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Beste Unterhaltung mit der Krimi-Komödie »Der Pantoffel-Panther« im k1

Ein kleiner Mord unter Freunden

Eine Paraderolle für den Schauspieler und Kabarettisten Jochen Busse ist der Part des glücklosen Kleinunternehmers Hasso Krause in der Krimi-Komödie »Der Pantoffel-Panther«, die im nur mäßig besetzten Saal des Traunreuter k1 aufgeführt wurde.

Der Mafioso Luigi (Marko Pustisek, von links) macht Hasso Krause (Jochen Busse) ein Angebot, das dieser nicht ablehnen kann – schließlich weiß seine Frau »Röschen« (Billie Zöckler) nicht, dass er pleite ist. (Foto: Heel)

Schon sein erster Auftritt ist ein Brüller: Da stolpert er, bekleidet mit einem goldbraunen Hühnerkostüm zu knallroten Strumpfhosen, auf die Bühne, denn die Tasche mit seinen Kleidern ist weg. Darum die Maskerade und das hektische Bemühen, sich umzuziehen, bevor ihn das »Röschen« (Billie Zöckler), seine reizende Gattin, in dieser Aufmachung erblickt.

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Die hat nämlich keine Ahnung, was er so treibt und weiß nicht, dass seine Importfirma für edle italienische Lederpantoffeln bereits vor Jahren pleitegegangen ist – und, dass er sich, um wieder auf die Beine zu kommen, von den Banken dubiose Anlagemodelle hat aufschwatzen lassen, die ihn endgültig ruiniert haben. Nun hat er 500 000 Euro Schulden, ihm droht die Zwangsräumung seiner Wohnung und wegen Insolvenzverschleppung sogar der Knast.

Bescheid über seine Misere (und seinen skurrilen Job als Werbeträger für einen Hähnchengrill) weiß nur sein Freund Rüdiger (Andreas Windhuis), ein reichlich konfuser Psychotherapeut mit Mutter-Komplex, der nebenan wohnt und ihn auch finanziell unterstützt und ihm ständig rät, »Röschen« gegenüber endlich mit offenen Karten zu spielen. Die träumt nämlich von einem Leben in Luxus, sobald ihr Mann im Ruhestand ist, von kostspieligen Kreuzfahrten und Ferien unter Palmen. Entsprechend beglückt begutachtet sie die Auswahl an Stoffen, die ihr der Raumausstatter zwecks neuer Einrichtung vorlegt. Mauve? Oder doch lieber japanisch Umbra?

In dieser für Hasso fast aussichtslosen Situation steht plötzlich der Mafioso Luigi (Marko Pustisek) vor ihm und bietet ihm einen bestens bezahlten Job an: Zwei Millionen Euro soll Hasso kassieren, wenn er dafür für Luigi einen gefährlichen Mafiaboss – »das Mammut« – um die Ecke bringt. Was Luigi nicht ahnt: Er hat an der falschen Tür geklingelt und hält Hasso deswegen für den berüchtigten Panther, einen legendären Auftragskiller. Und da Hasso es nicht wagt, Luigi über dessen Irrtum aufzuklären, nehmen die Verwicklungen unaufhaltsam ihren Verlauf. Schließlich wäre Hasso auf einen Schlag alle seine Sorgen los, sollte er den Job übernehmen.

Das Stück ist der vierte Schwank, den Lars Albaum und Dietmar Jacobs dem mittlerweile 76-jährigen Boulevardtheater-Liebling auf den Leib geschrieben haben. Gemeinsam erfand das Trio dabei eine besondere Form: Immer wieder schlüpft der Schauspieler kurz aus seiner Rolle und wendet sich ans Publikum, das eine recht durchsichtig angelegte Pointe schon mal vorher errät, und »schimpft« von der Bühne: »Es ist schwer genug, mit 76  Jahren den Text in den Kopf zu kriegen. Dann will ich ihn jetzt nicht vorgesagt bekommen.«

Aber nicht nur bei Text und Pointen ist das Stück ein reines Vergnügen. Geradezu umwerfend ist es, wie Jochen Busse die Rolle des Killers einübt, mit schlurfendem Gang und aufgeblasenen Backen à la Marlon Brando in »Der Pate«. Perfekt unterstützt wird er dabei von Marko Pustisek, der ebenfalls einen Mafioso wie aus dem Bilderbuch gibt. Eine feine Pointe, was Rüdigers Mutter-Komplex betrifft, rundet das wahnwitzige Spiel ab, bei dem außerdem Raphael Grosch als Raumausstatter und Mia Geese als Hassos Arbeitskollegin mitwirken. Wolfgang Schweiger