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Ein musikalischer Griff nach den Sternen

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Die Schülerinnen und Schüler der städtischen Musikschule fügten sich fabelhaft zu den Profis.

Mit einem Paukenschlag begann die festliche Intrada sozusagen als Jubiläumsfanfare mit dem Auftragswerk der Bad Reichenhaller Philharmoniker.


Claas Krause, Komponist, Musiker, Produzent und Studierender an der Münchner Hochschule für Musik und Theater, schrieb den musikalischen Auftakt mit dem Titel »A magnitude of Oceans and Stars and Gore«. Ein Griff nach den Sternen, inspiriert aus Lauten und Eindrücken aus der Natur. Michael Konstantin aus der Dirigierklasse der Hochschule für Musik Nürnberg, der an diesem Tag auch seinen eigenen Geburtstag feierte, dirigierte das fantasievolle Stück wendig und konzentriert.

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Die tiefen Streicher machten den Anfang, ein Violinsolo leitete zum Einsatz der Violinen über im Wechsel wieder mit den variierenden tiefen Streichern. Dann mischten auch Schlagwerk und Bläser tüchtig auf zu opulenter Klangüppigkeit, unterbrochen nur von zarten Harfenwellen im Anlauf auf eine Reihe abschließender sieghafter Akkorde. Das Orchester gab damit einen überzeugenden Beweis für seine Fähigkeiten im Umgang mit zeitgenössischer Musik. Die gesamte musikalische Programmzusammenstellung war recht fantasievoll ausgerichtet und zeigte die ganze Bandbreite der Bad Reichenhaller Philharmoniker.

Den Hydropathenwalzer hatte Orchestergründer Josef Gung’l speziell im Hinblick auf Kur- und Wasseranwendungen zum Heilerfolg der damaligen Kurgäste geschrieben. Christian Simonis ließ wohlig wiegende Walzerwellen den heutigen Zuhörern zur entspannenden Erbauung werden. Leonard Bernsteins 1980 zur 100-Jahr-Feier des Boston Symphony Orchestra entstandenes Divertimento passte mit entsprechendem Charakter auch zum Reichenhaller Jubiläum.

Da war alles drin, um jeden einzelnen der Musiker zu fordern, aber auch brillieren zu lassen, vom Schlagwerk bis zur Pauke, zu den Bläsern, mit Solocello und Violinsolo, hohen und tiefen Streichern, die sich die Themenbälle zuwarfen. Die Harfe traf sich mit Solooboe und die Holz- und Blechbläser führten ein delikates Tänzchen auf. Auch im Walzerrhythmus konnten sie schwelgen und jazzige Rhythmik fehlte ebensowenig. Posaunen machten auf sich aufmerksam, auch die Flöten wurden vorwitzig. Alles mündete schließlich in den flotten Marsch »BSO Forever«, was natürlich hier übersetzt heißen musste »Bad Reichenhaller Philharmoniker für immer«.

Recht unterhaltsam und sogar Ohrwurm-verdächtig war Benjamin Brittens kurzer Marsch aus »Soirées musicales«, pfiffig mit Pikkolo, Pauke und Schlagwerk »garniert«. Dann kam die Jugend zum Zug bei Leopold Mozarts Menuett aus der Kindersinfonie. Die Schülerinnen und Schüler der städtischen Musikschule nahmen die ersten Pulte ein und fügten sich fabelhaft zu den Profis.

Zum musikalischen Höhepunkt zu Ludwig van Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester fanden sich der Kirchenchor St. Nikolaus und der Motettenchor der Evangelischen Stadtkirche ein sowie als Solist der Pianist Oliver Triendl. Als junger Musiker vor etwa 30 Jahren hatte Triendl erstmals die Gelegenheit, mit einem Orchester zu musizieren, nämlich bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern. Beethovens Chorfantasie ist ein ungewöhnliches Musikstück, eine Mischung aus Klavierkonzert und Chorwerk. Christian Simonis führte den großen Klangapparat souverän und mit viel enthusiastischem Einsatz, das Orchester folgte minutiös. Der Pianist stieg kraftvoll ein, gestaltete das einleitende Fantasiethema mit perlenden Läufen.

Zuerst folgten die tiefen Streicher als Themeninspiration. Das Klavier formte melodische Linien und ging dann im variierten Thema in den Wechselgesang mit dem Orchester, mal stärker hervortretend, dann wieder in mehr zurückhaltender Begleitfunktion. Auch dem Chor war das Klavier sozusagen der Vorreiter. Das Thema »Freude, schöner Götterfunken« klang an, auf die neunte Sinfonie hinweisend. Die Flöte variierte im Wechsel zu den Klavierakkorden und der Pianist brillierte mit virtuosen Trillerketten. Großer Applaus für eine eindringliche Wiedergabe. Elisabeth Aumiller