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Ehrensenator? Ehrensache

Berchtesgaden - Überraschung im Rathaus: Die Berchtesgadener Faschingsgilde hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Bürgermeister Franz Rasp und Tourismusdirektor Michael Grießer waren sichtlich erstaunt, als die Präsidentin der Gilde, Karin Schröer, die beiden am Freitag zu Ehrensenatoren ernannte. Etwas, was in 55 Jahren Faschingsgilde noch nie vorgekommen ist. Doch was macht eigentlich so ein Ehrensenator? Im besten Fall: Geld geben.

Freuten sich über die besondere Würdigung (v. l.): Bürgermeister Franz Rasp, Präsidentin Karin Schröer, Ehrengründungsmitglied Ludwig Schröer und Tourismusdirektor Michael Grießer. Fotos: Anzeiger/kp

Bürgermeister Rasp wartet. Darauf, dass jetzt gleich etwas passiert. Was genau, weiß zu diesem Zeitpunkt keiner im Bürgermeisterbüro. Nicht mal Ludwig Schröer, Gründungsmitglied der Faschingsgilde und gleichzeitig wandelndes Lexikon, wenn es um den Fasching geht. Die Gilde ist mit einer kleinen Abordnung in das Rathaus eingezogen. Ein spontaner Besuch.

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Dass es dazu überhaupt gekommen ist, hat Gründe. Demnächst steht bei den Faschingsfreunden ein besonderes Jubiläum an. 55 Jahre gibt es den Verein. Derzeit wird eine Festschrift erstellt. Und der Akt, der an diesem Tag im Rathaus stattfinden soll, muss noch in die Schrift Einzug halten. Unbedingt. Immerhin ist es eine Premiere. Die Ernennung von Ehrensenatoren.

Präsidentin Karin Schröer hat eigens dafür einen Orden erstellen lassen, ein blau-weiß gezackter Stern auf Wölkchen-Hintergrund. Ein paar rote Steine zur hübschen Verzierung. Unten prangt ein auffälliger »Ehrensenator«-Schriftzug.

Franz Rasp und Michael Grießer sind neugierig. »Ich ernenne Sie heute zu Ehrensenatoren«, sagt die Präsidentin. Weil die Unterstützung immer so vorbildlich war. Obwohl dies nicht selbstverständlich sei, fügt sie an. Dass es überhaupt eine Faschingsgilde in Berchtesgaden gibt, sei schon einzigartig. In einem Ort, in dem Fasching kaum eine Bedeutung hat, der finanzielle Zuschuss trotzdem aber bislang nie versiegt ist. Deshalb seien der Gemeindechef und der Tourismusdirektor genau die richtigen Männer für die Auszeichnung.

Auch Ehrengründungsmitglied Ludwig Schröer wird die Auszeichnung zugesprochen und Ehrenpräsident Hans Gugg, der nicht dabei sein kann, bekommt die Würdigung ebenso. »Ehrensenator Franz Rasp«, sagt Karin Schröer - ihre Stimme klingt stolz . »Auf die Knie muss ich dieses Mal aber nicht?«, fragt Rasp vorsichtig und erinnert sich an die Verleihung des letzten Ordens. Nein, auf die Knie muss er nicht. Den Kopf nach vorne zu beugen reicht vollkommen aus.

Neben dem Orden gibt es eine gerahmte Urkunde, ein schönes Stück. Im Idealfall kommt es an die Wand. Wobei die Frage bleibt, was denn so ein Ehrensenator eigentlich ist, was er macht - und warum es bislang noch keinen in der Berchtesgadener Faschingsgilde gibt. Karin Schröer sagt, dass es in anderen Gilden selbstverständlich Ehrensenatoren gebe. Zum Beispiel in Salzburg. Ein teurer Job. Denn gewöhnlich geben die Titelträger Geld.

Aber nein, gewiss ist die Auszeichnung von der Faschingsgilde kein unterschwelliger Hinweis darauf, Geldgeschenke in Zukunft noch großzügiger ausfallen zu lassen. Die Präsidentin sagt, dass es einfach ihre Art des Dankes sei. Für das immerzu »offene Ohr in allen meinen Angelegenheiten«. Das freut die Ausgezeichneten.

In Sachen Fasching geht es übrigens schon in Kürze weiter. Faschingsbeginn im November, Schlüsselübergabe im Rathaus, am 19. Januar 2013 dann der große Hofball im Kongresshaus von Berchtesgaden. »Der Termin steht bereits bei mir drin«, sagt der Gemeindechef. Karin Schröer ist darüber sehr erfreut. kp