Ehrung für Dialektpreisträger Lenz Berger

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Kamen zur Ehrung (v.l.): Laudator Hans Auer, 1. Vorsitzender Heinz Schober, Dialektpreisträger Lenz Berger und Landrat Bernhard Kern. (Foto: Alois Albrecht)

Anger – Der Landschaftsverband Rupertiwinkel im »Förderverein Bairische Sprache und Dialekte« hat sich für seine Jahreshauptversammlung ein besonders schönes Plätzchen ausgesucht: den »Klosterwirt«, gleich neben dem so idyllisch gelegen ehemaligen Augustinerchorherrenstift Höglwörth. Zudem eignete sich der Platz auch hervorragend für die Ehrung des diesjährigen Preisträgers des »Dialektpreises«, denn Preisträger Lenz Berger wohnt sozusagen gleich nebenan.


Beim Totengedenken erinnerte man vor allem an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder Lutz Feiler und den ehemaligen Landrat Martin Seidl. In einer Rückschau auf das Jahr 2020 sagte Vorsitzender Heinz Schober, wegen der Coronapandemie seien die Vorstandssitzungen, außer der letzten im Juli, online gehalten worden. Glücklicherweise habe aber die Jahreshauptversammlung 2020 in Neukirchen reell stattfinden können.

»Rap de Schui«

Dort sei der Dialektpreis an den bekannten Skispringer Markus Eisenbichler verliehen worden. Trotz der Pandemie habe sich aber auch einiges im Verein getan. So sei neues Werbematerial ausgearbeitet worden, für die Zeit nach Corona. Es sei auch ein neues Projekt mit dem Titel »Rap de Schui« in Vorbereitung. Ein weiterer Beitrag zur Erhaltung und Pflege des Dialekts sei mit dem Programm »Dialekt als Lebenselixier« geleistet worden. In Bezug zum diesjährigen Gewinner des Preises sagte Schober, er könne sich keinen besseren als Lenz Berger vorstellen, der schon so viel zur Pflege und Erhaltung des Dialekts beigetragen habe.

Georg Christlmaier erläuterte anschließend das Projekt »Rap de Schui«, bei dem Schüler aufgerufen seien, in Rapform und im Dialekt sozusagen »Gstanzln« zu verfassen, die per Video aufgezeichnet wurden. Diese sollen bewertet und die besten von einem professionellen Redakteur als Video veröffentlicht werden.

Auch der Vorstand des Gesamtvereins, Siegfried Bradl, gewährte einen kurzen Einblick in das Vereinsgeschehen im vergangenen Jahr. Natürlich musste auch Bradl eingestehen, wegen der Pandemie hätten mehrere Sitzungen ausfallen müssen. Die Jahreshauptversammlung 2020 war ausgefallen, jene für 2021 kann aber glücklicherweise im November im »Flötzinger Bräu« in Rosenheim stattfinden. Bei einer Sitzung im Frühjahr 2021 sei beschlossen worden, den vereinseigenen Rundbrief viermal im Jahr an die Mitglieder zu verschicken. Der Rundbrief solle in Zukunft auch einige Seiten weniger umfassen. Neu sei eine speziell für Kinder entwickelte Broschüre, die helfen soll, Kindern schon in jungen Jahren den Dialekt nahezubringen und zu erhalten. Leider werde dies bisher zu wenig beachtet.

Manche Kinder könnten den Dialekt kaum noch sprechen oder verstehen, meinte Bradl. Des Öfteren komme es vor, dass Eltern zwar im Dialekt mit den Kindern reden, diese aber in der hochdeutschen Umgangssprache antworten. Der Verein arbeite auch an einer Methode, mit der das Schreiben im Dialekt erleichtert werde.

Kampf um Anerkennung

Überlegungen seien zudem angestellt worden, den Verein neu zu gliedern, vielleicht nach Kreisebenen, um den vielen verschiedenen Dialekten in Bayern mehr gerecht zu werden – vom Rupertiwinkler Dialekt über den im Münchener Raum, bis zum niederbayerischen, schwäbischen oder fränkischen. Bradl und der Gesamtverein möchten die bairische Sprache auch als echte Sprache anerkannt wissen. Diese sei nämlich bis ins vorige Jahrhundert mit nur geringen Unterscheidungsmerkmalen als geläufige Umgangssprache von Südtirol bis ins Fränkische gebräuchlich gewesen und viel älter als die heutige »Standardsprache«. Die Anerkennung scheitere aber bislang an einer standardisierten Schreibweise (»Verschriftung«).

Die Schriftführerin sowohl in der Region als auch im Gesamtverein, Marianne Hauser, pflichtete dem bei und verkündete die Zusammenarbeit mit Verbänden im Salzburger Grenzgebiet, um gemeinsam dem Dialekt Aufmerksamkeit zu verschaffen. Diesbezüglich gebe es ebenfalls schon das Euregio-Projekt »Mit'n Redn kemman d'Leid zam«.

Im Kassenbericht, vorgetragen von der 2. Kassierin Bernadette Hinterreiter, zeigte sich eine gute finanzielle Lage im Verein. Dies wurde auch von Kassenprüferin Renate Heckl, die zusammen mit Max Hauser die Kassenführung geprüft hatte, bestätigt. Heckl bat die Versammlung um Entlastung der Vorstandschaft. Diese wurde umgehend und einstimmig gewährt.

Lob für Lenz Berger

In seinem Grußwort sagte Landrat Bernhard Kern, er freue sich darüber, was Lenz Berger »nach außen bringt«. Der Dialekt solle auch in Schulen einen größeren Stellenwert erhalten. Dem Verein wünschte der Landrat auch für weiterhin viel Erfolg bei seinen Bemühungen, den Dialekt zu erhalten und zu fördern.

Bürgermeister Markus Winkler meinte, er könne sich niemanden vorstellen, der diesen Preis mehr verdiene als Lenz Berger. Lenz habe so viele originelle Sachen gemacht und auch anderen Mundartdichtern Gehör verschafft. Zudem seien seine Beiträge im Radioprogramm der »Bayernwelle« sehr beliebt. Die Laudatio auf Lenz Berger wurde von einem seiner Vorgänger, Hans Auer, gehalten.

Danach war die Versammlung aber beileibe noch nicht zu Ende, denn sie wurde beim gemütlichen Zusammensein durch die Auer Familienmusi und die Vorträge mehrerer Gesangs- und Mundartdichtungen verlängert. al