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Ein Adventsabend voll Musik und Kulinarik

Schönau am Königssee - In der Stille des nächtlichen Königssees gleitet das dunkle Schiff auf leichten Wellen dahin. Feine Flocken fallen. Auf einmal taucht, in goldenes Licht gehüllt, die Wallfahrtskirche auf. Den Weg vom Bootssteg zum Kirchenportal erleuchten Fackeln. Vor einem schneebedeckten Christbaum spielen Bläser. Stimmungsvoll begann die erste Fahrt zur »Heilige-Nacht-Lesung« in St. Bartholomä, die erstmals als Benefizveranstaltung zugunsten des Vereins »Freunde der Kreisklinik Berchtesgaden« organisiert war.

Der »Auzinger Zwoagsang« begeisterte mit perfekt harmonierenden, klaren Stimmen.

Bereits seit 20 Jahre liest Hans Stanggassinger alljährlich viele Male, zum Teil zwei Mal täglich, die beliebte Weihnachtsgeschichte von Ludwig Thoma. Wechselnde Musik- und Gesangsgruppen untermalen die Lesung. Heuer sind es fast 3 000 Teilnehmer, die in 18 Fahrten dieses besinnliche und kulinarische Advents-Entschleunigungsprogramm genießen.

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Da der Berchtesgadener beratend im Vorstand des Klinik-Fördervereins ist, hatte er laut Vorsitzender Dr. Ursula Deppisch-Roth diese Benefizfahrt angeregt. Unter den 77 Teilnehmern kamen die Kenner der Veranstaltung mit Decken oder Fellen und hielten sich so bei der einstündigen Lesung in der ungeheizten, adventlich geschmückten Kirche warm. Erleuchtet war das Gotteshaus nur durch Kerzen sowie einen Christbaum mit Strohsternen und »Berchtesgadener War«.

Das musikalische Programm gestalteten diesmal nur Berchtesgadener Gruppen. Die »Moakterer Bläser«, die bereits an der Seelände und vor der Kirche gespielt hatten, bliesen von der Empore festliche Weisen, ein Gloria und einen Bläsersatz zu »Kommet ihr Hirten«. Mit perfekt harmonierenden reinen Stimmen trug der »Auzinger Zwoagsang« aus Ramsau Lieder wie »Sing, Sing, Sing« von Kathi Greinsberger oder »In einer kalten Winternacht« von Tobi Reiser vor. Christina und Toni Hillebrand begleiteten sich selber mit Gitarre und Akkordeon und schlüpften mit anrührendem Dialoggesang in die Rollen von Maria und Josef.

»Kleine Publikumslieblinge« waren die drei Rothen-Dirndl aus Loipl. Die sechsjährige Maria mit ihrer glasklaren ersten Stimme und Regina, sieben Jahre, sowie Veronika, neun Jahre, in der kräftigen zweiten Stimme begeisterten unter anderem mit »Maria große Himmelsfrau«, dem Herbergssuch-Lied »Wer klopfet an« und dem Hirtenlied »Oh du mei Simmei«.

Eingespielt wurden sie von den Geschwistern Hallinger. Die vier Geschwister vom Salzberg, Katherl (Hackbrett), Sepp (Zither), Hans (Harmonika) und Paul (Kontragitarre) musizierten auch feine Menuette und stade Weisen wie »Da Kerschbaam« vom Schwab Franzi oder die Volksweise »Feichterne«. Mehrmals untermalten sie den Sprecher, der den schweren Weg von Maria und Josef, ihre mühevolle Quartiersuche, die Verkündigung der Engel und die Anbetung der Hirten mit großer Dramatik und innerer Anteilnahme schilderte. Nach dem Andachtsjodler verließ das Publikum auf seine Bitte hin schweigend den Raum.

Im Wirtshaus konnte man sich beim Viergänge-Menü mit Kraftbrühe, gebratenem Saiblingsfilet, Rinderlende, vielen Beilagen und süßen Topfenknödeln aufwärmen. Dr. Ursula Deppisch-Roth erklärte, der Verein wolle mit diesem Abend, der über 2 000 Euro erbrachte, nicht nur das Krankenhaus finanziell unterstützen. Sie lud vielmehr dazu ein, in der lockeren Atmosphäre ins Gespräch zu kommen und weiterzusagen, »wie wichtig es für uns und unsere Gäste ist, eine optimale ortsnahe stationäre und ambulante Versorgung« zu haben.

Für ihre Unterstützung dankte sie Bürgermeister Stefan Kurz, der seine Tourist-Info und zwei Mitarbeiterinnen als Betreuerinnen zur Verfügung gestellt hatte, der Schifffahrt, dem Wirt, der Klinikverwaltung sowie allen Musikanten und Sängern. Nach unterhaltsamer Musik, unter anderem von der »Fleitlmusi« der Geschwister Hallinger, hieß es Abschied nehmen mit dem »Bartholomä-Lied« der Bläser. Dank der Dunkelheit im Schiff konnten die Gäste die sie heimsingenden Lieder des Auzinger-Paares und der Rothen-Dirndl besonders intensiv in sich aufnehmen und trotz der Bewölkung den Vollmond durchschimmern sehen. vm