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Von Ski bis zum goldenen Ring: Fundsachen landen in der Gemeinde Bischofswiesen bei Michael Groetzner

»Eine Dame brachte uns eine Beinprothese«

Bischofswiesen – Seien es Autoschlüssel, Mountainbikes oder Ski – ehrliche Finder haben im Jahr 2017 insgesamt 30 Gegenstände bei der Gemeinde Bischofswiesen abgegeben.

Dies ist nur ein kleiner Teil der gefundenen Gegenstände: Der Rest wird sicher verwahrt. Wer etwas verloren oder gefunden hat, für den ist Michael Groetzner der richtige Ansprechpartner. (Foto: privat)

Diese landen bei Michael Groetzner. Der Leiter des Bürgerbüros erzählt im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«, was ein Finder tun sollte, was mit den Dingen nach einem Jahr passiert und was das seltsamste Fundobjekt war, das je bei ihm gelandet ist.

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»Das Kurioseste?«, sagt Michael Groetzner und überlegt. »Eine Unterschenkel-Prothese«, lautet die Antwort. Diese sei vor einigen Jahren von einer Dame bei ihm abgegeben worden. »Eine Bischofswieserin hat das Bein am Saalachsee gefunden und zu uns gebracht«, erzählt der Mitarbeiter der Gemeinde Bischofswiesen. »Da schaust, wenn dir jemand so was bringt«, lacht er. Wie der Zufall es wollte, hatten seine Schwiegereltern in Unken in den Salzburger Nachrichten einen passenden Artikel gelesen: »Motorradfahrer verlor hochwertige Beinprothese.« In dem Polizeibericht war auch der Wert des Gegenstands angeführt: 6 000 Euro.

So ging Groetzner ein Licht auf. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer ein Bote war, der die Prothese in seiner Tasche zum Kunden bringen hätte sollen. Der Bischofswieser telefonierte herum, kontaktierte die zuständige Firma und die holte das gute Stück in Bischofswiesen ab.

Wer zum Fundamt will, das in das Bürgerbüro integriert ist, der findet es im Übergangs-Rathaus, dem ehemaligen Biohotel Kurz, im Erdgeschoss. Dort sitzt Groetzner mit seiner Kollegin Julia Hinterbrandner. Telefonisch erreichbar ist das Bürgerbüro unter 08652/880937. Wer etwas gefunden hat, zum Beispiel einen Schlüsselbund, der gibt ihn hier ab. Dann trägt Groetzner das ins Fundbuch ein, und der Finder kann angeben, ob er den Gegenstand nach der Frist von einem Jahr haben will. Denn so lange hebt die Gemeinde die Dinge in ihrem Keller auf. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur ein halbes Jahr, fügt der Leiter des Bürgerbüros hinzu. Wertvolle Gegenstände kommen in einen Tresor. »Einmal im Jahr veröffentlichen wir die Liste«, so Groetzner (siehe Kasten). Übrigens: Am häufigsten verlieren die Leute Schlüssel, erzählt er.

Aber nun könnte ja jemand schlicht behaupten, er habe zum Beispiel ein Radl verloren, und es dann in der Gemeinde abholen – »Nein«, winkt er ab. »Diejenigen, die zu uns kommen und nach etwas fragen, müssen den verlorenen Gegenstand erst einmal beschreiben.« Erst, wenn die Beschreibung passt, holt der Leiter des Bürgerbüros das Radl aus dem Keller. Sollte niemand ein Fahrrad – um bei dem Beispiel zu bleiben – vermissen, dann wird das nicht etwa verschrottet: »Der Hausmeister der Domus Mea-Einrichtung am Hallthurm repariert mit den Bewohnern öfter alte Räder. Die bekommen dann welche von uns. Früher haben wir sie Flüchtlingen gespendet, aber die sind mittlerweile schon gut ausgestattet«, erzählt der Bischofswieser. Und was passiert zum Beispiel mit goldenen Ringen, die auch öfter abgegeben werden? »Die werden entweder vom Besitzer abgeholt oder nach einem Jahr vom Finder«, klärt er auf. Annabelle Voss