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Ein Wiener im Piefkeland

Wenn jemand im Wiener Dialekt spricht, könnte er mir auch das Telefonbuch vorlesen, so sehr mag ich diese leicht spöttisch-herablassende Sprachmelodie, die zugleich aber auch meist sehr entspannt daherzukommen scheint. So war das Piefke-Bashing des Wiener Kabarettisten Severin Groebner in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS auch leicht auszuhalten. Zumal er als Exil-Wiener seine Heimatstadt im Vergleich auch nicht immer besonders gut wegkommen hat lassen. Ja, er leidet an Wien, wie das wahrscheinlich nur ein Wiener kann, und ist als echter Misanthrop natürlich auch in Deutschland, dem Piefke-Land, auf so manche Unstimmigkeiten schlecht zu sprechen.

»Servus Piefke«: Ein leiwander Abend mit Severin Groebner im NUTS. (Foto: Barbara Heigl)

Und weil seine Thesen meist ins Schwarze trafen, amüsierte sich das Publikum königlich. »Österreich, das ist Weltverachtung und Mehlspeis«, Deutschland ist gleich Fleiß«, resümierte er, und auch das Wiener (!) Schnitzel sei eben typisch Deutsch. Auch die Großereignisse wie die Münchner Wiesn und der Wiener Opernball zeigten doch, so der Kabarettist, wie unterschiedlich die Volkscharaktere doch seien. Das Publikum bekam außerdem von Roland, dem elektronischen Bühnenpartner, so herrliche Wörter wie Schluchtenscheißer, leiwand oder Bappn auf Knopfdruck präzise übersetzt, mit deutscher Effizienz, versteht sich. Zu den Beats, die er hin und wieder seinem Roland entlockte, gab er auch ein paar Gesangseinlagen, die nicht immer so richtig überzeugten, obwohl er eine gute Stimme hat. Irgendwie aber auch so typisch wienerisches geniales Scheitern? Das hätte ein perfektionistischer Deutscher Kabarettist anders durchgezogen? Josef Hader vs. Dieter Nuhr oder Dr. Eckhardt von Hirschhausen; da liegen durchaus Humor-Welten dazwischen.

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Es hat auf alle Fälle viel Spaß gemacht, sich von Severin Groebner Deutschland und Wien erklären zu lassen, sei es politisch, menschlich oder architektonisch. Ein leiwander Abend! Barbara Heigl