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Eindrucksvolle Berg-, Natur- und Menschenbilder

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»Zwergenpaar«, von Heidi Machatschek-Flieher aus Traunstein. (Foto: Giesen)

Die Chiemgauer Künstlerinnen-Gruppe FRAUEN-ART stellt ihre neuen Bilder bis einschließlich Sonntag in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus aus.


Vor 35 Jahren lernten sich die Frauen bei einem Malkurs der Volkshochschule Traunstein bei Rosemarie Ulbricht kennen. Sieben von ihnen blieben seither beisammen, malen regelmäßig miteinander und inspirieren sich gegenseitig. Immer wieder nehmen einzelne von ihnen an Fortbildungen teil, zum Beispiel an der Akademie in Bad Reichenhall und vermitteln das Gelernte dann den anderen. So tritt nie ein Stillstand ein und die jährliche Gemeinschaftsausstellung fand im Laufe der Jahre immer mehr Beachtung. Wegen des begrenzten Raumes konnte jede der sieben Künstlerinnen nur drei oder vier Werke hängen, die alle erst in letzter Zeit entstanden sind.

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»Malen aus dem Bauch heraus«

Rein abstrakte Bilder präsentiert diesmal Ingrid Bauer aus Waging, die höchstens durch ihre Titel wie »Moor« oder »Steinbruch« einen Ansatz zur möglichen Interpretation bieten. Die Künstlerin verwendet hier Acrylfarbe, oft gemischt mit Teer, Marmormehl oder verschiedenen Lacken, sodass reliefartige Strukturen entstehen. Mit spontaner, schwungvoller Pinselführung malt Ingrid Bauer »aus dem Bauch heraus« und gibt dabei ihren Gefühlen oft temperamentvoll, manchmal auch ruhig, meditativ Ausdruck.

Sensibel ausgeführte, harmonische Bilder von Menschen zeigt Ingrid Blüml aus Grassau, zum Beispiel bei dem Acrylbild »Brief«, wo eine im Sessel schlummernde Frau mit einem Brief in der Hand von dessen Inhalt zu träumen scheint. Bei der »Siesta« daneben ruht ein Mädchen hingegossen auf einem Sofa, während sich völlig unbeeindruckt davon zwei Katzen hier ebenfalls breit machen wollen. Das besonders gelungene Bild »Versace« ist dagegen eine Hommage an den gleichnamigen Modeschöpfer, dessen farbenfrohe Mode das Model auf dem Bild mit kessem Hüftschwung präsentiert.

Ihrer Liebe zu den Bergen gibt Gisa Beyreuther eindrucksvoll in ihren erst kürzlich entstandenen Acrylbildern Ausdruck. Alle nennt sie »Meine Berge«, nur unterschieden durch die Farbangaben wie blau, chamoix oder ocker. Gisa Beyreuther versteht es, die Rhythmen und Strukturen der Natur ins Bild zu bringen. Oft ist sie mit dem Skizzenbuch unterwegs und arbeitet zu Hause ihre Eindrücke im Atelier aus. Dabei gibt sie nicht bestimmte Berge naturgetreu wieder, sondern fängt vielmehr die unterschiedlichen atmosphärischen Stimmungen in den Bergen ein.

Malen ohne Pinsel

Eine neue, ungewöhnliche Technik, mit Farbe umzugehen, hat Heidi Machatschek-Flieher bei ihren Bildern in der Alten Wache angewendet: Die farbenprächtigen Bilder sind in Acrylfarbe auf Leinwand ohne Pinsel entstanden. Die Farbe wurde geschüttet, gespritzt, geblasen, laufen gelassen und manchmal mit Kleister als Festiger gemischt. Der Betrachter kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Aber anhand der Titel wie »Herzflimmern«, »Zwergenpaar« oder »Rote Krake« lässt sich bei genauerem Hinsehen so manches Konkrete entdecken und interpretieren.

»Rot ist meine Farbe« sagt Anna Maria Meixner aus Traunstein. In den verschiedensten Rot-Schattierungen, aber auch strahlendem Weiß im Kontrast schillern ihre Impressionen der Dolomiten. Die Künstlerin bezeichnet die Bilder als ihre »Sehnsuchtsbilder«, denn emotional verbindet auch sie ein besonders inniges Verhältnis mit den Bergen. Der lebendige Eindruck der Bergimpressionen entsteht durch den versierten Umgang mit der Farbe. Die Acrylfarbe wird in vielen Schichten, oft mit der Walze oder Spachtel aufgetragen. Dazu kommt Marmormehl, das beim Trocknen eine rissige Struktur erhält, aber auch Kreide, Tusche, Pigmente oder sogar Kaffeepulver.

Die Farben des Herbstes

Die Themen Herbst, Ruhe und Abschied bestimmen heuer die Bilder von Gerti Richter, die in Ruhpolding aufgewachsen ist und heute in Truchtlaching lebt. »Abschied vom Sommer« und Spätherbst« heißen zwei ihrer Bilder mit stetig fallendem Herbstlaub vor einem strahlend blauen Herbsthimmel. Dabei erscheinen die Blätter in sehr verschiedenen Brauntönen, bis sie fast morbide, verwest auf dem Boden liegen. Ganz anders präsentiert sich daneben »Am Schilf« mit seinen großen Schnecken, die nach der Vorstellung der Künstlerin einen Gegenpol zur heutigen schnelllebigen Zeit bilden. Gerti Richters Bilder sind eine »Synthese aus abstrakter und konkreter Malerei«, wie sie erklärt. Aus zunächst spontanen Bildentwürfen entstehen in mehreren Arbeitsschritten meist konkrete Bildwerke, die ihre persönliche Idee zum Ausdruck bringen.

»Kunst bildet nicht ab, sondern macht sichtbar« – dieser Ausspruch von Paul Klee ist der Wahlspruch von Margareta Thiel aus Freilassing. In der Ausstellung zeigt sie anhand von fantastischen Darstellungen des Waldes seine doppelte Bedeutung – sowohl real im Ökosystem spielt er eine wichtige Rolle, aber auch auf anderer Ebene. In der Psychoanalyse ist er zum Beispiel Symbol für das Unbewusste des Menschen. Inspiriert von Shakespeares »Sommernachtstraum« schweben die ätherischen, fast durchsichtigen Wesen im »Feenwald«. Die Künstlerin versteht es hervorragend, die verwunschene, irrationale Ebene hinter dem auf den ersten Blick realen Geschehen auszudrücken.

Eine kompetente Einführung zur Ausstellung gab der Waginger Künstler Elmar Schwarz bei der gut besuchten Vernissage. Er stellte fest, dass jede der Künstlerinnen ihrem individuellen Stil treu geblieben ist. Gemäß dem bekannten Zitat »wenn man es in Worte fassen könnte, gäbe es keinen Grund zu malen«, forderte er die Besucher auf, von den Malerinnen in ihre ganz individuelle Sichtweise der Welt führen zu lassen.

Die Ausstellung in der Alten Wache in Traunstein kann bis einschließlich Sonntag besichtigt werden Öffnungszeiten sind werktags von 12 bis 17 Uhr und am Samstag und Sonntag von 10 bis 15 Uhr. Christiane Giesen