weather-image

Ein sängerisches Urgestein geht in den Ruhestand

Ruhpolding. Nach 59 Jahren Zugehörigkeit zum Kirchenchor St. Georg wurde Sepp Wolfgruber im Rahmen der Adventsfeier im Pfarrzentrum offiziell verabschiedet. Angesichts dieser enormen ehrenamtlichen Leistung schwangen Respekt und Hochachtung in den Reden von Pfarrer Otto Stangl und Chorsprecher Georg Meurers mit, die dieses außergewöhnliche Engagement entsprechend zu würdigen wussten.

Pfarrer Otto Stangl (rechts) bedankte sich im Namen der Pfarrgemeinde bei Sepp Wolfgruber für dessen jahrzehntelangen Einsatz im Kirchenchor St. Georg. (Foto: Schick)

Eine kunstvolle Urkunde, ein Bild der Ruhpoldinger Madonna, ein Fotobuch und weitere Geschenke unterstrichen den Dank der Pfarrgemeinde. Der heute 84-jährige Bassist zählte über den langen Zeitraum hinweg bis zuletzt immer zu den zuverlässigsten Mitgliedern, die nicht nur stimmlich ihren Mann stehen, sondern auch praktisch mit anpacken.

Anzeige

Sepp Wolfgruber schloss sich 1955 der Singgemeinschaft unter dem damaligen Kooperator Viktor Ley an und »verschliss«, wie er spitzbübisch meinte, insgesamt acht Dirigenten: neben Ley waren es noch Josef Stummer, Ignaz Weh, Karl Renner, Hermine und Ignaz Buchner, Hans-Karl Dittrich und aktuell Richard Krekel.

Jeder Wechsel brachte zwangsläufig auch Veränderungen im Repertoire mit sich, und so musste er sich auf die jeweilige musikalische »Handschrift« einstellen, was für einen Hobbysänger natürlich immer wieder eine Herausforderung darstellt. Seiner Verbundenheit und Leidenschaft zur Kirchenmusik tat dies aber keinen Abbruch, und so war Wolfgruber mit seiner sonoren Bassstimme bei unzähligen Messen, Gottesdienstgestaltungen, Hochfesten, Hochzeiten und anderen Gelegenheiten zur Stelle.

Besonders gelegen war ihm auch daran, dass jeder verstorbene Mitbürger, egal welchen Standes, eine würdige Requiemgestaltung bekam. An Werktagen unterbrach er dafür sogar die Arbeit bei der Stromversorgung und holte die Stunde dann kurzerhand wieder nach. Die Sonderregelung hatte er im guten Einvernehmen mit seinem Arbeitgeber vereinbart.

An die 1500 Beerdigungs-Einsätze werden es gewesen sein, die der Sepp auf die Schnelle den Kirchberg hinaufgeschnauft ist. Auf die Frage, warum er den »60er« nicht ganz vollgemacht habe, meinte Sepp Wolfgruber scherzhaft, er hätte sonst noch eine Urkunde aufhängen müssen. Und, fügte er hinzu, im übrigen habe sich Papst Benedikt ja auch vorzeitig ausgeklinkt… ls