weather-image
28°

Ein uralter Brauch: das Räuchern

Räuchern ist ein uralter Brauch, vor allem zu Heilig Drei König. »Das Ausräuchern von Haus, Hof und Stall war bei uns weit verbreitet«, weiß Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein. Er zeigt nicht nur seine eigene Räucherpfanne her, sondern erklärt auch, was hinter der alten Sitte steckt.

Brauchtumsexperte Siegi Götze aus Marquartstein besitzt selber eine Räucherpfanne. »Dank der Esoterik gibt es die jetzt wieder«, sagt er schmunzelnd. (Foto: Schwaiger)

Zur Jahreswende treibt die »wilde Jagd« ihr Unwesen. Der Geisterzug, so glaubten es die Menschen früher, zieht besonders in der Zeit zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag durch die Lüfte. »Mit dem Räuchern haben die Menschen versucht, die Geister milde zu stimmen«, erklärt Götze.

Anzeige

Er erinnert sich noch gut, wie er als Bub mit einem Weihwasserkessel in der Hand hinter dem Großvater hergegangen war. Der alte Mann vorneweg hatte eine Eisenschaufel bei sich, darauf glühende Kohlen und Weihrauch. Durch jedes Zimmer, ums Haus herum und in den Stall zog die Familie, um Menschen und Vieh zu segnen.

Wer räuchern wollte, so erklärt der Brauchtumsexperte, der tat dies in einer der drei sogenannten Rauchnächte: in der Nacht der Wintersonnenwende, am 21. Dezember, in der Silvesternacht, am 31. Dezember, und in der Nacht auf den Dreikönigstag. »Die Nacht auf den 6. Januar ist eine der großen Rauhnächte, in der das Räuchern besonders gepflegt wird«, weiß Götze.

Apropos Rauhnächte. Da fällt dem Marquartsteiner noch was »besonders Grausiges« ein, wie er sagt. In den Rauhnächten, also den zwölf Nächten nach dem Heiligen Abend, hingen die Menschen früher ihre Wäsche nicht zum Trocknen auf. Denn sie hatten Angst, dass die Geister in sie hineinfahren. »Es hieß, dass derjenige aus der Familie als erster ins Jenseits befördert wird, in dessen Kleidungsstück die Geister hineinfahren.« Die Menschen hätten sich früher erzählt, dass derjenige dann mit den Geistern für alle Zeit unruhig durch die Lüfte ziehen müsse. Daher komme auch ein weiterer Brauch: »Früher schnitten die Holzknechte drei Kreuzzeichen in die gefällten Stämme. Dort konnten die armen Seelen dann Ruhe finden«, so Götze.

Eine weitere »grausige« Geschichte, die die Alten sich erzählten, handelt von Frau Percht, einer Sagengestalt ähnlich der Frau Holle. Am Vorabend des 6. Januar, weiß Götze, habe man den Kindern in und um Traunstein erzählt, dass Frau Perchta komme und ihnen den Bauch aufschneide, wenn sie böse seien und nicht aufräumen würden. »Das hat mir meine Großmutter noch erzählt«, so der Brauchtumskenner. Um Frau Perchta milde zu stimmen, habe man die Krapfen, die es traditionell an diesem Abend gab, in einer Schüssel für sie stehen lassen.

Auch die heute noch üblichen Perchtenläufe gehen auf Frau Perchta zurück. Die vermummten Gestalten zogen damals umher, um die Unheil bringende Sagengestalt zu vertreiben. »Da die Geister, die es zu vertreiben galt, erst in den Rauhnächten kamen, ist es zweifelhaft, dass die Perchtenläufe heutzutage schon in der Adventszeit stattfinden«, erklärt Siegi Götze. san