weather-image
27°

»Eine einmalige Chance, die ich nutzen will«

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Michael Lichtmannegger hat die zur Bebauung vorgesehene Fläche am Kressenfeld mit Trassierband gekennzeichnet. Am kommenden Samstag will er hier allen Interessierten von 10.00 bis 15.00 Uhr für Auskünfte zur Verfügung stehen. Anzeiger-Foto

Bischofswiesen - 14 Bauparzellen sollen nach einer Mehrheitsentscheidung des Gemeinderats Bischofswiesen auf dem Kressenfeld hinter der »Insula« ausgewiesen werden. Michael Lichtmannegger will mit dem Erlös aus dem Verkauf der 7 000 Quadratmeter großen Fläche den Ankauf der rund sieben Hektar großen Meislwiese vom Evangelisch-Lutherischen Diakoniewerk finanzieren, die er nach eigenen Angaben für die Bewirtschaftung seines Hofs braucht. Gegner des Projekts sammelten im Rahmen eines Bürgerbegehens 1 143 Unterschriften gegen die Baulandausweisung, sodass nun die Bischofswieser Bürger am Sonntag, 25. November, in einem Bürgerentscheid das letzte Wort haben. Der »Berchtesgadener Anzeiger« unterhielt sich mit Michael Lichtmannegger über seine Pläne und die jüngste Entwicklung.


In einer BBV-Versammlung forderte kürzlich Kreisobmann Anton Kern, dass Bauernland in Bauernhand bleiben müsse. Nun wollen ausgerechnet Sie als Bischofswieser Ortsbauernobmann 7 000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche als Bauland veräußern. Ist das nicht ein schlechtes Vorbild für den Bauernstand?

Anzeige

Michael Lichtmannegger: Landwirtschaftlicher Grund ist ein Wirtschaftsgut, das es zu mehren gilt. Durch den Kauf von Grünland mehre ich ja mein Wirtschaftsgut beträchtlich. Dafür muss ich mich halt von einem anderen Teil des Wirtschaftsguts trennen. Insgesamt wird die Grünlandfläche, wenn ein Hektar verbaut wird, natürlich weniger. Aber für meinen Betrieb ist dies eine einmalige Chance und die will ich nutzen.

Warum ist denn diese Bebauung so wichtig für Sie?

Lichtmannegger: Wenn man investiert, benötigt man Geld für den Schuldendienst. Und solche Beträge kann man aus der Landwirtschaft nicht erwirtschaften. Deshalb muss ich mich schweren Herzens von einem Teil meines Grundes trennen.

Hatten Sie, als das Bauleitverfahren begann, mit so starkem Widerstand gerechnet?

Lichtmannegger: Eigentlich nicht. Der Antrag ist ja im Gemeinderat bei der ersten Abstimmung mit 12:8 Stimmen durchgegangen. Der Gemeinderat sah halt einen entsprechenden Bedarf und brachte das Projekt auf den Weg. Da dachte ich mir: Das wird schon laufen.

Immerhin haben jetzt aber weit über 1 000 Gemeindebürger das Bürgerbegehren gegen eine Baulandausweisung unterschrieben. Ist das für Sie nicht Anlass, das Projekt zumindest noch einmal zu überdenken?

Lichtmannegger: Eigentlich nicht. Immerhin sind ja im Gemeinderat ungefähr zwei Drittel dafür. Das könnte bei den Bürgern auch so sein. Dass ich auch Gegner habe, ist ja ganz klar. Dazu muss ich sagen, dass die Berichterstattung in der Vergangenheit eher einseitig war. Ich kam ja im Gemeinderat nicht zu Wort und wir haben uns auch in der Öffentlichkeit lange nicht zu Wort gemeldet, weil die Entscheidung im Gemeinderat eindeutig war.

Tatsächlich haben Sie sich in den letzten Monaten mit Kommentaren stark zurückgehalten. In der letzten Gemeinderatssitzung ließen Sie aber dann ein Schreiben verlesen, in dem Sie Ihre Gegner heftig attackierten.

Lichtmannegger: Im Gemeinderat waren ja alle bestens informiert. Jetzt geht es aber darum, auch der Öffentlichkeit alle Informationen zu geben. Deshalb haben wir unter www.baugebiet-am-kressenweg.de eine Internetseite eingerichtet, auf der sich alle Bürgerinnen und Bürger informieren können, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Und am kommenden Samstag werde ich von 10.00 bis 15.00 Uhr neben dem trassierten Feld jedem Interessierten für Auskünfte zur Verfügung stehen.

Welche Informationen fehlen denn den Bürgerinnen und Bürgern noch?

Lichtmannegger: Viele wussten bislang gar nicht, wo sich das Baugebiet überhaupt befindet. Das potenzielle Baugebiet ist jetzt trassiert, sodass es jeder besichtigen kann. Es wurde auch immer argumentiert, dass es in Bischofswiesen keinen Wohnbaubedarf gebe. Definitiv ist es aber so, dass derzeit in Bischofswiesen keine Wohnbauflächen mehr zur Verfügung stehen. Und das Baugebiet, um das es jetzt geht, hat ungefähr eine Größe, das den Bischofswieser Bedarf von einem Jahr abdeckt. Wenn man in Bischofswiesen eine Weiterentwicklung zulassen will, dann muss man halt sehen, wo man Bauland herbringen kann. Ich bin gespannt, wo man in Bischofswiesen solche Flächen für den neuen Flächennutzungsplan finden will. Für die nächsten 15 Jahre bräuchten wir ja fast 200 Bauplätze.

Und Sie gehen davon aus, dass Sie die Grundstücke ausschließlich an Einheimische verkaufen können?

Lichtmannegger: Da bin ich mir sicher. Obwohl ich noch nie Werbung für die Baugrundstücke gemacht habe, weil ich ja nicht sicher bin, ob es funktioniert, habe ich so viele Anfragen, dass ich das Gelände dreimal an Bischofswieser verkaufen könnte.

Die Gegner führen als Gründe für die Ablehnung unter anderem auch die Nähe zum Landschaftsschutzgebiet und eine Beeinträchtigung des Seniorenwohnheims »Insula« an.

Lichtmannegger: Die Fläche grenzt ja nicht direkt an das Landschaftsschutzgebiet an. Eine Beeinträchtigung der Nachbarn ist bei Neubauten natürlich immer gegeben. Womöglich wird es auf der Zufahrtsstraße etwas mehr Verkehr geben. Aber wir wollten mit 14 kleineren Bauparzellen halt bezahlbaren Wohnraum schaffen. Als Angebot für die Insula-Bewohner, die künftig vielleicht nicht mehr den Hochmoorweg für ihre Spaziergänge nutzen wollen, werden wir die Möglichkeit schaffen, einen anderen Weg zu gehen. Wir wollen den Wiesentrampelpfad, der vom alten Kindergarten in Richtung Kirche führt, so ausbauen, dass man ihn mit Rollator und Rollstuhl befahren kann. So kann man über den Rundweg Steiner und Cramer wieder zur Insula gelangen.

Die Gegner kritisieren auch, dass das Bauvorhaben gegen die Ziele des Baugesetzbuches verstoße.

Lichtmannegger: Die Begründungen des Bürgerbegehrens stellen keine rechtlich haltbaren Aussagen dar. Regierung von Oberbayern, Landratsamt und Gemeinde haben die rechtliche Zulässigkeit ja geprüft. Es ist geklärt, dass hier die Möglichkeit zur Bebauung besteht. Es gibt auch keine Einwände der Unteren Naturschutzbehörde und es bestehen keine umweltrechtlichen Einwände.

Am 25. November werden die Bischofswieser Bürger über die Zukunft des Projekts entscheiden. Glauben Sie immer noch, dass Ihr Plan aufgeht?

Lichtmannegger: Ja, klar. Bislang haben sich ja vor allem die Gegner lautstark zu Wort gemeldet. Ich bin aber der Überzeugung, dass es genügend Bischofswieser gibt, die eine maßvolle Entwicklung der Gemeinde wünschen. Das Bürgerbegehren halte ich durchaus als demokratische Form der Entscheidung für gut. Nur mag es hier ein bisschen überzogen sein.

Was würde es für Sie und Ihre Familie bedeuten, wenn das Projekt scheitert?

Lichtmannegger (überlegt lange): Das wäre auf alle fälle eine maßgebliche finanzielle Beeinträchtigung. Schließlich brauchen wir wegen des Ankaufs der Meislwiese massiv Finanzmittel. Natürlich kann ich mich damit nicht herausreden, es war halt ein Risiko. UK