weather-image
20°

Ein wahrer Orchesterklang mit einem Akkordeon

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Stefan Fußeder und die beiden Sängerinnen (v. l.) Konstanze Hüttenhofer und Johanna Hüttenhofer-Fußeder im Hefter-Gewölbe in Grassau. (Foto: Giesen)

Dass das landläufig als »Ziach« bekannte Instrument keineswegs nur als Begleitung für Singen in gemütlicher Runde oder für die Volksmusik geeignet ist, bewies der gebürtige Pallinger Stefan Fußeder bei einem Konzert im Hefter-Gewölbe in Grassau. Bei dem Programm »Durch Zeit und Raum – unterwegs mit dem Akkordeon« zeigte er auf einer kleinen Reise durch die Musikgeschichte, angefangen von einem Satz aus Johann Sebastian Bachs »Italienisches Konzert« über Antonio Vivaldis »Winter« aus den »Vier Jahreszeiten« bis zu dem jazzigen »Misty« von Erroll Garner und Kurt Maas, dass das Akkordeon sich für die klassische Musik und ganz andere Stilarten unglaublich gut eignet – vorausgesetzt man beherrscht das Instrument so virtuos wie Stefan Fußeder.


Er verstand es, wahre Orchesterklänge aus dem Instrument zu hervorzuzaubern. Langsame, höchst sensibel gespielte Sätze ebenso wie temperamentvolle, schnelle Passagen begeisterten das Publikum. Fußeder studierte Akkordeon, Trompete, Klavier und Steirische Harmonika am Richard-Strauss-Konservatorium in München und ist seit 2004 Musiklehrer und Dirigent an der Musikschule in Weilheim, außerdem seit 13 Jahren Mitglied im Landesjugend-Akkordeonorchester Bayern.

Anzeige

Im Heftergewölbe mit seiner guten Akustik und schönen Atmosphäre stand nicht nur Instrumentalmusik auf dem Programm, sondern mehrere Arien aus Mozarts »Die Hochzeit des Figaro« und Rossinis »Barbier von Sevilla«. Begleitet vom Akkordeon, sangen die beiden Schwestern Konstanze Hüttenhofer und Johanna Hüttenhofer-Fußeder mit voll ausgebildeten, schönen und variablen Mezzosopran-Stimmen. Das »Briefduett« aus dem »Figaro« wurde nicht nur gesanglich spritzig und charmant dargeboten, sondern auch mimisch gestaltet, ebenso wie das berühmte, witzige »Katzenduett« von Rossini.

Völlig anders geartet war der zweite Teil des Konzerts nach der Pause: Jetzt spielte die bekannte Gruppe »Absolute Folk« aus München Volksmusik aus aller Herren Länder, wobei Stefan Fußeder vom Akkordeon zur Steirischen Harmonika wechselte. Nach einer flotten Polka erklang ein getragener, erdgebundener Walzer in Moll aus Schweden – ferne, ungewohnte Klänge, die sich am Schluss in eine heitere Melodie auflösten.

Die Geigerin des professionellen Quartetts ist die gebürtige Schwedin Anja Spahiu. Nicole Komarek wechselt zwischen Gitarre, Cello und Sopranblockflöte, den Kontrabass spielt Thomas Schaffert, Leiter der Musikschule Planegg bei München, der auch durch das abwechslungsreiche Programm führte. Klänge aus Frankreich und aus dem Balkan wechselten mit Musik, wie sie in englischen Pubs gespielt wird, und auch die traditionelle Klezmermusik aus Israel fehlte nicht. Unüberhörbar (und unübersehbar) für jeden Zuhörer: Hier waren Vollblutmusiker am Werk, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben.

Das Publikum sparte natürlich nicht mit Applaus nach jeder einzelnen Darbietung. Zum Abschluss als Zugabe erklang das wunderschöne »Abends will ich schlafen gehen« aus Engelbert Humperdincks Oper »Hänsel und Gretel« – das Duett gesungen von den Schwestern Hüttenhofer.

Das Konzert war gleichsam eine Einstandsveranstaltung für Stefan Fußeder in Grassau, denn er wird demnächst mit seiner jungen Familie nach Grassau ziehen. So besteht die berechtigte Hoffnung, ihn und seinen »Anhang« bald noch öfter in dieser Region hören zu dürfen. Christiane Giesen