»Ein Betrüger wie aus dem Bilderbuch« – 64-Jähriger zu Freiheitsstrafe verurteilt

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Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Einen »Betrüger wie aus dem Bilderbuch«, so der Staatsanwalt, verurteilte die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune am Montag wegen mehrerer Betrugsdelikte zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und elf Monaten. Darin einbezogen ist ein Urteil des Landgerichts Stuttgart. Der 64-jährige Stuttgarter mit 15 Vorstrafen hatte sich im Landkreis Rosenheim und im Raum München teure Autos und Motorräder ergaunert und war dann mit ihnen auf »Probefahrten« gegangen.


Der Angeklagte hatte in dem Prozess alle Taten gestanden. Obwohl er seit 2007 keine Fahrerlaubnis mehr hatte, unternahm er mit den betrügerisch erlangten Wagen und Krafträdern »Probefahrten«. Tatorte waren 2019 und 2020 Gräfelfing, Schechen, Ismaning und mehrmals München. Teure Markenmotorräder und wertvolle Autos wie ein Jaguar für 89.900 Euro und ein Pkw Range Rover für 56.900 Euro standen bei dieser Tatserie, die im Muster früheren glich, im Vordergrund. Die Firmen erhielten die Fahrzeuge überwiegend zurück. Nur ein Krad verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Ein solches Ausmaß an Betrügereien habe er beruflich noch nie kennengelernt, eröffnete Staatsanwalt Chris-Dominik Kempel sein Plädoyer auf fünf Jahre und drei Monate Haft. Das Motiv der Taten sei offen geblieben. Für den 64-Jährige zu berücksichtigen seien sein Geständnis und zwei, wenn auch auf Druck zurückgegebene Fahrzeuge. Strafschärfend wirkten die Vorstrafen, die erhebliche Hafterfahrung, das semi-professionelle Vorgehen. Der Angeklagte verstehe es, »sich chic zu kleiden und einen guten Eindruck zu erwecken«.

»Irgendetwas stimmt nicht mit dem Angeklagten. Es ist Zeit, dass er sich Gedanken macht über sein trostloses Leben«, meinte Verteidiger Tobias Maximilian Voggel aus Stuttgart. Für einen Kriminellen sei der 64-Jährige in fortgeschrittenem Alter und werde wohl ruhiger werden. Vier Jahre drei Monate Freiheitsstrafe seien ausreichend.

»Ich hätte mehr aus meinem Leben machen können«, unterstrich der Angeklagte im »letzten Wort«. Ihm sei bewusst: »Es war Schwachsinn, was ich gemacht habe.« Er habe keine Arbeit bekommen und Schulden gehabt. Der 64-Jährige zeigte Reue und kündigte an: »Ich spreche Japanisch, Koreanisch und fast perfekt Englisch. Ich habe jetzt die Chance, in der Justizvollzugsanstalt Freiburg Psychologie oder Medienwissenschaften zu studieren.«

Im Urteil wegen mehrfachem gewerbsmäßigen Betrugs, Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis konstatierte Vorsitzende Richterin Christina Braune, der Angeklagte habe durch die Betrügereien schnell an Geld gelangen wollen. Er habe zum Beispiel Kaufverträge abgeschlossen – in Kenntnis, dass er nicht zahlen konnte und wollte. Die Fahrzeuge habe er zunächst »nutzen und im Idealfall für sich verwerten wollen«.

Das Geständnis des 64-Jährigen habe eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart und zu einem wesentlichen Strafrabatt geführt. Die Vorstrafenliste sei »äußerst eindrucksvoll«: »Der Angeklagte befindet sich seit Jahrzehnten fast pausenlos in Haft.« Mit Zustimmung des Staatsanwalts wurde das Urteil am Montag rechtskräftig.

kd