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Ein packendes Hörerlebnis

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Maria Ehmer (von links), Anna Knopp, Milan Milojicic und Leonhard Roczek begeisterten das Publikum mit unbändiger Spielfreude. (Foto: Mikosch)

Mit dem Minetti Streichquartett ist es dem Leiter der Waginger Musiktage, Michael Müller, gelungen, ein Ensemble nach Waging zu holen, das seit seiner Gründung im Jahr 2003 durch seine virtuose Technik und Ausdruckskraft, gepaart mit begeisternder Spielfreude, inzwischen nicht nur zu den Spitzenensembles Österreichs zählt, sondern das oben in der Weltklasse angekommen ist.


Ihr Konzert begannen die vier Musiker – die beiden zarten Geigerinnen Maria Ehmer (1. Violine) und Anna Knopp (2. Violine) in ihren pastelligen Abendkleidern sowie ganz in Schwarz Milan Milojicic (Viola) und Leonhard Roczek (Violoncello) – mit dem Streichquartett in C-Dur, op. 33/3, Hob. III:39, von Joseph Haydn (1732 bis 1809). »Vogelquartett« wird es auch genannt, begann es doch über pochenden C-Dur-Dreiklängen gleich mit einem sich häufig wiederholenden Vogelruf der 1. Geige – mit wunderschönem Strich. Nun gestalteten alle vier Instrumente gemeinsam eine beschwingte Tonmalerei.

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Mit dunklerem Beginn der tiefen Instrumente fing der nächste Satz in langsamem Dreiertakt an, mit feinen Umspielungen der 1. Geige zu den wohltuenden, warmen Klängen der Bratsche. Die Lust am Musizieren war allen vier Musikern anzusehen.

In Dmitri Schostakowitschs (1906 bis 1975) Streichquartett Nr. 7 in fis-Moll op. 108. musste sich das Publikum nach Haydns Klassik erst einhören, aber dann nahm die Musik unweigerlich gefangen, mit der Schostakowitsch hier dem frühen Tod seiner Frau nachspürt. All seine widersprüchlichen Gefühle schienen anzuklingen: schöne Erinnerungen und dumpfe Trauer, das Aufbäumen gegen das Unausweichliche, der pochende Schmerz und die Klage inmitten all dieser Zerrissenheit. Mit beeindruckender Intensität spürte jeder der vier Musiker diesen Gefühlen nach, wühlte auf und fesselte das Publikum durch eine musikalische Reife, die es bis zum letzten Ton nicht mehr losließ – die Zuhörer honorierten das packende Hörerlebnis mit begeistertem Applaus.

Die vier »Minettis« verstanden es auch beim Streichquartett Es-Dur op. 51 von Antonin Dvorak (1841 bis 1904) meisterhaft, die Zuhörer vom ersten Ton an einzufangen. Besonders im zweiten Satz, als über dem Pizzicato des Violoncellos das melancholische Thema der Violine klang, wurden die Konzertbesucher mitgenommen in dieses böhmische Flair zwischen Melancholie, Frohsinn und Rhythmus, später auch wieder in der »Romanza«, in der schlichte Melodien so viel Gefühl auszudrücken vermochten. Kunstvoll ließen die vier jungen Musiker ein Spektrum an Klangfarben entstehen, korrespondierten feinfühlig untereinander und entführten ihr Publikum zum Schluss in eine Heimat Dvoraks voller Lebenslust und Freude: Ein Genuss, der mit großem Applaus belohnt wurde!

In ihrer Zugabe, dem letzten Satz von Ludwig van Beethovens Streichquartett Nr. 2, op. 18, zog das scheinbar nimmermüde Quartett nochmals sämtliche Register seiner beeindruckenden Musizierkunst und entließ ein sichtbar glückliches Publikum. Helga Mikosch