der neue Fachdienst KID-Berg Chiemgau 2005 mit fünf Ehrenamtlichen unter der Leitung des evangelischen Pfarrers Dirk Wnendt aus Traunstein seine Arbeit aufnehmen. Als Wnendt 2008 die Leitung wegen beruflicher Veränderungen abgeben musste, übernahm der heutige Chef Klaus Überacker das Ruder. Mittlerweile engagieren sich im KID Berg vier Frauen und zehn Männer – alle sind ausgebildete Einsatzkräfte, kennen die Strukturen der Organisation und können sich im Sommer und Winter sicher im alpinen Gelände bewegen. Der erste Einsatz war das Lawinenunglück mit drei Toten am 2. Januar 2006 am Schrecksattel auf der Nordwestseite der Reiter Alpe.

Mittlerweile ist der zusätzliche Dienst für die Einsatzleiter nicht mehr wegzudenken, da die Krisenberater die Bergwachten mit ihrer Hintergrund-Arbeit mit den Betroffenen entlasten, sodass sich die Einsatzkräfte auf die eigentliche Rettung konzentrieren können. Über die Telefonnummer 08041/43 91 500 ist der Hintergrunddienst des KID Berg für Betroffene, Einsatzkräfte und Leitstellen erreichbar.

Eine weitere Aufgabe des KID ist die Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen für die aktiven Einsatzkräfte der Bergwacht. Der KID der Bergwacht kommt nur bei bergspezifischen Unfällen zum Einsatz, da Bergsteiger sich besser auf Augenhöhe in andere Bergsteiger hineinversetzen und ihnen dadurch effektiver beistehen können.

Die erforderliche Ausbildung zur Mitarbeit im KID Berg wird von der Bergwacht Bayern organisiert und alle zwei Jahre durchgeführt. Einsatzkräfte, die sich für die Mitarbeit interessieren, können sich bei der Regionalgeschäftsstelle Chiemgau oder direkt beim Leiter der Regionalgruppe informieren. Die Gruppenmitglieder treffen sich regelmäßig zu Einsatz-Nachbesprechungen und internen Fortbildungen. Von den heuer bayernweit bisher 230 KID-Einsätzen absolvierte 63 der KID Berg Chiemgau. ml