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Eine wunderbare Reise durch die Welt des Jazz

Es begann mit einem filigranen Spiel am Schlagzeug, als streichelte Max Ludwig sein Instrument und als würde er selber gerne hören, was er den Drums alles an Tönen entlocken kann. Zweieinhalb Stunden später wollte das Publikum im gut besetzten NUTS ihn und seine Mitmusiker nicht mehr von der Bühne lassen, man hatte sich der angekündigten »Reise durch die Welt des Jazz« nur zu gerne ausgeliefert und sie regelrecht aufgesogen, und mit »St. Thomas« von Sonny Rollins gab's dann den würdigen Abschluss. Dazwischen zeigten Hans Baltin am Bass, Andreas Heinrich am Piano, Josef Ramelsberger mit verschiedenen Saxofonen und eben Max Ludwig, wie wunderbar aufregend Jazz sein kann, wenn er von Könnern mit Verve und Seele dargebracht wird.

Nach getaner Arbeit: Jazz Journey mit (v. l.) Andreas Heinrich, Hans Baltin, Max Ludwig und Josef Ramelsberger.

Natürlich ist es ein gewaltiger Fundus, auf den versierte Jazzmusiker zurückgreifen können. Mit ganz wenigen Ausnahmen bedienten sich Jazz Journey an dem, was die 30er, 40er und auch 50er Jahre an Großartigem hinterlassen haben, und wieder einmal durfte man feststellen: Gerade diese Musik ist absolut zeitlos, sie lässt sich immer wieder neu erahnen und folglich neu interpretieren, und nichts trifft dann mehr zu als die Aussage von Miles Davis, dass das, was gemeinsam gespielt wurde, in der Luft schweben müsse, denn dorthin habe man es schließlich ja auch geblasen.

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Und mit Bassläufen getragen, mit dem Klavier hinaufgeschickt, mit den Drums verziert.

Jazz Journey werden immer besser, wenn man das so sagen darf. Und doch sind sie weit davon entfernt, gewissermaßen in jener Jazz-Routine zu erstarren, die zwar zuhören lässt, die aber dann vieles austauschbar macht. Dem war und ist eben nicht so. Kaum war ein Stück der Reise beendet, erwartete man schon voller Neugier den nächsten Trip, noch beseelt von den aufregenden Tönen zuvor. Alles begann mit einem Bossanova von Antonio Carlos Jobim, eingeleitet durch dieses leise, filigrane Abtasten am Schlagzeug, und dass Jobim aus Ipanema stammt, war natürlich nur allzu hörbar.

Und dann ging's los, die flotte »Yardbird-Suite« von Charlie Parker dürfte das kürzeste Stück des Abends gewesen, ehe Bebop ausgebreitet wurde: Da ist Dizzie Gillespie immer noch das Maß aller Dinge, hier gibt es die Plätze, mit Soli zu brillieren, und alles kann auch äußerst relaxed sein wie bei »A night in Tunesia«, zu dem Max Ludwig ein ganz ruhiges, geradezu dezentes, so kaum je gehörtes Drumsolo lieferte, ohne jeglichen Firlefanz.

Sehr zurückhaltend anfangs auch »Goodbye Pork Pie Hat«, eine bluesige Hommage von Charlie Mingus an seinen früh verstorbenen Freund Lester Young, in dem Josef Ramelsberger und Andreas Heinrich zeigen konnten, welch großartige Musiker sie sind. So wie nach der Pause mit »Tète-à-Tète« von Art Pepper, das sie zu zweit geradezu zelebrierten: Und zwischen den einzelnen Songs gab's launige, informative Geschichten zu den Stücken oder zu den Musikern, und Josef Ramelsberger musste selbst immer wieder ungläubig den Kopf schütteln, wenn er erzählte, wie viele dieser so brillanten Köpfe drogenabhängig waren und deswegen auch viel zu früh verstarben.

Natürlich durfte Thelonius Monk nicht fehlen, nicht Wayne Shorter und erst recht nicht John Coltrane, es war ja eine Reise angekündigt, mit Haltestellen dort, wo die bedeutendsten Jazzer ihrer Zeit Monumente errichtet hatten. Auch Cannonball Adderly, welch ein lässiger, cooler Swing in »Blue Daniel«, voller Spiel- und Experimentierfreude dargebracht wie alles an diesem so unterhaltsamen Abend, der gewiss so manchen Zuhörer dazu verführt hat, zuhause in den CDs zu kramen und endlich wieder mal Parker oder Gillespie oder Monk aufzulegen. Jazz Journey: Das sind vier prima miteinander eingespielte Musiker, von denen jeder seinen Platz bekommt, sich als Solist zu präsentieren, ohne dass man dabei den Eindruck bekommt, hier versuche jemand die anderen an die Wand zu spielen. Fürwahr ein Erlebnis! WS