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Eine neue Mannschaft steigt ein – die Alten seilen sich ab

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Die neue und alte Vorstandschaft des SC Grünstein Klettersteig im Hotel »Kempinski« (v.l.): Hinten – Bürgermeister Hannes Rasp, 1. Vorstand Michael Graßl, 2. Vorstand Ulrich Heimann, 1. Schriftführerin Sigrid Zörner, 2. Schriftführer Franz Punz, Kassenprüferin Barbara Graßl und 2. Kassier Martin Ohnhäuser sowie die alte Garde (vorne) mit Stefan Lochner, Konrad Graßl, Sepp Fritz, Franz Polzer und Hans Votz. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Vor zehn Jahren wurde der ursprünglich von Isidor Grassl kreierte Klettersteig am Grünstein gemäß den Richtlinien des Deutschen Alpenvereins von ehrenamtlichen Spezialisten in Zusammenarbeit mit staatlich geprüften Bergführern erbaut. Die offizielle Eröffnung erfolgte im September 2009. In den letzten Jahren ist viel geschehen und es gibt inzwischen drei Führen durch die Grünsteinwände. Bei der Mitgliederversammlung des SC Grünstein Klettersteig im Hotel »Kempinski« trat die alte Vorstandschaft zurück und wurde im Rahmen der Neuwahl einstimmig durch ein jüngeres Team ersetzt. Der neue Vorstand Michael Graßl würdigte die großartigen Leistungen der alten Vorstandschaft und im Besonderen auch die Arbeit von Vorstand Stefan Lochner.


Auch Bürgermeister Hannes Rasp, der selbst Vereinsmitglied ist, war zur Versammlung ins »Kempinski« gekommen. Wie man Stefan Lochner kennt, kam auch die heitere Seite in seinem Vorstandsbericht nicht zu kurz und man hörte so manch kuriose Geschichte. Als Lochner beispielsweise im letzten November zusammen mit Sepp Fritz die Tafeln »Klettersteig gesperrt« anbrachte, stand plötzlich ein waschechter Steinbock vor den beiden. »Wir wussten nicht, wie uns geschieht, und haben uns ziemlich erstaunt angeschaut. Ich habe mir nur gedacht, wenn jetzt auch noch Steinböcke im Klettersteig sind, dann können wir den Steig vergessen.« Doch der Steinbock hatte keinen neuen Lebensraum gefunden, vielmehr war er aus einem Gehege entwischt.

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Auf Spenden und Sponsoren angewiesen

Aus dem Schriftführerbericht von Sepp Fritz gingen die vielfältigen Arbeiten hervor, die nötig sind, um einen Klettersteig stets sicher zu halten. Nachdem Fritz lange Zeit Klettersteigwart war und auch noch in seiner Funktion als Schriftführer tatkräftig im Steig mitgeholfen hat, wusste er, wovon er berichtet. So hatte nach seinen Worten der letzte Winter den Sicherungen ganz erheblich zugesetzt und Michael Graßl sowie dessen Team haben viel Arbeit geleistet, um den Steig wieder in Schuss zu bringen.

Aus den Ausführungen von Franz Polzer ging hervor, dass der Verein auf gesunden finanziellen Füßen steht. Polzer machte aber auch deutlich, dass sich der Verein aus den Beiträgen der 173 Mitglieder nicht halten könnte und stark auf Spenden und Sponsoren angewiesen sei. Die stete Unterhaltung und Sicherung der Steige verschlinge nämlich eine Stange an Geld.

Voll des Lobes für die akribische Kassenführung von Polzer zeigte sich Konrad Graßl, der zusammen mit Georg Koll die Kasse geprüft hatte. Allerdings gab Graßl bekannt, dass er aus Altersgründen nicht mehr als Kassenprüfer zur Verfügung stehe.

Ein Rückblick auf die letzten zehn Jahre

Der alte Vorstand Stefan Lochner berichtete in einem heiteren Rückblick von den Eckdaten des Klettersteigs. Lochner bezeichnete Michael Graßl als Motor des Klettersteigvereins. Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung waren 9 000 Unterschriften im Gipfelbuch gezählt worden, wobei die Dunkelziffer an Durchsteigungen weitaus höher liegt. Immer wieder werde der Klettersteig in den verschiedensten Medien erwähnt und überaus gelobt. »Man setzte sich jedoch nie zur Ruhe und baute den Klettersteig weiter aus«, so Lochner, der dabei die ständigen Ideen von Michael Graßl hervorhob. So sei zunächst die »Räuberleiter« als weitere Klettervariante entstanden. Doch damit nicht genug, musste auch noch eine überhängende Wand ins Programm. Sepp Bernegger und Albert Steinbacher bauten die Seilversicherungen ein, um den Kletterern mit der »Gipfelwand« noch ein besonderes Erlebnis vor dem Ausstieg zu eröffnen. »Damals habe ich gedacht, dass es am Grünstein keine Möglichkeiten mehr gibt, sonst stürzt er ohnehin ein«, so Lochner schmunzelnd. Doch nachdem der Grünstein komplett erschlossen war, fiel Michael Graßl mit einem Klettersteig am Kleinen Jenner (Vogelstein) wieder etwas Neues ein, um das Kletterangebot auch für Familien mit Kindern in einer leichteren Variante zu erweitern. Und man gewann auch einen begeisterten Bürgermeister Hannes Rasp für diese Idee. Und so weihte Pater Kajetan im Juni 2015 den »Schützensteig« ein, der seinen Namen von den Königsseer Weihnachtsschützen bekam, deren Gipfelkreuz am Vogelstein steht. Der scheidende Vorstand Stefan Lochner dankte seinem designierten Nachfolger und bekundete mit berechtigtem Stolz, dass der SC Grünstein Klettersteig in den letzten zehn Jahren teilweise unter sehr unwirtlichen Bedingungen etwas sehr Schönes für die Einheimischen und auch Gäste geschaffen habe.

Engagierter »Vize«

Die letzte Amtshandlung von Stefan Lochner war, allen zu danken, die sich in die gute Sache Klettersteige eingebracht haben und immer noch einbringen. Stellvertretend für viele andere nannte Lochner seinen »Vize« Hans Votz, der von Beginn an dabei gewesen sei, immer mitgearbeitet habe und für den gesamten Materialeinsatz verantwortlich zeichnete.

Bevor der alte Vorstand zu den Neuwahlen überleitete, sagte Lochner der neuen Mannschaft zu, dass die alte Garde jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehe. Bürgermeister Hanns Rasp leitete die Neuwahlen, die keine Überraschungen brachten: Die vorgeschlagenen neuen Vorstandsmitglieder wurden einstimmig gewählt (siehe Kasten). Rasp dankte den Männern der ersten Stunde für deren Verdienste und unermüdliche Arbeit.

Nachdem der neue Vorstand dem scheidenden Stefan Lochner als Erinnerung ein Stück Stahlseil auf einem Holzbrett übergeben hatte, lud Michael Graßl die alte Vorstandschaft zu einem geselligen Grillfest ein. Christian Wechslinger