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Ein Mann, ein Mikrofon, eine Gitarre

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Ed Sheeran hat die Münchner Olympiahalle im Griff wie einst Robbie Williams. Dazu genügen ihm aber seine Stimme und seine Gitarre. (Foto: Kewitsch)

Normal ist das nicht. Normal ist, wenn die Boxen sich turmhoch stapeln und kilowattweise zum Soundcheck bereitstehen. Normal ist, wenn eine Band mit allem Brimborium, gefühlt 20 Gitarren und unzähligen Mikros anreist und hoffentlich auch einen guten Namen hat, um zum Beispiel einen so berühmten Ort wie die Olympiahalle komplett zu füllen. Vier bis fünf Bandmitglieder, viele Trommeln, Instrumente und womöglich noch ein paar Hochglanzdamen für den Backgroundchor. Das wäre normal.


Und das war jüngst bei der Olympiahalle zu sehen: Vor dem Haupteingang eine Fanschar, wie sie sonst nur selten zu sehen ist. Ed Sheeran spielt. Wer? Ed Sheeran, der 23-jährige Songwriter aus England. Die Olympiahalle ist ausverkauft. 12 000 Fans werden ein Kreischkonzert zwischen den Songs zum Besten geben. Im Oval der Olympiahalle sucht man vergebens die eingangs erwähnten Boxentürme und Instrumentenaufbauten. Die Bühne ist schwarz und nackt. Splitternackt. Ein einsamer Mikrofonständer wartet auf seinen Einsatz.

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Als Ed Sheeran auf der Bühne erscheint, fühlt man sich kurz an die Begeisterung eines Beatles-Konzertes erinnert. Mit dem ersten Song (»I´m a mess«) ist die gesamte Halle auf Kurs, der sympathische Rotschopf hat seine Gitarre im Anschlag, vor dem Monitor ist sein »loop pedal« versteckt, mit dem er später ein wenig Rhythmus hinzuzaubern wird. Ed Sheeran mutiert damit zu einer vielschichtigen Multi-One-Man-Show. Das Publikum ist begeistert. Schwarze Bühne, ein Sänger und 12 000 Fans mit ihm.

Auch der Song »Lego House« sitzt textsicher bei gefühlt 10 000 vorwiegend weiblichen und jüngeren Gästen. Die fehlenden 2000 kommen kurz darauf und spätestens bei dem berühmten »One« hinzu. Über diese Show zu berichten, ist überschaubar schwierig, weil diese Show statisch ist. Ed Sheeran, der sanfte Bube, grinst schelmisch, singt, spielt, ist ganz bei sich. Und trotzdem ist es ein tolles Konzert, ein bunter Strauß an Vielfalt. Der Musikstil wechselt von verträumten Balladen zu mitreißenden R&B-Sequenzen und nimmt auch Anleihen beim Rap, da passt eigentlich nichts in eine einzige Schublade. Aber das ist keine Kritik, sondern als Lob gedacht. Er erreicht sie alle. In der vordersten Reihe stapeln sich die Plakate vom Stil »I wanna kiss you«, dahinter werfen die weiblichen Fans ihrem Idol schmachtende Blicke zu.

Ed Sheerans Zugabe ist dann ebenso bescheiden wie er selbst und nach »You need me, I dont need you« wird schließlich noch der aktuelle Hit »Sing« abgefeuert und die schwarze Bühne steht nach 90 Minuten so verlassen da wie zu Beginn des Abends. Ed Sheeran hat die Olympiahalle im Griff wie einst Robbie Williams, bloß, dass er keinerlei Aufwand dafür betreibt. Er ist einfach nur da und singt. Das ist nicht normal, aber das ist schön, zu sehen, zu hören, zu erleben. Udo Kewitsch