weather-image
26°

Eine Sprache wie gemacht für den Gesang

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Maria Bittel am Flügel sowie Friederike Duetsch (rechts) begeisterten mit französischen Chansons, Madeleine Kern führte mit Charme durch den Abend. (Foto: Heigl)

Frankreich steht für Genuss und l’amour, aber auch für dramatisch gefärbte Tristesse. Beides hat im Chanson Eingang gefunden und mit Edith Piaf, Jacques Brel, George Brassens, Léo Ferré, Charles Trenet und vielen anderen Interpreten wurde dieser Musikstil populär.


Die frechen, frivolen Chansons der 20er und danach, mit denen Friederike Duetsch gemeinsam mit Maria Bittel und Thomas Hartmann so fabelhaft ihr Publikum zu bezaubern wusste, sind sicher unvergesslich. Jetzt überraschten uns die Künstler im Rahmen der Traunsteiner Sonntagskonzerte im Saal des Kulturzentrums am Stadtpark mit einem völlig anderen Projekt, dem Chanson francaise. Der aus dem Badenser Schwäbischen stammenden, klassisch ausgebildeten Sängerin Duetsch perlte das Französisch nur so von den Lippen, dass es eine Lust war ihr zu zuhören.

Anzeige

Französisch eignet sich zudem gut für den Gesang. Der Abend war also wunderbar und ein richtiges Sonntag-Abend-Ereignis im positiven Sinn. Die Moderatorin des Abends, die Französin Madeleine Kern, übersetzte für das zahlreich erschienene Publikum mit sanfter Stimme und gefühlvoll, die meist dramatisch-melancholischen Texte. »Es gibt keine glückliche Liebe«, hieß ein Lied in der Übersetzung, geschrieben von Georges Brassens, das Friederike Duetsch mit echter Dramatik in Körpersprache und Gesang überzeugend und beeindruckend zu interpretieren wusste. Die Tragik in dem Gedicht von Boris Vian, aus dem der Komponist Harold Berg ein Lied gegen den Algerienkrieg, »Le déserteur«, gemacht hat, wiegt in jeder ihrer Silben schwer, bebte geradezu in ihrem Körper mit, so dass man fast schon Angst um sie bekam, so tief ließ sie sich ein. Ihr komödiantisch-frivoles Talent, das bei ihr so herrlich direkt daherkommt, zeigte sie in dem leicht ordinär klingenden Lied über einen Papagei, »Paric canaille«, von Léo Ferré. Aber einige mehr von den »Gassenhauern« hätten es an diesem Abend schon sein dürfen; so wie das Lied von Zaz, »Je veux«, eine Hommage an Paris, dessen schneller Rhythmus einen sofort zum Tanzen animiert. Auch hier war die facettenreiche Künstlerin sofort wieder ganz nah dran oder besser gesagt mitten drin im Gefühl.

Das äußerst lebendig-sprechende, leichtfüßig klingende Tastenspiel ihrer langjährigen Duopartnerin Maria Bittel am Flügel, klar akzentuiert, und gerne mit einer Prise Humor versehen, war wie immer ein Anlass zur Freude. Dass Traunstein solch tolle Künstler hat, die miteinander so hervorragendes, unterhaltsames, bildendes Musiktheater machen, war dem Publikum einen großen Applaus wert.

Eine »Extra Tour de France« mit den »Dreien« gibt es nächstes Jahr im März. Dann werden die Künstler das Programm auf vielfachen Wunsch des Publikums noch einmal präsentieren. Barbara Heigl