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Das Präparat des aufgefundenen Luchses »Alus« (r. ) steht im Ausstellungszentrum »Haus der Berge« neben einem vollständigen Skelett eines anderen Tieres. (Foto: Uwe Lein/dpa) Foto: dpa

Ein Skelett als mahnendes Beispiel gegen Wilderei – Präparat von Luchs »Alus« jetzt im »Haus der Berge«

Berchtesgaden – Ohne Kopf und ohne Pfoten war der Luchs »Alus« vor knapp fünf Jahren bei Bad Reichenhall entdeckt worden: Er fiel Wilderern zum Opfer  – wie viele seiner Artgenossen. Nun haben Wissenschaftler das Skelett aus Originalknochen rekonstruiert. Der Öffentlichkeit werde das wertvolle Präparat nun unregelmäßig etwa bei Bildungsveranstaltungen im »Haus der Berge« in Berchtesgaden gezeigt, sagte Leiter Ulrich Brendel.


Eine Dauerausstellung sei nicht geplant. »Es ist sehr aufwendig, das Präparat zu schützen«, sagte Brendel. »Es geht uns auch darum, für das Thema Wilderei zu sensibilisieren. Wir hoffen, dass wir mit der drastischen Darstellung ein Nachdenken bewirken können«, erläuterte der Biologe weiter.

Der Luchs namens »Alus« stammte aus der Schweiz. Er war 2014 im Alter von etwa fünf Jahre gefangen, besendert und im Nordosten Italiens ausgesetzt worden. »Von dort hat er sich auf Wanderschaft begeben, möglicherweise hat er ein Weibchen gesucht«, sagte Brendel. Der Sender ging auf der Reise verloren. 2015 löste »Alus« eine Fotofalle im Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich aus. Anhand der Fellzeichnung sei er eindeutig identifiziert worden. Wenig später tauchte er im Landkreis Berchtesgadener Land auf. Das letzte Foto von ihm stammt aus dem Mai 2017.

Dann wurde er tot und übel zugerichtet am Saalachsee bei Bad Reichenhall entdeckt. Ein Bagger hatte den Kadaver bei Kiesarbeiten freigelegt. Experten wiesen darin Geschoßteile nach. Einer forensischen Untersuchung zufolge wurde der Luchs mit einem Schuss in die Brust erlegt, wie Brendel sagte. Wer Alus derart zugerichtet hat und was sein Motiv war, ist bis heute ungeklärt. Auf Hinweise war 2017 eine Belohnung von 15 000 Euro ausgelobt worden, ohne Erfolg.

Seit Jahren sind in einigen Regionen Bayerns, vor allem im Bayerischen Wald, Luchse wieder heimisch. Jedoch nicht zur Freude aller: Immer wieder werden die Wildkatzen gewildert. Dabei reißen Luchse anders als Wölfe laut Brendel nur in Ausnahmefällen Nutztiere. Eine häufige Todesursache ist wie bei Wölfen auch der Verkehrsunfall.

Heimische Luchse erreichen nach Angaben des Landesamtes für Umwelt etwa die Größe von Schäferhunden, sie sind dabei allerdings mit 17 bis 26 Kilogramm Gewicht deutlich leichter. Sie stehen laut dem Amt in Deutschland auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten und in Bayern gelten sie als vom Aussterben bedroht.

dpa