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Auch als neuer Direktor der Schnitzschule Berchtesgaden unterrichtet Rochus Sebold die Schülerinnen und Schüler in der Schreinerklasse noch selbst. Allerdings ist die Zahl der Unterrichtsstunden weniger geworden. (Foto: Ulli Kastner)

Ein Ramsauer steht jetzt an der Spitze der Schnitzschule

Berchtesgaden – Eigentlich wollte er Mathematik, Physik oder Maschinenbau studieren – doch dann kam alles anders. Rochus Sebold lernte an der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei (Schnitzschule) den Beruf des Schreiners, baute unter anderem Orgelgehäuse, Orgelpfeifen und Treppen und arbeitete später – zuerst in Teilzeit und dann in Vollzeit – an der Schnitzschule als Lehrer. Und vor wenigen Wochen übernahm der 59-jährige Ramsauer nun zusätzliche Verantwortung. Der Landkreis Berchtesgadener Land beförderte ihn als Nachfolger von Norbert Däuber zum Schuldirektor.


Dass Rochus Sebold das Handwerk dem Studium vorzog, hat er eigentlich seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau zu verdanken. Die in Berchtesgaden bekannte Künstlerin Elisabeth Sebold (geborene Hasenknopf) ließ sich an der Schnitzschule zur Bildhauerin ausbilden und stammt außerdem aus einer Handwerkerfamilie. So schlug Rochus Sebold nach dem Abitur einen ähnlichen Weg ein und hat es nach eigenen Worten »nie bereut«.

Die nächsten Jahre als Schreiner verliefen – teilweise als Angestellter, teilweise als Selbstständiger – auch durchaus erfolgreich. Der Ramsauer baute schwerpunktmäßig Orgelgehäuse, Orgelpfeifen und Treppen. So schuf er unter anderem das Gehäuse für die berühmte Bachorgel in der Leipziger Thomaskirche und für Orgelbaumeister Gerald Woehl aus Marburg baute Sebold das Gehäuse für die neue Orgel in der nach dem Brand wieder komplett neu gebauten Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen. Und am Bau der »fliegenden Orgel« von Alpirsbach im Schwarzwald, die auf Luftkissen durch das Kirchenschiff schwebt, war der Ramsauer ebenfalls beteiligt. Zwischendrin besuchte Rochus Sebold noch die Meisterschule in Garmisch-Partenkirchen.

Seit 2003 Lehrer an der Schnitzschule

Seit dem Jahr 2003 gab der Ramsauer sein Wissen in Teilzeit als Lehrer an der Schnitzschule an die angehenden Schreiner weiter. »Das waren lange Arbeitstage. Morgens und abends in der Werkstatt und tagsüber an der Schule«, erinnert sich der heute 59-Jährige.Und so fasste er im Jahr 2015 den Entschluss, seine Werkstatt aufzugeben und in Vollzeit als Lehrer zu arbeiten. »Den gesamten Maschinenpark habe ich an einen früheren Schüler verkauft«, erzählt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

An der Schnitzschule wechseln sich Praxis und Theorie ab. Zurzeit des »Anzeiger«-Besuchs kreieren die zwölf angehenden Schreinerinnen und Schreiner gerade ihre künftigen Werkstücke mit einem CAD-Programm am Computer. Geduldig erklärt ihnen Rochus Sebold die verschiedenen Möglichkeiten. Entworfen und gebaut werden an der Schnitzschule vor allem hochwertige Möbel, aber gelegentlich auch Treppen und Türen. Die jungen Leute – zum allergrößten Teil Abiturienten – lernen vor allem auch, wie man die Werkstücke entwirft, zeichnet und schließlich gestaltet. »Da ist unsere Schule schon stark«, weiß Rochus Sebold.

Mit den Schülern »per Du«

»Der Kontakt zu meinen Schülerinnen und Schülern war mir immer sehr wichtig«, betont Rochus Sebold. Das soll nach seinem Wunsch auch in seiner neuen Funktion als Schulleiter so bleiben. Allerdings wird er seine Schützlinge nun nicht mehr ganz so oft sehen, weil sich die reine Unterrichtszeit von bislang 27 Stunden auf nunmehr 15 Stunden verkürzte. Trotzdem will er im Umgang mit den Schülern auch als Schulleiter beim gegenseitigen »Du« bleiben. »Jeder Lehrer handhabt das anders«, sagt Rochus Sebold. Aber der Ramsauer trifft seine Schüler immer mal wieder auch in der Freizeit, um gemeinsam etwas zu unternehmen. »Viele sind ja nicht von hier. Und ich will ihnen die Schönheiten unseres Berchtesgadener Landes schon gerne zeigen«, sagt er. Da geht man mal auf den Berg, zum Skifahren, zum Schlittenfahren oder in die Kletterhalle. »Und da passt das Sie dann einfach nicht«, sagt der 59-Jährige.

Und weil er seit der Aufgabe seiner Selbstständigkeit wieder mehr Zeit hat, geht Rochus Sebold auch selbst gerne in die Berge. Ein exzellenter Skifahrer war er schon immer, aber das Tourengehen hat er erst mit 50 Jahren für sich entdeckt. Wobei er hier meist die extreme Variante wählt, denn Rochus Sebold liebt das Steilwandfahren. Immer wieder bricht er mit seinen verschiedenen Berchtesgadener Spezln auf, um bis zu 55 Grad steile Wände und Rinnen mit Skiern zu befahren. Auf seiner Tourenliste stehen so bekannte Extremklassiker wie die Punta Penia Nordwand (Marmolada), die Mönch-Ostwand, die Presanella-Nordwand oder Abfahrten von der Jungfrau und dem Aletschhorn von knapp unterhalb des Gipfels.

»Wir sind top ausgestattet«

Da kann er dann wieder Kraft schöpfen für die Herausforderungen im Berufsalltag. Die werden als Chef der Schnitzschule sicherlich nicht weniger werden. Allerdings ist der 59-Jährige mit den aktuellen Arbeitsbedingungen in dem Gebäude-Ensemble an der Bergwerkstraße sehr zufrieden. Dabei sollen ja insgesamt 16,9 Millionen Euro in eine Sanierung fließen. Im aktuellen Haushaltsplan des Landkreises Berchtesgadener Land ist diese Summe auch enthalten, wenngleich über einen Baubeginn noch nichts bekannt ist. Immerhin sind seit dem letzten Umbau fast 40 Jahre vergangen. Den gab es 1985, als Hans Richter noch Schulleiter war. Dennoch will Rochus Sebold nicht klagen: »Unsere 76 Schüler und die 13 Lehrer haben hier gute Arbeitsbedingungen, wir sind top ausgestattet«.

Ulli Kastner