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Einer der ganz großen Cellisten

Er zählt zweifellos zur Musiker-Elite der Gegenwart: der in Litauen geborene Cellist David Geringas (einst Schüler von Mstislaw Rostropowitsch, später Lehrer u. a. von Sol Gabetta). Geringas hat im Laufe seiner Karriere an die hundert CDs eingespielt, viele davon wurden mit bedeutenden Schallplattenpreisen ausgezeichnet. Die Erwähnung dieser Tatsache soll genügen, denn eine ausführliche Beschreibung der Karriere Geringas könnte Seiten füllen.

Sein Traunsteiner Programm entspricht ganz seiner Vorliebe für ausgefallene Stücke: Mendelssohns frühe Cellosonate, Mieczyslaw Weinbergs Cellosonate Nr. 2 und die große a-Moll-Sonate des norwegischen Romantikers Edvard Grieg sind nicht alle Tage zu hören. Begleitet wird David Geringas vom russischen Pianisten Jascha Nemtsov, dem international gefragten, vielfach preisgekrönten Solisten und Kammermusiker, der die Traunsteiner Sommerkonzerte als Weinberg-Spezialist seit Tagen begleitet.

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Geringas und Nemtsov pflegen eine enge Künstlerfreundschaft, die u. a. um das gemeinsame Interesse an der Musik Mieczyslaw Weinbergs kreist. Dessen Cellosonate Nr. 2 steht im Mittelpunkt des heutigen Abends im Kunstraum Klosterkirche. Sie wurde 1958 komponiert, von Rostropowitsch drei Jahre später uraufgeführt und kann, auch wenn sie im Westen unter Cellisten und Freunden der Kammermusik noch nicht so bekannt ist, zu den bedeutendsten Werken ihrer Gattung gezählt werden.

Über Mendelssohn Bartholdys Cellosonate op. 45 hat Robert Schumann so schwärmend sinniert, dass man seine Betrachtungen aus der Neuen Zeitschrift für Musik übernehmen bzw. zitieren sollte: »Die Sonate ist … reinste, durch sich selbst gültigste Musik, eine Sonate, wie sie irgend je aus großen Künstlerhänden hervorgegangen, im besonderen wenn man will, eine Sonate für feinste Familienzirkel, am Besten etwa nach einigen Goethe'schen oder Lord Byron'schen Gedichten zu genießen. Ueber Form und Styl noch mehr zu sagen, schenke man der Zeitschrift; man findet Alles in der Sonate besser und nachdrücklicher.« Schön gesagt, nachzuhören – auch ohne Goethen – heute Abend.

Edvard Grieg hat seine einzige Cellosonate dem älteren Bruder John gewidmet und gemeinsam mit dessen Cellolehrer Friedrich Grützmacher im Dresdener Tonkünstlerverein 1883 uraufgeführt. Er spielte sie kurz darauf auch gemeinsam mit dem berühmten Solisten Julius Klengel und ein letztes Mal 1906, ein Jahr vor seinem Tod, zusammen mit dem damals 20-jährigen Pablo Casals in Amsterdam. Alle wichtigen Cellisten haben dieses Werk geschätzt, gespielt und eingespielt: u. a. Mstislaw Rostropowitsch, Raphael Wallfisch, Mischa Maisky, Claude Starck. Nicht im »feinsten Familienzirkel«, sondern öffentlich im Kunstraum Klosterkirche, ist mit David Geringas ein weiterer Großer mit Griegs a-Moll-Sonate zu hören. (Der Bayerische Rundfunk schneidet das Konzert mit.)

Karten in der Touristinformation und an der Abendkasse. Imke von Keisenberg