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Ein Schädelbruch zum neuen Jahr

Berchtesgaden/Laufen – Das Jahr 2013 war erst wenige Minuten alt, als der 46-jährige Berchtesgadener mit der Faust zuschlug. Seine 37-jährige Ehefrau krachte an die Schrankwand und erlitt dabei einen Schädelbruch. Weil sich der vielfach vorbestrafte Maurer nach Ansicht des Gerichts glaubhaft von seiner Alkoholabhängigkeit befreit, und seine Gattin ihm inzwischen verziehen hat, kam er mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe davon.

Rumgebrüllt habe der Angeklagte, berichtete eine 22-jährige Arbeitskollegin der Frau, die zu Gast gewesen war bei der kleinen privaten Silvesterfeier, als »Schlampe« habe er seine Ehefrau beschimpft. Die hatte daraufhin ihrerseits den Gatten aufgefordert, sie zu schlagen, damit die Gäste sähen, wie er sie die letzten Jahre behandelt habe.

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Und das tat der Maurer dann auch. Die Folge: ein Schädelbruch. Vier Tage musste die Verkäuferin stationär behandelt werden. Einer der Gäste hatte anschließend die Polizei gerufen. An Details könne er sich nicht mehr erinnern, erklärte der Angeklagte, räumte den Schlag aber ein. »Ich habe nach dem Vorfall die Notbremse gezogen«, schilderte er; schon am 2. Januar hatte er sich in eine Klinik begeben und hatte anschließend eine sechsmonatige Therapie absolviert.

»Unser Ziel ist eine Geldstrafe«, räumte Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Markus Frank freimütig ein. »Wenn’s nach mir geht, können Sie das vergessen«, erwiderte Staatsanwalt Ingo Handlanger unmissverständlich. »Noch wissen wir nichts über den Tathergang«, bedauerte Handlanger, denn auch die Arbeitskollegin hatte den Schlag nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern nur gehört. »Ob nicht vielleicht doch die Ehefrau den Hergang schildern möchte?« Die aber blieb weiterhin stumm.

Der Staatsanwalt gab sich schließlich damit zufrieden, dass der Mann den Schlag uneingeschränkt einräumte. Körperverletzung findet sich bislang nur einmal in der umfangreichen Strafliste des Maurers, die insgesamt 16 Einträge aufweist, von Betrug bis Nötigung, von Fahren ohne Versicherung bis zum Entfernen vom Unfallort, von Unterschlagung bis zur Verletzung der Unterhaltspflicht. Und schließlich 2010 gewerbsmäßiger Betrug. Zum Zeitpunkt dieses Faustschlages stand der Mann unter zweifach offener Bewährung.

Eine solche wollte ihm Handlanger auch diesmal gerade noch zugestehen, und zwar deshalb, weil der Mann sich in professionelle Hände begeben habe. Sechs Monate Freiheitsstrafe erschienen dem Staatsanwalt angemessen, die Bewährungszeit sollte mit vier Jahren vergleichsweise lang ausfallen.

Richter Dr. Christian Liegl schloss sich in seinem Urteil dem Staatsanwalt an, auch an die Forderung nach einem hauptamtlichen Bewährungshelfer. Von dessen Sachstandsberichten werde es abhängen, ob es zu weiteren Auflagen komme, erklärte Liegl.

Von der Ehefrau gab es noch im Gerichtssaal einen langen Kuss für ihren Gemahl. Hannes Höfer